Der Filmtipp: Stereo – Deutschlands coole Antwort auf Fight Club und Drive

Zum Thema Filmtipps, Home von - Januar 26, 2015
Der Filmtipp: Stereo – Deutschlands coole Antwort auf Fight Club und Drive
Maximilian Erlenwein. Merkt Euch diesen Namen! In einer Zeit, in der Schweiger, Schweighöfer und M’Barek die deutsche Kinoleinwand mit Einheitsbrei regieren, ist es dieser junge Regisseur, der uns in Zukunft noch viel „neue“ Unterhaltung bieten könnte. Sein Genre-Mix Stereo ist ein mutiges Beispiel dafür, dass unser Land mehr kann. Zwar muss sich der Thriller Vergleiche mit kultigen Hollywood-Produktionen gefallen lassen, in meinen Augen ist das aber ein Kompliment.
Worum geht es überhaupt? Erik ist dem Stress der Großstadt entflohen und zusammen mit Freundin Julia und ihrer Tochter Linda aufs Land gezogen. Er kann sich seiner Liebe und seiner Motorrad-Werkstatt widmen, ein friedliches Familienleben führen. Wäre da nicht Henry. Der aufdringliche Stalker verfolgt Henry und lässt ihn nicht mehr in Ruhe – und er ist unsichtbar für andere. Erik zweifelt an seinem Verstand und sucht psychologische Hilfe. Aber als eine Bande organisierter Verbrecher das Leben seiner Familie bedroht ist Henry plötzlich derjenige, der Erik noch helfen kann.
Was für eine Überraschung! Maximilian Erlenwein lädt zwei der bekanntesten deutschen Darsteller ein und zaubert einen technisch astreinen Knüller auf die Leinwand. Vor allem der düstere Look, der wummernde Sound und die grafischen Elemente verpassen Stereo einen besonderen Stil. Er ist rau, er ist sexy, brutal und sehr nüchtern. Die Kameraeinstellungen sitzen perfekt und sowohl Jürgen Vogel (Die Welle, Wo ist Fred?, u.a.) als auch Moritz Bleibtreu (Das Experiment, Baader Meinhof Komplex, u.a.) agieren in bester Spiellaune. Neben der kultigen Machart haben wir eine Story, die vielversprechend strange und teils überspitzt erzählt wird. Und sie hat einen super Twist!
Fight Club, Drive, …Stereo!
Ja, es gibt einen bestimmten Logikfehler, den ich aber hier nicht ansprechen möchte, weil er meiner Meinung für den Gesamtfilm in Kauf genommen werden muss. Ich möchte auch nicht spoilern. Was ich aber sagen sollte ist: Wer Probleme mit Filmen wie Drive, Only God Forgives oder Fight Club hat, der sollte sich hier ganz genau überlegen, auf was er sich einlässt. Und doch ist Stereo nicht einfach nur eine Kopie seiner amerikanischen Vorbilder. Die Figuren wirken authentischer, inklusive nervigem Genuschel. Und der Film ist stolz deutsch zu sein. Georg Friedrich spielt seinen Bösewicht Keitel mit österreichischem Dialekt, was seiner Figur im Gesamtkontext von stereotypischen Bad Guys abhebt und sie zusätzlich skurril erscheinen lässt.
Coole Freunde, viel nackte Haut, geile Musik – Dachschaden mit gewissen Vorzügen?!
© Wild Bunch Germany
Fazit:
Stereo ist in meinen Augen der beste deutsche Kinofilm des Jahres 2014, weil er sich mehr traut und endlich mal abhebt von seiner nationalen Konkurrenz. Die Optik und vor allem die bassige, elektronische Musikuntermalung (Justice, Moderat!!) runden das Gesamtwerk ab. Spannend, böse und einfach cool. Tyler Durden zieh Dich an, Erik is on fire!
Stereo ist sechsmal für den #derFilmtippAward nominiert, in den Kategorien: Bester Film, Bester Hauptdarsteller, Beste Nebendarstellerin, Bester Regie, Beste Kameraarbeit und Bester Sound.
Ich möchte meine Leidenschaft für Filme mit Euch teilen. Es gibt so viele spannende, interessante Werke, die viel zu wenig Beachtung geschenkt bekommen. Manchmal braucht ein stark kritisierter Film einen Verteidiger. Andere gehypte Filme müssen dagegen auch mal hinterfragt werden. Filme müssen Spaß machen.

3 Kommentare on "Der Filmtipp: Stereo – Deutschlands coole Antwort auf Fight Club und Drive"

  • In dem Zuge sei dir, falls du ihn noch nicht kennst, WHO AM I empfohlen. Der ist – trotz M’barek – ein zweiter grandioser deutscher Genrefilm 2014! :)

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