Der Filmtipp: Exodus: Götter und Könige – Gott, hat’s Moses eilig

Zum Thema Filmtipps, Home von - Dezember 28, 2014
Der Filmtipp: Exodus: Götter und Könige – Gott, hat’s Moses eilig
Nach Prometheus und The Counselor hat sich Ridley Scott (Alien, Gladiator, u.a.) bei mir vorsichtig formuliert sehr sehr unbeliebt gemacht. Darren Aronofskys sehr freie Version von Noah zählt für mich zu den miesesten Filmen des Jahres, gemessen an den Erwartungen. Nun sollte also ausgerechnet Ridley Scott das Kinojahr 2014 mit einem weiteren Bibelstoff abrunden? Die Zeichen auf Versöhnung zwischen mir und Scott standen schlecht. Nun habe ich Exodus: Götter und Könige gesehen und muss sagen, dass geringe Erwartungen manchmal tatsächlich für mehr Überraschungen sorgen.
Worum geht es? Wir schreiben das 13. Jahrhundert vor Christus. Pharao Sethos versklavt die Israeliten und lässt ihre männlichen Nachkommen im Nil ertränken. Moses wird von seiner Mutter gerettet, in einem Korb am Nil ausgesetzt und von der Tochter des Pharaos entdeckt. Er wächst als ägyptischer Prinz neben seinem Bruder, Thronfolger Ramses, auf. Beide ahnen nichts von Moses‘ hebräischer Herkunft. Als Ramses den Thron besteigt und Moses‘ Herkunft auffliegt, wird dieser ins Exil geschickt. Dort begegnet er Gott und erhält von ihm die Aufgabe sein Volk zu befreien und in die Freiheit zu führen.
Wenn Krokodile zappeln und das Wasser rotfärben
Ein paar gute Nachrichten zuerst: Exodus vermeidet die peinlichen Fantasy-Ausgeburten, die Noah zu einem der verwirrtesten Filme des Jahres machten. Und doch ist er nicht einfach ein zweiter Die Zehn Gebote, mit dem ich ihn gar nicht vergleichen möchte. Die Plagen, die über das ägyptische Reich kommen, sind so inszeniert, dass sie einerseits als göttlich interpretiert werden können. Ägyptens Versuche sich die Abfolge als wissenschaftliche Logik zu erklären, akzeptiere ich aber ebenso. Generell lässt Agnostiker Ridley Scott viel Freiraum für die eigene Meinung.
Beispiel: Eine ägyptische Hohepriesterin soll mit ihrer Vision ebenso Recht behalten, wie Moses‘ Warnungen vor Gottes Plänen. Auch das Thema Bildnis wird geschickt angepackt. So ist das Kind nicht (wie viele Filmkritiker behaupten) Gott, sondern nur dessen verbildlichter Bote. Auf eine mystische Stimme aus dem Himmel wird zum Glück verzichtet. Für Zweifler werden dessen Erscheinungen so dargestellt, als könnten sie ebenso gut Moses‘ Schizophrenie entspringen. Und das geteilte Meer? Kein Zauberstab-Schnick-Schnack. Moses sieht einen Feuerball am Himmel über dem Ozean untergehen. Dem Zuschauer bleibt überlassen, an ein göttliches Zeichen zu glauben, oder an einen Kometen, der für den kurzzeitigen Rückgang des Wassers und den anschließenden Tsunami verantwortlich ist. Klasse!
Golden Boy & Ritter Rost: Ramses & Moses
© 20th Century Fox
Optisch ist der Film ein Meisterwerk. Die Spezialeffekte verpassen dem Exodus einen epischen Look mit teils wirklich beeindruckender Durchschlagskraft. Es gibt hier keineswegs einen TransformersHobbit-mäßigen Overkill an CGI, keine Panik. Die Kulissen, Requisiten und Kostüme sehen spitze aus und verleihen Exodus viel Authentizität, die ich dem Film nicht zugetraut hätte. Das sieht alles wirklich so gut aus, dass die 3D-Konvertierung – so gut sie auch ist – unnötig gewesen wäre. Allein die Bilder sorgen dafür, dass man dem Film seine 150 Minuten nicht anmerkt.
Jesse Pinkman schweigt sich ‚nen Bart
Und die Darsteller? Joel Edgerton (The Thing, Warrior, u.a.) ist als selbstverliebter, an Politik und Bildung desinteressierter Ramses der größte Hauptgewinn, den sich Ridley Scott hätte wünschen können. Seine Leistung ist stets hervorzuheben. Christian Bale spult sein Standardprogramm auf hohem Niveau ab. Mir persönlich hatte sein Moses zu wenig Kanten, der Film zu viel Disney-Atmosphäre. Das mag an der weihnachtlichen Altersfreigabe liegen. Es muss nicht immer nur düster und verbittert sein. Moses ist aber kein Engel und das Leid der Völker weit brutaler als dargestellt. Auch Moses‘ Wandlung vom Agnostiker zum Gotteskrieger wurde mir zu schnell abgehandelt.
Viel Kostüm und echtes Pferd – Gottes Wille?
© 20th Century Fox
Generell liegt hier der mumifizierte Hund begraben. So ziemlich alle Nebenrollen sind zu prominent besetzt und wecken zu hohe Erwartungen gemessen an der Leinwandzeit, die ihnen geboten wird. Sigourney Weaver und Sir Ben Kingsley werden drastisch unterfordert. Bei Aaron Paul hat man zeitweise das Gefühl sein Josua sei taubstumm. Vor Breaking Bad hätte es zwar kein Schwein interessiert, ob der Junge überhaupt dabei ist, aber nun? More Drama, Baby. Die mangelnde Tiefe der Figuren ist das größte Manko. Zweiter Kritikpunkt ist die Geschwindigkeit. Vor allem das Finale wird trotz bildgewaltiger Wassermassen etwas schnell abgehandelt.
Fazit:
Exodus: Götter und Könige ist ein solide gespielter Bibelfilm, durchweg spannend und optisch einwandfrei. Die tollen Settings und dezent eingestreuten Effektbomben können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich Ridley Scott in seiner Erzählweise zu oft hetzen lässt. Viel Potenzial an spannenden Hintergründen und super Darstellern wird unzureichend ausgeschöpft. Nichtsdestotrotz ist dieser Moses-Streifen nicht so peinlich wie gedacht, sondern teils clever gefilmter Bombast. Ein bisschen zu lieb und glatt vielleicht.
Ich möchte meine Leidenschaft für Filme mit Euch teilen. Es gibt so viele spannende, interessante Werke, die viel zu wenig Beachtung geschenkt bekommen. Manchmal braucht ein stark kritisierter Film einen Verteidiger. Andere gehypte Filme müssen dagegen auch mal hinterfragt werden. Filme müssen Spaß machen.

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