10 Cloverfield Lane: Zwei Blickwinkel zur spannenden Enttäuschung für Kaiju-Fans

Zum Thema Allgemein, Endzeit, Filmtipps, Home, Monster von - April 01, 2016
10 Cloverfield Lane: Zwei Blickwinkel zur spannenden Enttäuschung für Kaiju-Fans

8 Jahre habe ich auf eine Fortsetzung von Cloverfield gewartet. Dann, Anfang 2016, wurde wie aus dem Nichts der vielleicht beste Trailer der vergangenen Jahre veröffentlicht. Um die folgende Wut über 10 Cloverfield Lane zu verstehen müsst ihr wissen, dass der Film für mich das Highlight des Jahres hätte werden sollen. Leider ist er es nicht geworden. Ich werde euch deshalb fairerweise zwei Reviews, aus zwei Sichtweisen, vorstellen. Spoiler inklusive!

Worum geht es überhaupt? Michelle baut mitten im Nirgendwo einen Unfall und wacht in einem Bunker auf. Dort erzählt ihr der etwas grimmige Howard, dass die Welt zugrunde gegangen ist. Er habe ihr das Leben gerettet und würde wegen der verseuchten Luft niemanden aus dem Bunker lassen. Zusammen mit Emmet, der ebenfalls im Bunker festsitzt, findet sie schnell heraus, dass nichts so ist wie es scheint.

1. Review: Aus der allgemeinen Perspektive

Der Trailer suggeriert uns bereits, dass die Herangehensweise an das vermeintliche Cloverfield-Sequel eine andere ist, als noch beim grandiosen Found-Footage-Vorgänger. Keine Handkamera mehr und offensichtlich eine Art Kammerspiel in einem Bunker. Trotzdem bedienen sich sich Agenturen wieder des viralen Rätsel-Marketings, wie schon beim Vorgänger. Das einzige, was man vor dem Kinobesuch weiß ist, dass außerhalb des Bunkers „irgendetwas“ ist. Die Voraussetzungen für einen guten SciFi-Thriller der alternativen Art wurden geschaffen. Und ja, dieser Film ist etwas vollkommen anderes.

Vor allem lebt 10 Cloverfield Lane von der genialen Performance eines John Goodman. Dieser liefert als zwielichtiger Howard eine grandiose Show ab und hält den Zuschauer über weite Strecken am Geschehen. Von kauziger Vaterfigur bis zum angsteinflößenden Choleriker spult er seine besten Programme runter. Trotz erzkonservativer Merkmale und psychopatisch wirkender Handlungen bleibt das Rätsel um ihn offen. Nur so viel sei gesagt, er ist nicht einfach nur ein durchgeknallter Triebtäter, den wir in Zeiten von „Raum“ vielleicht erwartet hätten. Das Ganze steuert viel mehr Richtung Zwangsbehutsamkeit und Ordnung. Seine Figur spiegelt den Bürger eines Staates in Terror-Angst gekonnt wieder, eine erkennbare Ähnlichkeit zu Cloverfield.

Wenn es im Slogan „Monsters come in many forms“ heißt, bedeutet das: Hier gibt es „andere“ Monster und Howard steht dabei im Fokus. Von einem unberechenbaren Kaiju können sich die Zuschauer hier tatsächlich komplett verabschieden. Produzent J. J. Abrams selbst erklärte kurz nach deutscher VÖ, dass nach Godzilla und Pacific Rim schon ein sehr guter Grund hätte genannt werden müssen, um das „Clovermonster“ wieder auf die Leinwand zu schicken.

10 Cloverfield Lane ist ein Kammerspiel. Ein Psychothriller auf engem Raum. Hauptfigur Michelle (Mary Elizabeth Winstead) passt dazu wie die Faust aufs Auge. Im Finale wird der emanzipierte, feministische Auftrag der Figur deutlich. Das Mädchen, Howard schafft es nicht sie als „Frau“ zu bezeichnen, welches anfangs noch vor ihrer Verantwortung flieht, emanzipiert sich selbst aus der Hölle heraus und mutiert kurzerhand zur Amazone, die sogar diejenigen besiegt, die im Finale Gewalt, Terror und Unterdrückung symbolisieren – extra-terrestrische Invasoren.

