Captain America: Civil War – Ernsthaft witzige Heldenschlacht der Superlative

Zum Thema Allgemein, Filmtipps, Home von - Mai 03, 2016
Captain America: Civil War – Ernsthaft witzige Heldenschlacht der Superlative

Marvel ist ein fester Bestandteil der Kinolandschaft vergangener und kommender Jahre. Zwei bis drei Blockbuster Highlights pro Jahr sind den Comic-Giganten immer zuzuschreiben. Die Fürsprecher vermehren sich zahlenmäßig ebenso wie diejenigen, die das Überangebot an Comic-Verfilmungen und Bombastfilmen nervt. Und doch ist ausgerechnet Captain America: Civil War 2016 wohl der Blockbuster, an dem sich alle anderen messen werden müssen.

Worum geht es überhaupt? Die weltweite Öffentlichkeit stellt die Unabhängigkeit der Avengers in Frage. Tony Stark versucht seine Kollegen davon zu überzeugen, ein mit der UN erarbeitetes Abkommen zu unterschreiben, welches die Avengers unter den Befehl der Vereinten Nationen stellen würde. Steven Rogers weigert sich jedoch zu unterschreiben. Der Streit eskaliert, als Rogers‘ Freund Bucky bei einem Attentat auf die UN gefilmt wird. Stark und Rogers scharren ihre jeweiligen Mitstreiter um sich, was auch unerwartete Kämpfer auf den Plan ruft.

Zum Glück zeichnen sich erneut die Regie-Brüder Anthony und Joe Russo für „Cap“ verantwortlich. Ihre Vorgängergeschichte um den Winter Soldier zählt unter Filmfreunden zu den bislang besten Marvel-Veröffentlichungen. Die beiden werden übrigens auch The Avengers: Infinity War Part 1 & 2 drehen, was mich hoffen lässt. Denn auch dieses Mal setzen sie mit ihrer Version des Marvel-Universums neue Maßstäbe. Leicht war das sicherlich nicht.

Häufig wurde der Film im Vorfeld mit Kritikerschätzchen Batman v Superman: Dawn of Justice verglichen und ja, wenn eine Einheit aus überstarken Helden sich Regeln der Gesellschaft beugen soll, dann ist das nicht unbedingt neu. X-Men-Syndrom. Immerhin aber mal ein gesellschaftlich-politischer Konflikt als Antagonist mit einer diskussionswürdigen Moralfrage. Ich habe dazu eine eindeutige Position, muss aber zugeben, dass es den Zuschauern wirklich nicht leicht gemacht wird Stellung zu beziehen. Stark und Rogers werden hier tatsächlich gegeneinander antreten. Aus Gründen.

Und das sieht richtig toll aus. Zwar lädt einen die Kameraführung zu Beginn zum gepflegten epileptischen Anfall ein, doch die Kampfchoreografien sind weltklasse inszeniert und selbst für geschätzt 80 Prozent am Rechner entstandene Landschaften hat der ganze Spaß Wirkung. Schade, dass hier der dazu passende episch-emotionale Score fehlt. Irgendwo muss wohl selbst Marvel sparen, ich hätte woanders angesetzt. Ein wenig befremdlich finde ich die dezent überpräsenten, James Bond’schen Ortsangaben pro Locationwechsel. Man möchte uns sagen: „Das ist ein globales Problem. Global!“ Ich denke, das hätte der Zuschauer auch ohne den optischen Schrei ins Gesicht geschnallt.

Was mir persönlich gefällt ist, dass es zentral tatsächlich ein Captain America Film ist. Rogers, Wilson und Barnes stehen im Fokus, obwohl auf der Leinwand der reinste Heldenporn abgefeiert wird. Diesen Balanceakt muss man erst mal bewerkstelligen, Respekt! Darüber hinaus bekommen es die Russos hin, die charakteristischen Merkmale der anderen Figuren in den ernsteren Grundton dieser Reihe zu übernehmen. Da hätten wir zum Beispiel Ant-Man, der seine flapsige Art beibehält. Lediglich Iron Man wird zunehmend ernster und verbitterter, was im späteren Verlauf durchaus begründet ist. Robert Downey Jr spielt das sehr „Stark“, emotional wunderbar zerrissen.

