Der Filmtipp: Die Tribute von Panem: Mockingjay 1 – Der Spotttölpel lässt Federn

Zum Thema Filmtipps, Home von - November 20, 2014
Der Filmtipp: Die Tribute von Panem: Mockingjay 1 – Der Spotttölpel lässt Federn
Was haben mich Trailer und Social Media scharf auf den vorletzten Teil der Hunger-Games-Reihe gemacht. Auf diversen Filmportalen wurde Jennifer Lawrence (Silver Linings, American Hustle, u.a.) als Action-Göttin gefeiert, während andere von großer Revolution sprachen. Der Tod von Philip Seymour Hoffmann (Moneyball, Glaubensfrage, u.a.) brachte das Franchise abermals in die Medien. Kein Wunder also, dass es mich nach einem starken zweiten Film mit Bomben-Cliffhanger sofort in die Vorpremiere verschlug. Und nun? Ernüchterung pur.
Worum es geht: Entgegen der Geschichtsschreibung des Kapitols existiert District 13 doch noch. Die Rebellen haben sich dort verschanzt und warten in unterirdischen Kleinstädten auf ihren Rückschlag. Damit dieser von Erfolg gekrönt wird und sich alle Districte gegen das Regime des Kapitols verbünden, wird Katniss Everdeen als Mittel zum Zweck benötigt. Ihr Gesicht soll als Propagandamittel eingesetzt werden. Doch diese Aufgabe klingt leichter als gesagt, denn das Kapitol hat ein Ass im Ärmel: Peter Mellark.
Jede Menge „Shades of Grey“
Zwei Stunden und drei Minuten lang möchte Mockingjay 1 der erwachsene Bruder seiner beiden Vorgänger sein und kommt sichtlich düsterer und schwerer daher. Trotz der Mediensatire in Film 1 und 2 besaßen diese auch immer einen abenteuerlichen Touch. Dieser ist nun dem politischdramatischen Umständen vollständig gewichen. So ziemlich jede zweite Szene ist in Grautönen gehalten, selbst neu eingeführte Figuren fallen durch Tattoos oder ergraute Haare auf. Die schrillen Figuren Haymitch Abernathy, Effie Trinket und Caesar Flickerman wurden auf Ernsthaftigkeit reduziert, Jennifer Lawrence mimt auf dauerdepressiv und zerstreut.
„Grau, grau, grau, sind alle meine Kleider“ (© Studiocanal)
Meine Frage hier wäre allerdings: Wie soll bitte dieser Umschwung ins völlig ernste Kriegsthema mit einer Jugendfreigabe ab 12 funktionieren? Die Antwort lautet „gar nicht“, doch das wird fein ignoriert, denn schließlich machen Teenager einen unberechtigten Großteil der Kinogänger aus. Es hätte so gut werden können. Gerade der Medienkrieg und die Propaganda sind angesichts Krim, IS und Co so aktuell wie nie. Eine Dystopie ab 12 ist aber noch nicht schlimm genug, natürlich muss das letzte Buch gleich in zwei Filme zerteilt werden, damit auch ausreichend Asche damit gemacht werden kann.
Bitte (nicht) lächeln
Jennifer Lawrence ist immer dann am stärksten, wenn sie satirisch oder sarkastisch auftritt. Ihre trauernde Fratze ist im Vergleich dazu (Ausnahme: Gefühlsausbruch beim Lazarett in District 8) richtig nervig. In mir weckt ihr Versuch die gebrochene zu spielen jedenfalls keine Emotionen. Das schaffen höchstens ein Berg verkohlter Leichen in District 12 oder der Zerfall von Peeta Mellark (Josh Hutcherson). Lawrence aber bleibt unter ihren Möglichkeiten. Am Ende müssen blutunterlaufene Augen die fehlende Dramatik erzwingen, die von ihr ausgeht. Das wird nur noch unterboten von Liam Hemsworths Dauermimik. Donald Sutherland und Philip Seymour Hoffmann geben eine deutlich bessere Figur ab. Alle weiteren Mitstreiter bleiben belangloses Beiwerk.
 „Pfeifen“ auf den Spotttölpel – District 8 (© Studiocanal)
Auch wenn die erste Hälfte des Buches Flammender Zorn nicht viel Fläche für pure Action bot, so hätten die Drehbuchautoren Peter Craig und Danny Strong wenigstens etwas flexibler arbeiten können, als nur noch Reden einzuwerfen. Rede Coin, Rede Snow, Rede Everdeen, Rede Coin, Rede Coin, Rede Finnick,…und so geht das den ganzen Film lang. Einzig interessant hierbei ist Coins Wandlung von blutleerer Rednerin zum ermutigten Propagandaschwinger. Es ist so deutlich zu spüren, dass die Geschichte künstlich in die Länge gezogen wurde. Da hilft es auch nicht, wenn Katniss mit einem Pfeil gleich zwei Kampfflieger vom Himmel holt oder ihre sonst so clevere Schwester lieber ihre fette Katze sucht, als sich hinter die sich schließenden Tore zu retten. So 80er…
 
Fazit: Die Tribute von Panem: Mockingjay 1 mag nah an der Geschichte liegen. Geopfert wird dafür aber die Spannung. Das bisschen Propagandasatire reicht nicht aus, um den Film sofort als reifer oder klüger zu verteidigen. Er ist nichts weiter als ein blutleerer Appetizer für’s große Finale. Ich kann nur hoffen, dass die vielen interessanten Darsteller und Figuren noch die Screentime erhalten, die sie verdienen. Jetzt plötzlich innerhalb der Reihe einen auf Nolan zu machen passt nicht. Ich bin enttäuscht und doch optimistisch.
Ich möchte meine Leidenschaft für Filme mit Euch teilen. Es gibt so viele spannende, interessante Werke, die viel zu wenig Beachtung geschenkt bekommen. Manchmal braucht ein stark kritisierter Film einen Verteidiger. Andere gehypte Filme müssen dagegen auch mal hinterfragt werden. Filme müssen Spaß machen.

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