Der Filmtipp: The Interview – einfach nur ein Film. Keine Satire, kein Charlie, kein Meilenstein.

Zum Thema Filmtipps, Home von - Februar 06, 2015
Der Filmtipp: The Interview – einfach nur ein Film. Keine Satire, kein Charlie, kein Meilenstein.
Kaum zu glauben, doch es ist erst wenige Wochen her, dass Nordkorea den amerikanischen Kinos mit Anschlägen drohte und eine gigantische Hackerattacke Sony zum Abbruch des US-Kinostarts von The Interview verleitete. Nach den Angriffen auf Charlie Hebdo erreichte der Aufschrei um Medienfreiheit dann ein völlig ungeahntes Level. Ein Hype, dem die Komödie von Seth Rogen und James Franco irgendwie gerecht werden musste.
Worum geht es überhaupt? In The Interview spielt Franco den Boulevard Talkmaster Skylark, der dank der Ideen seines Freundes und Produzenten Rapaport (Rogen) immer wieder Showerfolge feiert. Als sie beschließen ihre Reichweite auch mal seriös zu nutzen, versuchen sie ein Interview mit Nordkoreas Führer Kim Jong-un zu arrangieren. Dieser entpuppt sich als großer Fan der Sendung und lädt die beiden zu einem Exklusiv-Interview nach Pjöngjang ein. Für die beiden Entertainer der große Durchbruch – bis die C.I.A an die Tür klopft und ihnen einen Auftrag aufzwingt, Kim Jong-un zu ermorden.
Ich habe mich durch etliche Kritiken gelesen und beschlossen, mich von einer ganz bestimmten Sache zu lösen. The Interview ist Klamauk. Nicht mehr und nicht weniger. Das Wort „Satire“ wird in letzter Zeit gerne für alles misshandelt, was irgendwie Aufmerksamkeit erregen und politisch relevant erscheinen möchte. The Interview ist aber genau das nicht. Dieser Film hier ist kein Statement. Er besitzt keine Tiefe auf irgendwelchen Metaebenen, er will wahrscheinlich nicht mal gesellschaftskritisch sein. Das tonnenschwere Gewicht des Wortes „Satire“ verdient er einfach nicht. Das ist weder böse noch nett von mir gemeint.
Andere Länder, andere…T***en. In etwa der Humor des Films.
© Columbia Pictures / Sony Pictures
Seth Rogen und James Franco sind für ihren pubertären Fäkalhumor berüchtigt und wer dieses Mal aufgrund der Vorgeschichte mehr erwartet hat, der lag schlichtweg falsch. Wer sich von der Erwartungshaltung freimacht entdeckt tatsächlich auch Pluspunkte an der ganzen Geschichte. Da wären zum Beispiel super Momente wie Eminems Schwulen-Outing oder die Besichtigung des nordkoreanischen Supermarktes und ein James Franco mit einem fantastisch überdrehten Overacting. Zerstört wird der Spaß dann regelmäßig von zahlreichen Pippi-Kacka-Schwanz-Zoten.
Was mir an dem Film gefällt ist sein kompromissloses, respektloses Auftreten in alle Richtungen. Die C.I.A. wird ebenso stereotypisch abgestempelt, wie das amerikanische Showbusiness und eben der nordkoreanische Regierungsstab. Ich bleibe aber dabei, das ist keine bissige Satire. Eher lässt sich das mit undurchdachten Behindertenwitzen pubertierender Jungs vergleichen. Mal ehrlich, Nordkorea… so wie der dicke Kim da drüben auftritt macht er es Komikern nicht gerade zum Lebenswerk ihn und sein Land auf die Schippe zu nehmen. Randbemerkung: Randall Park spielt ihn klasse!
Eine Anspielung auf Dennis Rodmans Freundschaft zu Nordkorea? Neeeein.
© Columbia Pictures / Sony Pictures
Fazit:
Es macht Spaß, wie der heroische Kim als Cocktail schlürfender Fan von Katy Perry entlarvt wird. Die Gagtrefferquote liegt allerdings nur bei 50 Prozent. Mit James Francos Schauspiel muss man sich erst anfreunden. The Interview sorgt für kurzweilige Unterhaltung zu der das Hirn ausgeschaltet werden darf. Richtig gehört, Politredakteure! Mehr haben wir hier nämlich nicht. Nur einen weiteren Klamauk ohne Tiefe und politische Relevanz. Satire darf alles? Dann darf Seth Rogen das auch!
Ich möchte meine Leidenschaft für Filme mit Euch teilen. Es gibt so viele spannende, interessante Werke, die viel zu wenig Beachtung geschenkt bekommen. Manchmal braucht ein stark kritisierter Film einen Verteidiger. Andere gehypte Filme müssen dagegen auch mal hinterfragt werden. Filme müssen Spaß machen.

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