Wurde schon in den deutlich besseren, ersten drei Vierteln des Films verschwitzt, den Figuren Michelle und Emmet mehr Substanz zu verleihen, mündet das Finale dann in einem fast schon peinlichen Fiasko mit Möchtegern-Cliffhanger. Auf das Ende komme ich gleich in der Review aus meiner Perspektive aber nochmal zu sprechen. Hier möchte ich schnell noch die tolle, technische Arbeit hervorheben. Kameramann Jeff Cutter (geiler Name) leistet super Arbeit auf engem Raum, dazu wird er unterstützt von einem starken Score durch Bear McCreary (The Walking Dead, u.a.). Hält man sich vor Augen, dass es Dan Trachenbergs Regie-Debüt ist, kreiert er fast abgeklärt eine tolle Symbiose aus klaustrophobischer Spannung, unterhaltenden Gags und apokalyptischer Atmosphäre. Bis es an die frische (?) Luft geht.

2. Review: Aus meiner Perspektive

Alle positiven Eindrücke scheinen sich in den ersten 75 Prozent des Filmes zu bestätigen. Meint man. Drei Viertel des Films wirken deshalb okay, weil der Gedanke, dass außerhalb des Bunkers der offensichtliche Bezug zu Teil 1 wartet, ein ständiger Begleiter ist. Im Finish werden wir es schon sehen. Gleich wird es kommen. Das Cloverfield-Monster. Mit ihm warten viele offene Fragen darauf endlich beantwortet oder erweitert zu werden. Irgendwann geht die Tür auf und…

Halten wir die Aprilscherz-Spannung aufrecht und spulen kurz zurück. Warum mag ich Cloverfield nicht nur, sondern bin ein absoluter Fan? Viele gute Gründe nenne ich HIER, HIER oder HIER. Zusammengefasst: Cloverfield war rasant, kreativ, pausenlos. J.J. Abrams schuf eine mysteriöse, gigantische Kreatur. Kaiju-ähnlich, „tierisch“. Zusammen mit dem unvergleichlich genialen Marketing rätselten SciFi-Fans weltweit. Lange vor und lange nach dem Film. Die Geschichte lebte interaktiv weiter. Noch dazu ist das gefühlte Dabeisein, dieses Actionerlebnisses, die Jurassic-Park-ähnliche Faszination des Zuschauers hier praktisch tot.

Ich finde eben nicht, dass hier trickreich mit meiner Erwartung gespielt wird. Streckenweise fühle ich mich einfach verarscht. Im Arbeitstitel hieß das Mistvieh noch „The Cellar“. Das wäre super gewesen. Man guckt einen beklemmenden, unterhaltsamen Thriller und erfreut sich zwischendurch an netten Gimmicks wie „Slusho!“ oder einem Straßenschild namens „10 Cloverfield Lane“. Meinetwegen. Ich hätte auch damit leben können, dass die menschliche Beziehung in Zeiten des Terrors hier fokussiert wird, im Gegensatz zum 2008er Namensvetter. Alles eine Sache der Kreativität. Hauptsache die Kultfigur kehrt in irgendeiner Form zurück.

Davon aber keine Spur. Stattdessen wird einem irgendein hundeähnliches, Wurmkopf-Vieh präsentiert. Die neuen „Monster“ sehen lächerlich und unkreativ aus, erinnern in jeder Sekunde an World Invasion – Battle: Los Angeles oder Skyline. Wenn sie eine metaphorische Symbolik besitzen sei das natürlich erlaubt. Ich wollte aber blanken, animalischen Horror. Kein Gravity 2, verdammt. Davon abgesehen empfinde ich Michelles innere Konfliktlösung zur Tapferkeit als zutiefst plakativ, gekrönt von einer denkwürdig miesen Heldentat. Wurde ich jetzt überrascht? Vielleicht. Filme wie dieser verschießen ihr Pulver aber beim ersten Mal. Bei wiederholtem Ansehen wird es keinen Aha-Effekt mehr geben.

Nein lieber J. J., sorry Dan, ich lasse das Godzilla-Pacific-Rim-Argument hier nicht durchgehen. Nicht von einem Typen, der innerhalb von sechs Jahren zwei Star Treks, einen Super 8 und einen Star Wars dreht. Ich empfinde die Idee von einer Filmreihe eigenständiger Werke mit zusammenhängenden Eigenschaften auch nicht als unglaublich innovativ. Das hat es alles schon gegeben. In meinen Augen flüchteten die Macher hier vor der Aufgabe, gerade in Zeiten von Godzilla und Co, ein weiteres Mal den eigenen Kult-Kaiju zu etablieren. Ich unterstelle geldbedingte Panik vor Risiko (siehe auch Das Erwachen der Macht) und Irreführung von Fans. Wenn schon kein Sequel, dann lieber gar nichts.


