Der Filmtipp: Frank – Skurrile Tragikomödie mit Michael Fassbender über Musik mit Köpfchen

Zum Thema Allgemein, Filmtipps, Home von - November 02, 2015

Michael Fassbender ist für mich der Mann der Stunde. Zu seinen Rollen zählen weltbekannte Figuren wie Macbeth, Steve Jobs oder Comic-Fießling Magneto. Mit Callum Lynch verkörpert er eine Videospielfigur, in Prometheus den Androiden David. Und er ist Frank. Der durchgeknallte, zwangsoptimistische Künstler, den keiner kennt. Genauso wenig wie diese wunderbare Tragikmödie von Lenny Abrahamson.

Worum geht es überhaupt? Außenseiter Jon ist Keyboarder und sucht nach seinem Platz im Leben. Ausgerechnet in dieser Phase schließt er sich der wirren Experimental-Band “Soronprfbs” an. Leadsänger Frank wird schnell zu seinem inspirierenden Vorbild. Dieser ist wortwörtlich Kopf der Band, denn der trägt von Tag bis Nacht eine riesige Maske aus Pappmaschee oberhalb der Schultern. Niemand kennt sein Gesicht und niemand will es erfahren. Nur Musik mit ihm machen. Außer Jon, der in Frank ein verkanntes Talent sieht und die Band trotz Gegenwind heimlich zum Erfolg führen möchte.

Ich könnte jetzt hier meterlang ausholen darüber, dass der Film an die Memoiren von Journalist Jon Ronson angelehnt ist und vom britischen Comedian Frank Sidebottom inspiriert wurde. Aber ganz ehrlich? Ich kenne beide nicht und bin trotzdem begeistert. Meine Filmkritik verfasse ich also ohne Hintergrundwissen.

Gleich zu Beginn wird dem Zuschauer klar, dass die Filmtrailer wieder einmal in die Irre führen. Frank ist kein Gagfeuerwerk und sprüht auch nicht vor Charme und sympathischen Charakteren. Er ist übersäht mit depressiver Grundstimmung. Diese kleine Indie-Perle ist vollgepackt mit Chaoten, psychisch angeschlagenen Seelen, die unter dem Deckmantel Kunst versuchen ihr Leben über Musik zu definieren. Und das Tolle ist, dass hier keine wertende Haltung eingenommen wird, sondern lediglich ein dokumentarischer Blick auf ihr Schaffen geworfen wird.

„Wenn ich als Künstler wachsen will
muss ich lernen das zu sehen, was er sieht.“

Dieser Blick geht von Domhnall Gleeson (Unbroken, Ex Machina, u. a.) aus, der Band-Neuling Jon Burroughs fabelhaft verkörpert. Er ist vielleicht das einzige Mitglied, das sich freiwillig als “normal” bezeichnen würde. Aber was ist normal? Denn auch Jon hat Macken. Probleme, die vielleicht tiefer gehen, als die der offenbar verrückten Truppe. Im Verlauf des Filmes wird er mit Sicherheit von niemandem der Lieblingscharakter sein. Garantiert. Er wirkt schüchtern und einsam, gleichzeitig aber auch egoistisch und arrogant. Seine zwanghafte Suche nach Anerkennung unter “Idioten” ist das, was ihr Abenteuer am Ende gefährdet. Wer Ex Machina gesehen hat, dürfte sich ein wenig erinnert fühlen.

Und was meine ich, wenn ich “Idioten” sage? Damit meine ich, dass jedes Bandmitglied eine Vergangenheit besitzt, die mit Psychatrie oder Ähnlichem zu tun hat. Damit meine ich, dass die Jungs und Mädels anarchisch handeln, unberechenbar. So wirken sie zumindest auf uns, fallen auf, wirken verloren. Damit meine ich auch die beschissene Musik. Alles klingt total schief, schrill und daneben und doch ergibt sich am Ende Musik daraus. Pure Kreativität und man möchte sich selbst hinstellen und Musik machen.

Nur sind diese “Idioten” vielleicht menschlicher als viele Chart-Legenden und Comic-Helden. Da wäre zum Beispiel Don, gespielt vom völlig unterschätzten Scott McNairy (Monsters, Argo, u. a.). Don holt Jon in die Band ohne zu zögern. Kein Hinterfragen, kein Beurteilen. Er funktioniert außerdem als Werkzeug uns die witzigsten Momente, aber auch eine der bittersten Szenen des Films zu liefern. Das macht McNairy ganz hervorragend. Dazu brilliert Maggie Gyllenhaal (Schräger als Fiktion, The Dark Knight, u. a.) als abgfuckte Clara, die so aggressiv und impulsiv auftritt, dass man sie lieben und hassen möchte.

Und dann ist da Michael Fassbender. Ohne viel sichtbare Mimik ist er derart präsent, dass er den Film auch mit Pappkopf trägt. Ich lehne mich weit aus dem Fenster und behaupte schon jetzt, dass das einer seiner besten Auftritte ist. So far, selbstverständlich. 

Wenn wir Chaos und Anarchie vor uns liegen sehen in dieser Sache, die wir wertschätzen. Sollten wir sie dann ordnen, oder ihr den freien Lauf lassen? Das muss jeder selbst entscheiden. Frank liefert uns eine tolle Antwort: Wenn am Ende alles verloren scheint und der scheinbar gebrochene Mensch vor seiner kaputten Band steht – mit gesenktem Blick über eklige Toiletten spricht und unter Tränen “I love you all” singt… Dann ist das nicht nur eine tief berührende Szene für alle Menschen, die ihr Leben mit Musik füllen. Es ist einer der stärksten Filmmomente des Jahres. Dankeschön.

Fazit

Ich könnte mich mal wieder dafür schlagen, dass ich diesen Film habe warten lassen. Frank ist ein besonderer Film, der es schafft eine Message so zu übertragen, das man sie erfährt ohne im Film darauf angesprochen zu werden. Für Musikliebhaber ein Muss, auch wenn es einige Längen gibt und für Fans des Popcorn-Kinos eher schwer verdaulich sein wird.

Dieser Film könnte dich interessieren, wenn du… joa… keine Ahnung mit welchem Film ich den vergleichen soll… Dieser Film sollte dir gefallen, wenn du Musik liebst und Michael Fassbender klasse findest 😉

Bilder: © Weltkino Filmverleih

Ich möchte meine Leidenschaft für Filme mit Euch teilen. Es gibt so viele spannende, interessante Werke, die viel zu wenig Beachtung geschenkt bekommen. Manchmal braucht ein stark kritisierter Film einen Verteidiger. Andere gehypte Filme müssen dagegen auch mal hinterfragt werden. Filme müssen Spaß machen.

4 Kommentare on "Der Filmtipp: Frank – Skurrile Tragikomödie mit Michael Fassbender über Musik mit Köpfchen"

  • Schön, dass der Film doch noch in Deutschland Bekanntheit erfährt. Ich habe zwar viel Gutes von Festivals gelesen, auf denen der Film gelaufen ist, aber lange sah es so aus, dass es der Film nicht ins Kino schafft. Umso mehr freuen mich die positiven Kritiken auch hierzulande. Dieser Cast und die Geschichte ist einfach großartig. Ich konnte herzlich über diese durchgeknallte Truppe lachen.

    Hier meine Review: https://filmkompass.wordpress.com/2015/09/21/frank-omu-2014/

    • Micha

      Der Cast ist wirklich großartig, jede Rolle fabelhaft!

  • Jupp… geiler Film. Hat mir auch extrem gut gefallen.

    • Micha

      Oder? Ich wurde bestens unterhalten, ganz ohne Ballerei und so:)

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