Der Filmtipp: Maggie – Schwarzenegger überrascht im untoten Familiendrama

Zum Thema Allgemein, Endzeit von - September 02, 2015
Der Filmtipp: Maggie – Schwarzenegger überrascht im untoten Familiendrama

Yeees! Endlich Zombies und Arnold Schwarzenegger in einem Film!!!… Wer ähnlich euphorisch auf Maggie gewartet hat, dem schlägt der Festival Hit anstandslos ins Gesicht. Womit? Mit Recht! Filmfreunde, die sich vorher ein wenig informiert haben, dürften weniger enttäuscht sein. Insgesamt ist es wie es ist, das Regie-Debüt von John Hobson spaltet die Lager. Und das ist schade. Hier wird ein wirklich gelungenes Indie-Werk einfach missverstanden.

Worum geht es überhaupt? Die Zombie-Epidemie hat Millionen Menschen das Leben gekostet. Für Infizierte gelten strenge Quarantäne-Vorschriften der US-Regierung, um das bisschen Ordnung beizubehalten. Heilmittel gibt es keine. Schülerin Maggie wurde gebissen und weiß, dass sie mutieren (und sterben) wird. Da dieser Vorgang bis zu sechs Monate dauern kann holt ihr Vater Wade sie zurück ins Familienhaus, wo sie ihre letzten gemeinsamen Tage miteinander verbringen.

Vorweg: Ein paar Anmerkungen werden leichte Spoiler enthalten. Die müssen aber sein, um die überraschende Art des Films zu „verteidigen“. Maggie ist kein Horrorfilm, sondern ein Zwitter aus Familiendrama und Gesellschaftsexperiment. Hier steht der Lebenssinn im Vordergrund. Beziehungen zueinander. Liebe und Werte. Banal formuliert ist das Zombie-Virus nur ein Werkzeug. Eine Metapher, die ebenso gut als normale Krankheit hätte funktionieren können.

Für den typischen Zombie-Fan muss der Film wie eine langatmige Enttäuschung wirken. Jede Szene vermittelt Ruhe. Die Atmosphäre lebt von seichten, melancholischen Bildern, über denen hin und wieder ein blaugrauer Filternebel liegt. Die Musik dazu ist unaufgeregt und sphärisch. Insgesamt eine bedrückende Stimmung, die hier gezeichnet wird. Durch Blicke wird mehr gesagt, als durch die teils sehr kurzen Dialoge.

Zombies ohne Witz und Action?
Weniger ist manchmal mehr

Was den Film schwierig erscheinen lässt: Er ist authentisch. Keine überspielte Theatralik, keine tiefsinnigen Monologe. Kurz: mehr Doku als Hollywood. Ein Beispiel: Fast in jedem Film dieser Art gäbe es irgendwann mal den emotionalen Ausbruch der Erkrankten. Hier nicht. Aber: Vielleicht kam dieser ja storytechnisch schon vor Filmbeginn? Als die Mutter fort ging? Vor der Flucht von zu Hause? Stunden nach dem Biss? Außer wenigen Flashback-Schnipseln werden weder Hintergründe, noch Rückblicke geliefert. Wer also akzeptiert, dass der Film viele Fragen offen lässt, sollte auch das Vermeiden des „Oscar-Moments“ hinnehmen. Ansonsten wird man mit Maggie einfach nicht warm.

Es „passiert“ echt nicht viel. Ein bisschen Made hier, ein bisschen Fuchs da. Aber insgesamt erfüllt das Gezeigte ganz bewusst ein paar Erwartungen nicht. Beispielsweise bei Maggies Treff mit Schulfreunden. Man erwartet irgendeinen Zwischenfall. Genau wie bei den Polizisten, die Wade kontrollieren. Einer der beiden macht ständig den Eindruck, als mache er gleich einen Fehler. Aber das bleibt alles aus. Alles geschieht einfach.

Das ganze Werk ist eingesperrt in einer Depression aus Tatenlosigkeit. Alle Figuren haben das Unvermeidbare irgendwie längst akzeptiert. Keine Hoffnung, nur das Ziel noch so viel Liebe zu geben wie möglich. Hier kommt Arnold Schwarzenegger ins Spiel, der seine Vaterrolle grandios umsetzt. In seinem Gesicht liefern sich Angst, Trauer und Liebe einen erbitterten Kampf. In einigen Momenten das Beste, was er jemals schauspielern wird. Der Terminator, der Barbar, der Last Action Hero. Wehrlos. Hilflos. Traurig. Das lässt Wade so liebenswert wie verzweifelt aussehen. Die perfekte Besetzung. Wer hätte das gedacht?

Abigail Breslin (Zombieland, Little Miss Sunshine, u. a.) überzeugt dabei ebenfalls. Gerade dann, wenn man dem Teenager ansieht, dass sie mit ihrem Leben abgeschlossen hat und doch so dankbar für die Liebe ist, die ihr auf den letzten Metern mitgegeben wird. Für die ganz große Tränendrüse fehlt auch hier der eben angesprochene „Oscar-Moment“. Das mag der ein oder andere als Schwäche empfinden. Ich finde das konsequent. So bleibt auch Figur Nummer 3, Stiefmutter Caroline (großartig: Joely Richardson), ausreichend Zeit für tolle Momente. Von allen Figuren wirkt sie mit ihren inneren Konflikten noch am realsten.

Fazit

Ich bin wirklich beeindruckt. Arnold Schwarzenegger meistert seine erste Indie-Rolle seit Terminator weltklasse. Trotzdem wird Maggie insgesamt wohl nur ein kleines Publikum begeistern, weil hier weder Action, noch Untote das Thema sind. Wer sich damit anfreunden kann, dass die allgegenwärtige Zombieseuche hier als Werkzeug für ein sozialgesellschaftliches Familiendrama herhält, der bekommt richtig frischen Stoff für’s Sub-Genre. Aber seid gewarnt. Die Geschichte drückt auf die Stimmung wie ein schwerer Stein. Absolut sehenswert.

Dieser Film könnte Dich interessieren, wenn Du The Returned oder The Road gesehen hast. 

Ich möchte meine Leidenschaft für Filme mit Euch teilen. Es gibt so viele spannende, interessante Werke, die viel zu wenig Beachtung geschenkt bekommen. Manchmal braucht ein stark kritisierter Film einen Verteidiger. Andere gehypte Filme müssen dagegen auch mal hinterfragt werden. Filme müssen Spaß machen.

2 Kommentare on "Der Filmtipp: Maggie – Schwarzenegger überrascht im untoten Familiendrama"

  • Matze

    Arnold Schwarzenegger in einer ernsten Rolle mit Tiefgang? Kann ich mir im ersten Moment überhaupt nicht vorstellen.

    Ist eventuell einen Blick wert – wenn nicht im Kino, dann vielleicht irgendwann auf DVD!

    • Micha

      Es gibt ihn gar nicht im Kino. Du kannst also ganz gespannt die DVD sichten 😉

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