Der Filmtipp: The Drop – Bargeld – Sanfte Gangster vs. American Dream

Zum Thema Filmtipps, Home von - Januar 24, 2015
Der Filmtipp: The Drop – Bargeld – Sanfte Gangster vs. American Dream
James Gandolfini, ein großartiger Charakter-Darsteller, ist viel zu früh von uns gegangen. In The Drop – Bargeld bekommen wir nun seinen letzten großen Auftritt zu sehen. Wir tun dem Film und seinen Machern aber Unrecht, wenn wir ihn nur deshalb hochjubeln. Die gute Nachricht ist, das müssen wir gar nicht. Nicht weil er schlecht ist. Im Gegenteil!
Worum  geht es überhaupt: Bob Saginowski und sein Cousin Marv arbeiten in einer Bar in Brooklyn. Diese wird von tschetschenischen Mafiosi kontrolliert und dient Geldwäschern als „drop bar“,  also als Umschlagplatz für Deals. Nach einem Überfall auf die Bar wollen die betrogenen Verbrecher ihr Geld von den Barbesitzern zurück. Ein weiteres Problem: Bob rettet parallel einem misshandelten Pitbull-Welpen das Leben und freundet sich mit der Ex-Freundin des Täters an. Dieser ist ein Psychopath und steigt nichtsahnend in einen Konflikt ein, der sich aufstaut.
Bestseller-Autor Dennis Lehane (Shutter Island, Mystic River, u.a.) hat mit Animal Rescue eine Kurzgeschichte hingelegt, die nun von Regisseur Michael Roskam (Bullhead, u.a.) passend auf die Kinoleinwand übertragen wurde. Der amerikanische Traum schlägt hier dem Zuschauer mit der Realitätsfaust voll auf die Zwölf. Die verkommenen Gassen Brooklyns, die von der Zeit angeknabberten Häuser und die Menschen, die in dieser Region leben und Geld verdienen wollen – das alles wirkt unglaublich authentisch und spürbar. Wer schon mal in Gelsenkirchen war weiß wovon ich spreche.
Tom Hardy in Topform!
 —
Wenn Dir die Mafia droht und Dich ein Psycho stalked: Erst mal Gassi gehen.
© 20th Centruy Fox
Wen bekommen die Zuschauer also als Hauptfigur geboten, die sich durch das Grau, diese bedrohliche und frustrierende Atmosphäre boxen muss? Tom Hardy? Bane? Den Warrior? Nein. Sie bekommen Bob. Introvertiert, unsicher und wortkarg. Keinen lässig-coolen Gangster, keinen ehemaligen Marine, keinen Superhelden. Ganz im Gegenteil. Der von Tom Hardy grandios verkörperte Barkeeper hat Probleme Frauen anzusprechen, ist hoffnungslos gutmütig und nicht besonders sprachgewandt.
„Jeder hat eine Vergangenheit 
und es gibt manche Sünden von denen kommst du nicht mehr los, 
egal wie sehr du dich anstrengst und es scheint besiegelt zu sein, 
dass deine Seele schon dem Teufel gehört.“
Gerade Bobs naive Herangehensweise an seine Probleme lässt das Gefühl aufkeimen, dass jeden Moment Unheil hereinbrechen könnte. Vor allem in den Momenten, in denen die Mafiosi die Bar betreten oder Psychopath Eric auf Konfrontationskurs mit Bob geht. Doch The Drop ist ein nüchterner Film. Schonungslos ruhig und treibend. Faustkämpfe, Bleigewitter – das alles bleibt aus. Und Bob? Der bleibt auch ruhig. Ängstlich, aber ruhig. Zu ruhig. Selbst nachdem er Leichenteile vorgesetzt bekommt.
So cool und gestellt geht’s im Film nicht zu, versprochen!
© 20th Centruy Fox
Es sind vor allem die Dialoge, die hier für Unterhaltung sorgen. Hin und wieder ein kleiner Schmunzler, dann eine subtile Gesellschaftskritik, dann plötzlich noch ernstere Töne. Und immer wieder herrlich naive und dadurch so echte Gespräche. Die wahre Stärke des Plots sind allerdings die Dinge zwischen den Zeilen, die Szenen, die ohne Worte viel aussagen. Dazu tragen dann auch die allesamt gut aufgelegten Nebendarsteller bei: Noomi Rapace, Matthias Schoenaerts und eben James Gandolfini. Möge er in Frieden ruhen.
Fazit:
Vielen Leuten könnte The Drop – Bargeld (klasse Wortspiel im Nebentitel) tatsächlich zu lahm sein. Das wirkt aber nur auf den ersten Blick so, denn da staut sich etwas auf. Alle Figuren sind Gefangene gewisser Umstände, die sich nicht ignorieren lassen. Auch nicht durch einen süßen, kleinen Welpen. Und das macht den Film so stark. Super Darsteller-Leistungen! Ein paar kleine Twists. Klasse Setting. Für Freunde von Killing Them Softly oder Dead Man Down.
The Drop ist einmal für den #derFilmtippAward nominiert, in der Kategorie: Bestes Filmplakat.
Leider hat es für andere Kategorien nicht gereicht, da ich den Film erst nach Jury-Deadline gesehen habe.
Ich möchte meine Leidenschaft für Filme mit Euch teilen. Es gibt so viele spannende, interessante Werke, die viel zu wenig Beachtung geschenkt bekommen. Manchmal braucht ein stark kritisierter Film einen Verteidiger. Andere gehypte Filme müssen dagegen auch mal hinterfragt werden. Filme müssen Spaß machen.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>