Der Filmtipp: The Guest – Ultracooler Psychothriller mit Retro-Pop & 80er Kinoflair

Zum Thema Allgemein, Filmtipps, Home von - Mai 06, 2015
Der Filmtipp: The Guest – Ultracooler Psychothriller mit Retro-Pop & 80er Kinoflair

The Guest ist für mich schon jetzt ein Highlight des Jahres. Boom! So muss eine Rezension anfangen. Es ist aber auch wirklich eine Schande, dass Filme wie diese kleine Perle nicht den Weg ins Kino, geschweige denn in die Aufmerksamkeit der breiten Masse finden. Aber das kommt noch mit der Zeit, da bin ich mir sicher. Viel zu geschickt bedient der Streifen mehrere Genres und schickt Liebesgrüße an das Kino der 80er und 90er. Pure Unterhaltung, das garantiere ich Euch!

 

 

Worum geht es überhaupt? Laura und Spencer Peterson haben ihren älteren Sohn Caleb durch einen Militäreinsatz verloren. Zusammen mit ihrer Tochter Anna und ihrem jüngeren Sohn Luke versuchen sie damit klarzukommen und die alltäglichen Probleme zu meistern. Plötzlich steht der höfliche Ex-Soldat David vor der Tür und behauptet ein Freund Calebs zu sein. Demnach habe er Caleb versprochen sich um dessen Familie zu kümmern und diese nimmt es dankend an. Nur Anna bleibt misstrauisch.

Bei aller Höflichkeit. Hin und wieder sieht David Rot. © Picture House

Während Drive sich viel zu wichtig nimmt und sich dank One-Face-Gosling in seiner erzwungenen Tiefsinnigkeit selbst ertränkt, bleibt The Guest sympathisch auf dem Boden. Warum ich die beiden Filme miteinander vergleiche? Weil sie offensichtliche Ähnlichkeiten besitzen. Regisseur Adam Wingard, den wir neben Ti West vor allem als Mit-Regisseur von V/H/S und S-V/H/S kennen, hat es geschafft eine eher durchschnittliche, wenig innovative Grundstory in einen cineastischen Vollgenuss zu verwandeln.

Irgendwo zwischen Psychothriller und rauer Action ist The Guest vor allem eine Hommage an das Genre-Kino der alten Schule. Überzeichnete, aber super gespielte Figuren. Coole Sprüche und schwarzhumorige Momente paaren sich mit einer soliden Grundspannung, die stets aufrecht gehalten wird, um den Zuschauer mit plötzlichen rauen Momenten zu überraschen. Die Kameraführung kitzelt praktisch in jeder Szene das Atmo-Maximum auf ein gehobenes Level.

„Wenn sie Dir das Messer wegnehmen,

dann zündest Du ihre Familien in ihren Häusern an“

Die größte Wirkung erzielt allerdings dieser ultracoole Soundtrack. Elektro-Pop im Retro-Stil versetzt uns zusammen mit Annas Outfit und einer menschenleeren Halloween-Location immer wieder viele Jahre zurück. Pink-blaue Neonfarben, Netzstrümpfe, Nebelmaschinen – düstere Stimmung und schnelle Schnitte, die auf eine pumpende Herzschlag-Bassline folgen. Alles perfekt aufeinander abgestimmt. Das wirkt und ist technisch absolut stilsicher!

Spieglein, Spieglein, an der Wand, wer… © Picture House

Einer der tollsten Momente ist die Szene im Diner, wo zu Stevie Wonders „Because I Love you“ getötet wird, um exakt bei der Zeile „My heart’s an open door“ durch die Tür zu verschwinden. Amazing storeytelling! Ebenso amüsant ist Leland Orsers (Taken, Alien – Die Wiedergeburt u.a.) Running Gag „Ich nehm mir erstmal `nen Drink, David willst du auch einen?“. Das macht vielleicht nicht immer Sinn, aber ich liebe diese Spielereien!

Getragen wird der Film vor allem durch seinen eindrucksvollen Hauptdarsteller Dan Stevens (Ruhet in Frieden, Dracula. u.a.), den wir demnächst als Biest in Die Schöne und das Biest an der Seite von Emma Watson sehen werden. Wie er gekonnt zwischen förmlicher Höflichkeit, charmanter Coolness und eiskalter Gewaltbereitschaft geheimnisvoll balanciert, das hat schon was. Seine Gegenspielerin Maika Monroe (demnächst u.a. in Independence Day 2 und The Fifth Wave) macht als attraktive New-Wave-Rebellin ebenso Spaß, wie alle anderen Figuren.

Fazit

Wenn ein Film technisch und im Detail so spürbar liebevoll inszeniert wurde, dann sind selbst Logiklücken und Drehbuchschwächen kein großes Problem mehr. Dann macht es einfach nur noch Spaß und unterhält. Großartig gespielt, musikalisch 1A untermalt und das Gleichgewicht zwischen Spannung, Gewalt und Witz stimmt. Großes Kino…hätten unsere Kinos ihn denn gezeigt.

Ich möchte meine Leidenschaft für Filme mit Euch teilen. Es gibt so viele spannende, interessante Werke, die viel zu wenig Beachtung geschenkt bekommen. Manchmal braucht ein stark kritisierter Film einen Verteidiger. Andere gehypte Filme müssen dagegen auch mal hinterfragt werden. Filme müssen Spaß machen.

2 Kommentare on "Der Filmtipp: The Guest – Ultracooler Psychothriller mit Retro-Pop & 80er Kinoflair"

  • Toller Film mit einem grandiosen Hauptdarsteller ! Vermutlich wird der Film ein bißchen untergehen in der Masse der täglichen und wöchentlichen Videoerscheinungen, aber eine Empfelung ist er allemal wert !

    • Micha

      Auf jeden Fall, gerade stilistisch hebt er sich ab von der DVD-Massenware. Wäre schade, wenn er so untergeht, aber Du hast Recht, das kann leider schnell passieren.

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