Der Filmtipp: Der Richter – Recht oder Ehre – Großes Vater-Sohn-Kino vor dem Gesetz

Zum Thema Allgemein, Filmtipps, Home von - Mai 14, 2015
Der Filmtipp: Der Richter – Recht oder Ehre – Großes Vater-Sohn-Kino vor dem Gesetz

Aufgeweckte Filmkenner spüren es, wenn ein Film völlig offensichtlich für Filmpreise produziert worden ist. 12 Years a Slave oder Les Miserables ist es z. B. gelungen. Der Butler oder Das erstaunliche Leben des Walter Mitty scheiterten. Auch Der Richter von David Dobkin ist so ein „Oscar“-Beispiel. In diesem Fall entscheide ich aber trotz Oscarpleite im Zweifel für den Angeklagten, denn das Drama bewegt und unterhält. 

 

Worum geht es überhaupt? Hank Palmer ist ein erfolgreicher Star-Anwalt der Großstadt, ein Karrieremensch, der das Gesetz eher nutzt als verteidigt. Frei nach dem Motto „Unschuldige können sich mich nicht leisten“. Als seine Mutter stirbt, reist er für die Beerdigung in seine bürgerliche Heimat zurück. Dort trifft er auf seine Vergangenheit: seinen jüngeren, autistischen Bruder Dale, seinen älteren Bruder, den gescheiterten Baseball-Spieler Glen und auf seinen Vater, Richter Joseph Palmer. Das Verhältnis zwischen Vater und Sohn ist seit Ewigkeiten zerrissen. Die Tatsache, dass Joseph an Alzheimer erkrankt ist und als Hauptverdächtiger eines Tötungsdelikts vor Gericht landet, macht die Situation für alle Beteiligten nicht leichter.

„Under my umbrella“ läuft bei den beiden noch nicht.       © Warner Bros.

Warum ich mit dem Verdacht der Oscar-Jagd in diese Filmkritik eingestiegen bin? Der Richter bringt alle Zutaten dafür mit: Ein angesagter Blockbuster-Darsteller in einer Charakterrolle, ein Drama-Zwitter aus Justizthriller und Familiendrama. Dazu eine Liebesgeschichte plus Vergangenheitsbewältigung. Eingestreute Gags zum Auflockern. Autismus, Ehekrise, Baseball. Jede Menge toller Schauspieler in Nebenrollen, wie z.B. Vera Farmiga, Vincent D’Onofrio oder Billy Bob Thornton. Über zwei Stunden Filmlänge und ein „The“ im Titel, fertig ist der Oscaranwärter.

Das alles unter einen Hut zu bekommen ist nicht einfach. Immerhin ist das Drehbuch ausnahmsweise mal ein Original. Eine Seltenheit in Hollywood. Und auch wenn es sehr einfühlsam geschrieben wurde, es kann sich die teils sehr plakativen und stereotypischen Einwürfe nicht verkneifen. Zum Beispiel ist die Liebes-Story mit Vera Farmiga deplatziert und trägt nichts Wirkungsvolles zum Plot bei. Auch der autistische Bruder und die Ehekrise daheim wirken wie zwanghafte Integration emotionaler Problemregionen.

„Ich werde ihren Vater als selbstgerechten Mistkerl darstellen, der verlangt zu kriegen, was er für Gerechtigkeit hält.“ – „Mein Vater ist ein selbstgerechter Mistkerl, der verlangt zu kriegen, was er für Gerechtigkeit hält. Das sollte wohl ein Leichtes sein.“

Das hat Der Richter eigentlich aber gar nicht nötig, denn im Kern funktioniert seine Geschichte sehr eindrucksvoll. Begleitet von einem tollen Score, bissigen Dialogen und einer sehr gelungenen Kameraarbeit von Janusz Kaminski sind es gerade die Wortgefechte zwischen Robert Duvall und Robert Downey Jr., die Mehrwert liefern. Ironie…Da wird endlich mal wieder deutlich, dass Downey Jr. mehr ist als nur Holmes und Stark, da spielt ihn Duvall noch glatt an die Wand. Der stärkste Moment ist eine Vater-Sohn-Szene im Bad, in der Witz und Trauer tragisch dicht beieinander liegen. Hier beweist Dobkin Mut und bricht mal aus dem Oscar-Einheitsgemisch aus, großes Kino!

Es geht in diesem Film nicht zwangsläufig um Recht und Ehre, wie der deutsche Nebentitel uns so schön suggeriert. Sie sind eher ein Deckmantel. Vielmehr geht es um Anerkennung, zum Beispiel ist Hank ist nicht wirklich der coole Macho, sondern ein Familienmensch voller Komplexe. Es geht um die Figuren und ihre Beweggründe. Bei eher tristen Farbtönen in Blau, Schwarz und Grau fallen jede Menge Einstellungen auf, in denen Gesichter in Licht und Schatten halbiert werden. Kein Zufall. Nur ganz selten bunte Farben. Das passt ins Gesamtbild.

Fazit

Auch wenn Der Richter von Team Downey (Ehepaar Robert und Susan) produziert wurde, so lebt er von der grandiosen Leistung des Team Robert (Downey Jr., Duvall). Genre-Crossover und Klischees können das Gesamtbild zum Glück nicht trüben. Insgesamt ein emotionales, spannendes und bewegendes Werk, welches technisch gefällt, bestens unterhält und gleichzeitig nachdenklich macht.

Ich möchte meine Leidenschaft für Filme mit Euch teilen. Es gibt so viele spannende, interessante Werke, die viel zu wenig Beachtung geschenkt bekommen. Manchmal braucht ein stark kritisierter Film einen Verteidiger. Andere gehypte Filme müssen dagegen auch mal hinterfragt werden. Filme müssen Spaß machen.

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