Der Filmtipp: Cake – Rachel wird zu Dr. House, aber leider reicht das nicht

Zum Thema Allgemein von - Dezember 29, 2015
Der Filmtipp: Cake – Rachel wird zu Dr. House, aber leider reicht das nicht

Wenn ich den Namen Jennifer Aniston höre, spare ich im Normalfall mein Kinogeld oder switche auf einen anderen Sender. Denn auch wenn sie mit ihrer Figur Rachel aus der Sitcom Friends unsterblich geworden und scheinbar nie gealtert ist, hat sie ein besonderes Talent dafür miesen Klamauk-Drehbüchern zu unterliegen. Irgendwie typisch für Hollywood, dass sie in Sachen Cake erst dann eine Drama-Rolle ergattert, wenn sie selbst die Produzentin ist. Immerhin, ihr Image hat sie poliert.

Worum geht es überhaupt? Claire hat ihr Kind bei einem Autounfall verloren. Seit dieser Tragödie hat sie chronische Schmerzen und ist tablettensüchtig. Nur noch Haushälterin Silvana hält zu der einst lebensfrohen Zynikerin. Als Nina, eine Leidensgenossin aus der Selbsthilfegruppe, sich das Leben nimmt, entwickelt Claire ein ungewöhnliches Interesse an ihren Beweggründen zum Selbstmord – und ihrem hinterbliebenen Ehemann Roy.



Cake ist erst mal ein Filmtitel, mit dem man mich anlockt. Zum Glück heißt er bei uns nicht Claire – total verbacken oder so. Schön prägnant und lecker. So geht’s! Schönrederei bringt einen hier aber auch nicht weiter. So richtig neu ist die Rolle nicht, die Jennifer Aniston uns hier verkauft. Man bekommt doch sehr stark den Eindruck, als würde sie ihre Rachel aus Friends praktisch adaptieren und ihr lediglich eine traumatische Vergangenheit, Schmerzen und Tablettensucht hinzufügen. Liebenswert, charmant, ein bisschen verpeilt. Aber eben auch süchtig, traurig und krank. Ihre Leistung soll das aber nicht schmälern, denn tatsächlich kaufe ich ihr die Figur ab.

Leider ist das dazugehörige Drehbuch eine kleine Katastrophe. Auf der einen Seite soll es so aussehen, als hätte Claire sich von allen Menschen abgekapselt. Mit ein paar wenigen Ausnahmen begegnet ihr aber jeder, der ihren Weg kreuzt, mit einer gewissen Sympathie. Ich hätte mich wenigstens mal über einen ernsten Streit mit ihrer Haushälterin gefreut oder etwas Vergleichbares. Außer einem toll gespielten Ausraster kurz vor Schluss kommt da aber nicht viel. Nur weil sie in der Eröffnungsszene ihre Selbsthilferuppe ab absurdum führt macht sie das noch lange nicht zu einer unmenschlichen Charakterbestie. Oder ich bin auch eine.


Hässlich. Ich bin so hässlich. Ich bin der Hass.
Aber eigentlich ganz nett.

Natürlich haben sich Regisseur Daniel Barnz und seine Kollegen viel Mühe dabei gegeben, die schöne Jenny mal anders zu zeigen. Narben auf Gesicht und Körper, komplett ungeschminkt, Dr. House-Attitüde, Zynismus und Jogginghosenstil a la Castrop-Rauxel. Doch es fehlt ein wenig die Balance, wie zum Beispiel die dezenten, passenden Ausflüge ins wirklich dramatische oder ins sehr lustige. Der Film pendelt und läuft so vor sich hin.

Gerade bei der Person Silvana stelle ich mir die Frage, ob das denn nun ein Feel-Good-Movie wird, oder eben ein Drama um ein trauriges Schicksal. Adriana Brazza erfüllt ihre stereotypische, aber sehr liebenswerte Figur gekonnt ohne dick aufzutragen. Das schon. Aber leider kommt auch nicht mehr Tiefe ins Spiel. Auch Sam Worthington spult sein Lieblings-Schwiegersohn-Programm locker ab. Beide schaffen das, weil ihre Figuren sehr eindimensional sind und das Drehbuch ihnen nicht viel mehr Möglichkeiten schenkt. Das macht ihre Leistung nicht unbedingt schlecht, gibt uns nur nichts Besonderes.



Handwerklich empfinde ich Cake als durchaus gelungen. Tolle Kamera, tolle Aufnahmen, passendes Farbbild. Aber wenn das schon wie eine Verteidigung klingt, dann ist eben irgendetwas schief gelaufen. Besonders störe ich mich an den Auftritten von Anna Kendrick als Selbstmörderin. Diese wird nämlich nur als zu Claire sprechende, verzogene Halluzination in den Film eingebaut. Das passt meiner Meinung nach überhaupt nicht ins Gesamtbild. Jedenfalls dem Gesamtbild, welches ich erwartet habe – was aber letztlich ja auch nicht erfüllt wurde. Ihr merkt schon. Schwierig.

Für ein Drama ist mir Cake einfach zu freundlich. Und wenn man einem Drama etwas Gewicht abnehmen will, dann doch bitte gekonnt, wie zum Beispiel in Silver Linings oder The Help. Diese Filme schaffen es nämlich nach jeder witzigen Szene sofort wieder den emotionalen Weg Richtung Magengrube zu finden. Berühren tut Cake einen aber immer nur dann, wenn Claire mit dem Tod ihres Sohnes konfrontiert wird. Gerade hier zeigt Aniston dann aber, dass sie tatsächlich viel mehr kann. Sie rettet viel!


Fazit

Cake möchte ein Drama mit unbeschwertem Touch sein und scheitert genau daran. Barnz und Drehbuchautor Patrick Tobin machen es sich in vielen Bereichen zu einfach. Zu stereotypisch und einfach nicht spannend. Jennifer Aniston spielt ihre Rolle fantastisch und mit viel Hingabe, keine Frage. Aber das gewisse Etwas fehlt um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Schade.

Dieser Film könnte dich interessieren, wenn du Still Alice oder Silver Linings gesehen hast.

Bilder © Warner Bros. Pictures Germany

Ich möchte meine Leidenschaft für Filme mit Euch teilen. Es gibt so viele spannende, interessante Werke, die viel zu wenig Beachtung geschenkt bekommen. Manchmal braucht ein stark kritisierter Film einen Verteidiger. Andere gehypte Filme müssen dagegen auch mal hinterfragt werden. Filme müssen Spaß machen.

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