Fazit

Betrachtet man 10 Cloverfield Lane als eigenständigen Thriller mit Kammerspiel-Elementen, begeistert er über weite Strecken vor allem dank der denkwürdigen Leistung von John Goodman. Als Absoluter Fan von Cloverfield fühle ich mich hier aber hintergangen und bin schwer enttäuscht aus dem Kino getrottet. Ja, das überwiegt. Selbst Befürworter können mir das total versemmelte Finale nicht schönreden. Ein Drehbuch-Unfall erster Güte, so dumm, dass es für mich auch die große Stärken wie ein schwarzes Tuch überdeckt. Ob ich mir diesen Film jemals wieder anschauen werde?

Das sagen meine Kollegen:

„Äußerst spannend inszeniert und niemals langweilig. Und dann kommt das Ende…“ (Filmschrott

„Thematisch interessante Fortführung und Andersdenkung.“ (Cellurizon)

„Für uns einer der spannenderen Filme der letzten Jahre, wenn auch leider nur mit einer einmaligen Wirkdosis. Genießt sie!“ (Duoscope

„Wer Cloverfield gar nicht erst kennt, wird trotz eines kontroversen Endes auf seine Kosten kommen.“ (Ma-Go Filmtipps

Der Film könnte euch gefallen, wenn ihr Open Grave, Raum oder Cloverfield gesehen habt. Meine krittiq dazu gibt’s HIER.

Bilder © Paramount Pictures

Ich möchte meine Leidenschaft für Filme mit Euch teilen. Es gibt so viele spannende, interessante Werke, die viel zu wenig Beachtung geschenkt bekommen. Manchmal braucht ein stark kritisierter Film einen Verteidiger. Andere gehypte Filme müssen dagegen auch mal hinterfragt werden. Filme müssen Spaß machen.

5 Kommentare on "10 Cloverfield Lane: Zwei Blickwinkel zur spannenden Enttäuschung für Kaiju-Fans"

  • Ich bin ja zum Glück kein Megafan des Originalfilms, deshalb hat mich das nciht so sehr gestört. Aber ich gebe dir recht, dass ein anderer Titel und die völlige Abkapselung von diesem Titel sinnvoller gewesen wäre, was die Erwartungen angeht. Vor allem verstehe ich den Sinn dahinter absolut nicht. Es wäre doch absolut simpel gewesen, hier am Ende einen Bezug zum Erstling aufzubauen. Statt dem anderen Alienvieh halt das Cloverfieldmonster rein und schon passt das.

    • Das hätte nicht gepasst. Es war ja wichtig, dass sie das Vieh besiegt, und wie Panne wäre das gewesen, wenn sie alleine das Cloverfield-Monster platt macht?? :/

      • Hab das hier irgendwie aus den AUgen verloren, aber ich antworte trotzdem mal noch schnell:
        Die Idee wäre ja dann nciht gewesen, dass sie das Cloverfieldmonster killt. Ich will überhaupt nicht, dass die irgendwas killt. Das hat mich am Ende ohnehin am meisten gestört. Dass sie da zur Ein-Mann-Armee mutiert und alleine das haushohe Alien killt.
        Also Cloverfieldmonster rein … oder nein, noch besser, gar kein Monster. Sie kommt raus, alles ist im Arsch und man weiß nicht was passiert ist, aber als Zuschauer stelle ich natürlich den Bezug zu Teil 1 her. Dann ganz normal diesen Funkspruch oder was das war abspielen, wie man es getan hat und sie fährt halt los, in die unbekannte Gefahr. Hätte auch saugut zum Rest des Films gepasst.

        • Micha

          Da schließe ich mich an, der „Kunstgriff“ stört mich hier massiv und ist mal so gar nicht für Fans des ersten Teils gedacht, aber erst recht nicht für uninformierte Kinofans, die wegen des Titels ins Kino gelockt wurden. Wie gesagt als Thriller und einem normaleren Ende hätte der gut funktioniert. Aber „mein Cloverfield“ hat der mit Füßen getreten. Und wenn jetzt kein weiterer Film mit „Cloverfield“ im Titel kommt, bleibt der ganze Bockmist ohnehin inkonsequent und in seiner Argumentationslinie unglaubwürdig.

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