Der Filmtipp: Der große Trip – Wild | Reese Witherspoons bewegende Seelenwanderung

Zum Thema Allgemein, Filmtipps, Home von - Mai 04, 2015
Der Filmtipp: Der große Trip – Wild | Reese Witherspoons bewegende Seelenwanderung

„Ich bin dann mal weg“ dachte sich Hape Kerkeling und machte den Jakobsweg wieder modern. Tatsächlich erfreuten sich zuletzt auch in Hollywood Selbstfindungstrips großer Beliebtheit. Mit Der große Trip – Wild schaffte Jean-Marc Vallee (Dallas Buyers Club, u.a.) es, mich für einen von ihnen ganz besonders zu begeistern. Und nein, das liegt nicht daran, dass mit Laura Dern eine Darstellerin aus Jurassic Park dabei ist. Nicht nur. Egal, los jetzt!

Worum geht es überhaupt?

Es geht um die Verfilmung der gleichnamigen Memoiren (Wild: From Lost to Found on the Pacific Crest Trail) von Cheryl Strayed. Diese berichtet dort über ihre eindrucksvolle Wanderung über den 1000 Meilen langen Pacific Crest Trail, Mitte der 90er Jahre. Allerdings nahm Strayed diesen schwierigen Marsch nicht grundlos auf sich. In der Vergangenheit entwickelte sie sich von einer Vorzeigetochter zur heroinsüchtigen Nymphomanin. Der Marsch sollte sie von all diesen Dingen befreien.

Reese Witherspoon (Walk The Line, Machtlos, u.a.) ist eine dieser Darstellerinnen, der ich gerne mal die Meinung geigen würde. Warum? Weil sie große Teile ihrer Karriere damit verschwendet sich für Doofkomödien wegzuschmeißen. In Wild liefert sie endlich wieder eine Arbeit par excellence ab, Meilen entfernt von den Election, Das gibt Ärger oder Miss Bodyguards dieser Welt. Der Figur Sheryl Strayed begegnet sie mit viel Respekt, das merkt man in jeder Szene. Kein Overacting, sondern eine glaubwürdig gespielte Laienwanderin mit Ambitionen. Bravo!

„Ich hatte keine Wahl. Es gab auf meinem Weg nie eine Gabelung.“

Regisseur Jean-Marc Vallee wird seinen Anteil an der authentischen Figurenzeichnung gehabt haben. 2013 erhielten unter seiner Regie Matthew McConaughey und Jared Leto Oscars, Witherspoon und Dern waren 2014 ebenfalls beide nominiert. Und tatsächlich ist auch Laura Dern als Sheryls zwangsoptimistische Mutter eine echte Wucht. Die verkniffenen Blicke, im wechselnden Ablauf zwischen gespielter Freude und echter Freude, das hat sie wirklich klasse hinbekommen.

Ihr merkt schon, für die ganz großen Abenteurer und Action-Liebhaber ist dieser Film nun wirklich nichts. Wir bekommen unglaublich schöne Landschaftsaufnahmen zu sehen, aber sie sind nur Beiwerk. In Wild wird ausnahmsweise mal nicht die Natur abgefeiert, sondern die Seele. Wenn Sheryl im Film also sagt „Im echten Leben fühle ich mich einsamer, als hier draußen“, dann hat das andere Gründe.

Cheryl trägt eine schwere Last mit sich herum. Und nasse Socken. © 20th Centruy Fox

Eher geht es hier um die etwas andere Erfahrung. Überraschenderweise von Mensch zu Mensch, obwohl Sheryl nur wenigen Menschen begegnet. Was der Film nämlich ganz stark macht: Wir tauchen immer wieder in Momente ein, in denen wir instinktiv misstrauisch auf Unheil lauern. Statt einem Überfall oder einer Vergewaltigung wird uns dann aber viel Positives dokumentiert. Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, Verständnis.

Wenig los und deshalb stark

Auch Sheryls Flashbacks sind hier nicht ausschließlich als erklärende Rückblenden zu verstehen, sondern viel mehr als visuelle Gedanken, die ihr während der Wanderung durch den Kopf gehen. Reflexion. So hält die Erzählweise von Wild erstaunlich gut das Gleichgewicht, weshalb ich Nick Hornby (About a Boy, u.a.), der das Drehbuch adaptierte, hervorheben möchte. Der Film ist zwar bildstark, aber unaufgeregt und erinnert in seiner Unbeschwertheit an Boyhood. Verstärkt durch seinen Retro-Score, vor allem „El Condor Pasa“ von Simon and Garfunkel.

Wenn ich etwas zu bemängeln habe, dann das singende Kind am Ende, welches für einen kurzen emotionalen Ausbruch bei Cheryl sorgt. Das war mir dann doch zu gewollt und kitschig. Und ich hätte aus reinem Interesse an der Figur gerne mehr über Sheryls Bruder erfahren, oder über den Moment, in dem Sheryl beschließt die Wanderung auf sich zu nehmen. Hätte vielleicht zuviel Gewicht in die sonst so gutmütige Handlung gebracht, wer weiß.

– Fazit –

Keine Action. Keine Comedy. Kein Thriller. Wild ist ein Seelendokument, das sich gerade durch die positiven Erfahrung auf zwischenmenschlicher Ebene, zu einem Good-Mood-Movie entwickelt. Ich empfehle jedem den Film, der gerade eine Krise zu bewältigen hat oder einfach mal wieder positiv denken möchte. Wenn eine Botschaft haften bleibt, dann: Schätzt die, die euch lieben und umgeben. Zeigt es, denn das passiert zu selten. Vieles kann leider viel zu plötzlich vorbei sein.

Ich möchte meine Leidenschaft für Filme mit Euch teilen. Es gibt so viele spannende, interessante Werke, die viel zu wenig Beachtung geschenkt bekommen. Manchmal braucht ein stark kritisierter Film einen Verteidiger. Andere gehypte Filme müssen dagegen auch mal hinterfragt werden. Filme müssen Spaß machen.

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