Keine Angst, eine gesunde Portion Humor gibt es weiterhin. Vielleicht sogar dezenter und sympathischer als jemals zuvor. Mir gefielen hier vor allem Sebastian Stan (schwängert Kate Mara in Der Marsianer) und Paul Bettany (geißelt sich selbst in Illuminati) als überraschende Gag-Lieferanten. Ebenfalls für ein paar Lacher sorgt einer der Neuen: Spiderling. Spiderboy. Sorry, Spiderman. Tom Holland (der kleine Junge aus The Impossible, Im Herzen der See, …) macht das mit seinen jungen Jahren sehr abgeklärt, wobei ich mir vorstellen könnte, dass seine kindisch-durchgeknallte Art dem einen oder anderen auf die Nerven gehen.

Nach erster Einschätzung dürfte Chadwick Boseman als Prinz T’Challa von Wakanda aka Black Panther der größte Gewinner sein. Sowohl sein Charakter als auch seine traurigen Beweggründe, auf Bucky Jagd zu machen, sind Gold für die Handlung. Mit seiner dunklen Stimme, dem schwarzen Kostüm und den wirklich tollen Kampf-Moves wurde bereits jetzt klargestellt, dass sein kommender Film die Kinokassen füllen wird. Ich freue mich wirklich darauf, behält man den ernsten Unterton bei ihm bei.

Ein paar kleinere Schwächen gibt es natürlich auch. Während sich zum Beispiel Black Panther und Winter Soldier wahre Überlebenskämpfe liefern, werden direkt daneben Sprüche von Spidey, Hawkeye, Stark oder Ant-Man geklopft. Passt nicht immer zur Stimmung der jeweiligen Szene. Außerdem wird für mich bei einzelnen Helden nur halbherzig abgehandelt, weshalb sie sich überhaupt einer Seite anschließen (z.B. Ant-Man, Spidey, Hawkeye). Man macht sich das hier etwas einfach. Nicht falsch verstehen darf man meiner Meinung nach übrigens den Auftritt von Daniel Brühl als Zemo. Er ist kein wirklicher Antagonist, kein Überbösewicht, sondern eher eine miese Randerscheinung. Warum? Weil hier das Duell von Stark und Cap der Titelgeber ist. Gut so!

Fazit

Captain America: Civil War ist für eine auf Massen ausgelegte Comicverfilmung nicht immer logisch, aber erstaunlich schlüssig. Der Film bleibt trotz vieler Gesichter seinem Titelhelden treu, liefert richtig starke Kampfchoreos ab und weiß auch über 185 Minuten zu begeistern. Besonders gut gefällt mir – und da wären wir wieder bei Batman v Superman – dass ein Twist dafür sorgt, dass sich beide Kontrahenten am Ende noch immer gegenüber stehen, statt nebeneinander. Action, Witz und Spannung auf ganz hohen Unterhaltungslevel.

Der Film könnte euch gefallen, wenn ihr The Return of the First Avenger oder Batman v Superman gesehen habt.
Bilder: © The Walt Disney Company Germany GmbH

Ich möchte meine Leidenschaft für Filme mit Euch teilen. Es gibt so viele spannende, interessante Werke, die viel zu wenig Beachtung geschenkt bekommen. Manchmal braucht ein stark kritisierter Film einen Verteidiger. Andere gehypte Filme müssen dagegen auch mal hinterfragt werden. Filme müssen Spaß machen.

2 Kommentare on "Captain America: Civil War – Ernsthaft witzige Heldenschlacht der Superlative"

  • Ich fand den größtenteils langweilig. Alles schon gesehen. Gut gemacht war er, aber komplett ohne Seele, ohne Persönlichkeit. Spätestens jetzt ist FAST & FURIOUS tatsächlich das deutlich bessere Superhelden-Franchise geworden!

    • Micha

      Bis zum letzten Teil hätte ich fast alles nachvollzogen, was du sagst 😉 F&F ist aber wenn überhaupt ein ähnlich belangloses Franchise, dass den Zuschauern mit aufgesetzter Emotionalität die Knete aus den Taschen zieht. Diesel, Rodriguez und Co sind mit die eindimensionalsten Darsteller, die ich jemals erleben durfte. Paul Walker lasse ich das fast fein raus. Ich bin natürlich nicht so bescheuert hier noch die mangelnde Logik anzuprangern, aber bei Gott, die Regieleistung der letzten Filme war grauenhaft. Sorry, da kommen wir auf keinen Nenner. Aber müssen wir ja auch nicht 😉

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