Der Filmtipp: Herz aus Stahl – Krieg hat keine Helden, außer fünf Amerikaner

Zum Thema Filmtipps, Home von - Januar 10, 2015
Der Filmtipp: Herz aus Stahl – Krieg hat keine Helden, außer fünf Amerikaner
Die bissige Selbstironie machte Inglorious Basterds für mich zu einem absoluten Lieblingsfilm. Kein Wunder also, dass ich große Erwartungen hatte, als ich hörte, dass Brad Pitt (Fight Club, World War Z, u.a.) einmal mehr auf Nazi-Jagd gehen würde. Nicht falsch verstehen, mir war klar, dass Herz aus Stahl eine ganz andere Stimmung transportieren würde. Trotzdem hätte ich ehrlich nicht erwartet, dass mich dieser Kriegsfilm mit solchen Darstellern derart unzufrieden aus dem Kinosessel entlässt.
Worum geht es überhaupt: Die Alliierten starten im April 1945 einen letzten Großangriff auf Deutschland. Sozusagen an vorderster Front rollt dabei der Sherman-Panzer „Fury“ über die Grenze. An Bord befinden sich General Don Collier und seine Truppe, die er heile durch zahllose Gefechte geführt hat. Doch der Krieg hat in allen Köpfen seine Spuren hinterlassen. Waffentechnisch sind die deutschen Truppen noch immer überlegen und ein unberechenbarer Gegner, der nichts mehr zu verlieren hat. Noch dazu wird „Furys“ bester Schütze getötet und durch einen unerfahrenen Neuling ersetzt.
Traurigerweise liefert die Geschichte dem Kriegsfilm-Genre unzählige Drehbuchvorlagen. Was also hat Fury zu bieten, was wir nicht schon in Apocalypse Now, Der Soldat James Ryan oder Der Untergang gesehen haben? Nun, in der ersten Hälfte des Streifens bietet uns Regisseur David Ayer (Training Day, End of Watch, u.a.) durchaus „neue“ Sichtweisen. Oder zumindest so hart inszeniert, dass sie wie unerwartet wirken. Zwar ist die Botschaft „im Krieg gibt es keine Helden“ nicht neu, doch wenn „Wardaddy“ Pitt seinen Neuling zwingt einen Gefangenen zu erschießen, dann zielt das durchaus Richtung Magengrube.
Graue Landschaft, schwarze Seelen
Die größten Stärken des Films sind eindeutig die Optik und die Atmosphäre. Der graue Filter, der sich über die Bilder legt. Ohne Ausnahme dreckige, vom Krieg gezeichnete Gesichter. Von Panzern überrollte Leichen in aufgeweichten Schlammpfützen. Eine klebrige Gesichtshälfte auf dem Bedienfeld im Inneren des Panzers. Deutsche Flüchtlinge, die exekutiert oder geopfert werden. Ein brennender Soldat, der sich selbst erschießt, während die Flammen sein Gesicht zerfressen. Ayer gibt sich Mühe den Krieg als surreale Hölle darzustellen. Der Hass auf die Deutschen wird spürbar und intensiv vermittelt, ebenso die kaputten Seelen der Kämpfer.
Gleich weint er wieder. Shia LaBeouf in Herz aus Stahl
© Sony Pictures
Leider scheinen alle Beteiligten mit jedem weiteren Drehtag den Blick auf das Wesentliche verloren zu haben. Aus einem wirklich passablen Antikriegsdrama verkommt der Film zum pathetischen Actionfilm. Die Hauptpersonen sind ohnehin das zusammengewürfelte Musterklischee schlechthin. Wir haben den Draufgänger, den Gläubigen, den Latino, den unschuldigen Neuling und wir haben den vom Krieg zerfressenen General, der im Herzen ein netter Typ ist. Diese Jungs nennen sich „Bibel“, „Maschine“ und Co. Sie streiten sich, weinen (Shia LaBoeuf fast ohne Pause), drücken sich Männersprüche und feiern jeden toten Nazi. Und sie alle rufen „Der beste Job, den ich je hatte.“ Alter.
Von World War Z zu World War 2
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Keine Frage, der Film hat seine starken Momente. Zum Beispiel ein Panzer-Duell auf offenem Gelände, bei dem die Effekte die Leuchtspurmunition super inszenieren. Oder ein im Film sehr langgezogener Moment, in dem Panzerführer Pitt zwanghaft versucht ein Stückchen Ruhe zu erzwingen und durch seine eigene Gefolgschaft rücksichtslos aus der Verdrängung in die Realität zurückgeholt wird. Insgesamt fehlt aber die klare Linie. Klar, Krieg folgt keinem roten Faden und es geschehen Dinge, die wir unter normalen Umständen als unrealistisch abstempeln würden. Das allein lasse ich als Argument aber nicht durchgehen. Schon gar nicht bei der rasanten Entwicklung von Logan Lermans Figur.
Das Imperium schlägt zurück? Nein, aber die Alliierten.
© Sony Pictures
Es folgt der traurige Abschluss dieses heroischen Bockmists. Ein kaputter Panzer gegen eine ganze Truppe SS-Soldaten. Die deutschen Kämpfer besitzen im Film bestenfalls die Intelligenz von Zombies und lassen sich reihenweise umnieten. Und Pitt brüllt in der deutschen Fassung auch noch „Bringt mir mehr Schweine zum Schlachten.“ Berge von Leichen um einen Panzer versammelt. Einer überlebt und als er gefunden wird ruft ihm ein Soldat zu „Weißt Du eigentlich, dass Du ein amerikanischer Held bist?“.
Fazit:

