Der Filmtipp: Der Butler: Traurigschöne Ironie des Schicksals

Zum Thema Filmtipps von - März 26, 2014

Lee Daniels ist den meisten Filmfreunden bekannt durch seine Regiearbeit an dem Drama Precious, das 2010 zwei Oscars abräumte. 2013 wurde Nicole Kidman außerdem für ihre Rolle in Daniels‘ The Paperboy für den Golden Globe nominiert. Dass sein Meisterwerk Der Butler sowohl von den Golden Globes als auch von den Oscars sträflich ignoriert wurde, ist eine Schande.

Natürlich ist die Geschichte des schwarzen Cecil, der es vom „Hausnigger“ bis zum Diener des US-Präsidenten schafft eine Geschichte, die Amerikaner lieben müssen. Auf den ersten Blick hat der Zuschauer das Gefühl einen „Forest Gump in Black“ zu sehen, ein Good-Mood-Movie, bei dem irgendwie alles immer wieder gut ausgeht. Und vielleicht ist gerade das das Problem. Gerade in Zeiten, in denen Filme wie Lincoln und 12 Years a Slave die höchste Aufmerksamkeit der Filmkritiker erhalten, will niemand eine durchweg positive Story aus Amerikas dunkelster Geschichte sehen. Ein zweiter Blick verrät: So positiv ist auch Der Butler nicht. In vielerlei Hinsicht ist er meiner Meinung nach sogar wirkungskräftiger als 12 Years a Slave.
Star-Parade ohne Star-Allüren
Cecil Gaines muss den Mord an seinem Vater durch seinen weißen Besitzer mit ansehen und hilflos die Vergewaltigung seiner Mutter (kurz, aber klasse: Mariah Carey) dulden. Der Moment in dem Vanessa Redgrave als alte Mutter des Sadisten aus Mitleid eingreift und Cecil ins Haus holt, um aus ihm einen „anständigen Hausnigger“ zu machen ist die erste starke Szene des Films, der immer wieder diese bitterböse Idiotie der Rassentrennung karikatiert. Gaines‘ Leben ist zynisch. Um seine Familie zu ernähren akzeptiert er seine Rolle als unterwürfiger, unpolitischer Diener. Er arrangiert sich mit seiner Rolle und wird mit jedem Jahr im Oval Office zufriedener. Was er ignoriert: Das Land ist gespalten. Sein älterer Sohn schließt sich Freiheitskämpfern an, weshalb Gaines ihn lange verstößt. Immer wieder werden Szenen eingespielt, in denen Gaines‘ eher als Anti-Held gezeigt wird. Stilmittel und wichtig hierfür sind die perfekt besetzten Nebenrollen. Zum Glück stellt sich dabei keiner der Schauspieler bewusst in den Vordergrund.

Pluspunkte: Oprah und Co.

Roter Faden ist Gaines starke Ehefrau Gloria (grandios: Oprah Winfrey), die ihre Einsamkeit anfangs in Alkohol und Seitensprüngen mit Gaines‘ Nachbar Howard (Terrence Howard) ertränkt. Sie steht zwischen Cecil und seinem Sohn und muss mit ansehen, wie ihre Familie zu zerbrechen droht. Weiterer starker Moment: Während Cecil für „Weiße“ arbeitet und sein älterer Sohn für die Rechte der Schwarzen auf die Straßen geht, stirbt sein jüngerer Söhn Charlie im Vietnam-Krieg. Was für ein Irrsin. Ich kann gar nicht genug betonen, wie klasse die Nebendarsteller diesen Film tragen. Selbst Lenny Kravitz und Cuba Gooding Jr. als Gaines‘ Kollegen liefern eine gute Leistung ab, mit der Aufgabe auch mal Schmunzler einzustreuen. 

Die Gump-Taktik geht auf

Der Vergleich zu Forest Gump ist deswegen berechtigt, da als paralleler Background die Etappen der US-Geschichte begleitet werden. Martin Luther King, Malcom X, die Black-Panther-Bewegung, der Vietnam-Krieg und später sogar Nelson Mandela. Alles ist dabei. Kein Wunder also, dass auch die vielen Präsidenten denen Gaines in seiner Zeit im Oval Office begegnet durch Darsteller wie John Cusack, Robin Williams, James Marsden, Liev Schreiber oder Alan Rickman inszeniert wurden. Hervorheben möchte ich hier Alan Rickman und Jane Fonda als das Präsidentenpaar Reagan. Gaines‘ wird nach gefühlten 20 Jahren Arbeitszeit von den Reagans eingeladen seine Frau mitzubringen und zusammen zu essen, statt diese zu bedienen. Die Minute in der Gaines klar wird, dass es sich um PR handelt ist wieder einmal bärenstark.

Mehr als nur Darstellerkino

Gehen wir mal weg von Drehbuch, Regie und Darstellern so muss ich sagen, dass mir außerdem die tolle Maskenarbeit (z.B.  Whitaker, Carey, Cusack, u.v.m.!) gefallen hat. Die Ausstrahlung der Figuren versetzt einen sofort in das jeweilige Jahrzeht. Übrigens auch ein Verdienst der Ausstattung, Kostüme und Bühnenbilder. Ich verstehe wirklich nicht, warum die Academey nicht über ihren Schatten springen konnte. Keine einzige Nominierung ist ein Witz.
Kleiner Minuspunkt ist vielleicht der hang zum Kitsch und zu den bewusst gesteuerten emotionalen Szenen. Trotzdem hat mich dieser Film mehr berührt als viele andere Preisträger. Das Ende naht mit der gewonnenen Präsidentschaftswahl Barack Obamas, was ich etwas dick aufgetragen finde, da Gaines‘ dort schon lange nicht mehr im Weißen Haus arbeitet. Doch die Schlussszene ist großes Kino. Gaines wird von Obama eingeladen – seinem Butler-Nachfolger sagt er auf dem Weg durch das Oval Office „Ich kenne den Weg“. 
Fazit: Yes, they can! Der Butler besitzt durch seine ironische Erzählweise mehr Biss als 12 Years a Slave. Ich persönlich habe mich nach diesem Film jedenfalls viel mehr angeregt gefühlt darüber nachzudenken und diskutieren zu wollen. Vor allem die Darsteller, allen voran Forest Whitaker selbst, leisten hier großes Kino, das dank dem Drehbuch ein wenig den Charme der 90er versprüht.
Ich möchte meine Leidenschaft für Filme mit Euch teilen. Es gibt so viele spannende, interessante Werke, die viel zu wenig Beachtung geschenkt bekommen. Manchmal braucht ein stark kritisierter Film einen Verteidiger. Andere gehypte Filme müssen dagegen auch mal hinterfragt werden. Filme müssen Spaß machen.

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