Der dämliche deutsche Titel Herz aus Stahl ließ schon nichts Gutes vermuten. Im ersten Drittel liefert Fury noch interessante, verkommene Charakterzüge und schonungslose Kriegsszenen. Der Einsatz der Alliierten ist vielleicht Amerikas letzter von der Weltallgemeinheit akzeptierter Krieg. Und das kosten die Macher dann in der zweiten Hälfte voll aus. Krieg stumpft ab? Dieser Film auch.

Ich möchte meine Leidenschaft für Filme mit Euch teilen. Es gibt so viele spannende, interessante Werke, die viel zu wenig Beachtung geschenkt bekommen. Manchmal braucht ein stark kritisierter Film einen Verteidiger. Andere gehypte Filme müssen dagegen auch mal hinterfragt werden. Filme müssen Spaß machen.

6 Kommentare on "Der Filmtipp: Herz aus Stahl – Krieg hat keine Helden, außer fünf Amerikaner"

  • Klingt nach einer mittelschweren Katastrophe 😀 Sehr gut geschrieben, ich wusste ja ich tu mir einen Gefallen, wenn ich drauf verzichte.

    • Bis zur „Dinner“-Szene – dann wäre der Film ein klasse Kurzfilm geworden mit trauriger Message und super Momenten. Insgesamt aber echt schwach.

  • Ich habe auch gleich gesagt das ich ihn mir nicht ansehen. Mein Mann war heute und meinte eben, als ich ihm das vorlas von dir, ach soviel hat der ja gar nicht geheult 😉 Er war nicht schlecht, aber kaufen würde ich ihn nicht – so seine Aussage! Also für mich ist das ein schlechter Film, denn wenn ich aus dem Kino gehe und ihn mir nicht kaufen will!
    Das Genre an sich finde ich schon mehr als ausgereizt und Der Soldat James Rayn war einer der besten Filme davon, genau wie Stalingrad.
    Liebe Grüße

    • Die Filme mit Kriegsthema, die sich in meinem Kopf festgesetzt haben sind definitiv „Die Grauzone“ und „Der Pianist“. Sehr eindringlich gespielt, nüchtern und böse. Sehr empfehlenswert. „Der Soldat James Ryan“ ist auch ein Topfilm! Und sag Deinem Mann, ich werte Bibelgelaber auch zu Heulerei, haha. Spaß 😉

    • Hihi ich sag ihm das. Er meinte dann noch, zumindest war er nicht so eine Transuse wie bei Transformers 😉

    • Das ist wohl wahr. Aber Transformers ist auch sonst nichts gut 😉

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