Der Filmtipp: Unknown User – Paranormaler Dislike für Cybermobber

Zum Thema Allgemein, Filmtipps, FoundFootage, Home von - August 14, 2015
Der Filmtipp: Unknown User – Paranormaler Dislike für Cybermobber

Grenzen wir die Minions mal aus, dürfte Unknown User aka Unfriended wohl der Kinostreifen mit dem penetrantesten Marketing der letzten Monate gewesen sein. Das steigerte natürlich die Erwartungen, gerade weil er – wie viele gerne behaupten – der erste seiner Art ist. Ist er aber nicht. Trotzdem ist er einen Blick wert, auch wenn sich Potenzial und Umsetzung gegenseitig neutralisieren.

Worum geht es überhaupt? Sechs Teenager treffen sich per Skype-Konferenz und stellen schnell fest, dass sie einen ungebetenen Gast in der Unterhaltung haben. Dieser lässt sich nicht entfernen. Wie sich herausstellt handelt es sich dabei um den Account von Laura, einer ehemaligen Mitschülerin. Das Problem: Laura wurde vor exakt einem Jahr über YouTube und Facebook öffentlich bloßgestellt und gedemütigt und nahm sich das Leben. Langsam aber sicher macht sich Unruhe zwischen den sechs Freunden breit.

Wie bereits erwähnt, Unknown User geht keine ganz neuen Wege. Open Windows mit Elijah Wood hat bereits ähnliche Ansätze gezeigt und gut vorgelegt. Was „neu“ ist, ist die Idee Cybermobbing zu thematisieren. Ein dunkles Kapitel unserer Zeit und der ach so sozialen Netzwerke. Diese Idee finde ich klasse, denn das Netz hat nun mal nicht nur positive Seiten. Mit FSK 12 wollte ich mich zuerst nicht anfreunden, denn der Film hat eine sehr perfide Art und zwei, drei kurze aber brutale Momente. Um die Zielgruppe aber mit Cybermobbing abzuschrecken, ist FSK 12 dagegen fast schon wieder Pflicht. Traurig aber wahr.

Apropos, wie machen sich die Kinder? Die Teenager sind meiner Meinung nach wirklich authentisch gespielt. Ein Bitchfight hier, plumpe Sprüche dort, viel belangloser Netz-Small Talk. Auf den einen oder anderen werden sie nervig, ignorant und unreif wirken. Doch ihre Art miteinander zu kommunizieren spiegelt die Realität gut wieder. Hier gibt’s jedenfalls keine aalglatten Hollywood-Kinder. Gerade Shelley Hennig spielt Blaire sehr überzeugend. Weniger gut ist dagegen, dass die Konstellation voller Stereotypen viel kaputt macht.

Social-Media-Kanäle wie ein Gefängnis

Wir bekommen also einen Film serviert, der über die gesamte Länge als Bildschirm von Schülerin Blaire funktioniert. Wir sehen die Skype-Konferenz der Clique, Facebook-Chats und Gmail-Postfächer und Google Recherchen. Alles aus Blaires Sicht. Das ist natürlich Product Placement at its best, aber irgendwie auch echt. Generell besitzt Unknown User Detailliebe von Klick zu Klick. Wie in den Gesprächen ist auch im Chat der Slang gut getroffen, inklusive webtypischer Tippfehler. Warum jeder der Teenies dagegen die Kommasetzung perfekt beherrscht ist mir schleierhaft.

Und der „Unknown User“ selbst? Der mischt die Kiddies 2.0 ordentlich auf und stürzt sie nach und nach ins Chaos. Gerade zu Beginn ist das sehr spannend und interessant aufgebaut. Wer hätte gedacht, dass ein Ladebalken, eine seltsames Profilbild oder die Worte „Laura is typing…“ so gut als Spannungselement funktionieren? Noch schöner ist dabei, dass es dich zwischen Icons und Emojis nicht nur um blassen Grusel dreht. Es ist viel mehr gesellschaftskritische Psychothematik dabei, als gedacht. Social-Media-Freundschaften werden hier wirklich nett hinterfragt und zerlegt. Ich sag nur so viel, der Originalname Unfriended passt wie die Faust aufs Auge, in zweierlei Hinsicht.

Facebook- und Youtube-Kommentare wie das mehrfach auftauchende „Go kill urself“ sind natürlich plakativ, aber keinesfalls unrealistisch. Leider. Die symbolische Message lautet mehr oder weniger „Was du im Netz tust holt dich ein, du kannst dich nicht entziehen“. Ob das rechtfertigt, dass niemand während des ganzen Films den Bildschirm verlässt oder Hilfe ruft (Haben die alle keine Eltern und Geschwister?), ich weiß es nicht. Der eine oder andere Logikpunkt wird offensichtlich bewusst ignoriert, um die Geschichte fortführen zu können. Dazu gehört auch das pausenlos schweigende Starren auf den Bildschirm um Zeit zu schinden.

Am Ende vermeidet der Film dann ein klares Statement und flüchtet ins Grusel-Genre wie ein Feigling. Die Story mutiert plötzlich zu einem Zwitter aus Revenge-Torture und Paranormal Activity. Was an detailreicher Glaubwürdigkeit erarbeitet wurde, wird im Finale völlig geopfert und mit einem mehr als bescheuerten Schlussschreck beendet. Ganz ehrlich, dann lieber Fragen offen und Raum für Interpretationen lassen.

Fazit

Insgesamt hat mich Unkown User ziemlich gut unterhalten. Ich war überrascht. Auch, weil er lange mehr Thriller als Grusel-blabla ist. Weniger überrascht mich dann, dass er in den letzten 15 Minuten sein ganzes Potenzial in die Weiten des Internets feuert. Das wäre wirklich so nicht nötig gewesen und schadet dem Gesamtbild. Empfehlen würde ich ihn allein schon wegen der wichtigen Thematik und der etwas anderen Perspektive. Wäre er als Underdog direkt auf DVD erschienen, ich hätte ihn vielleicht sogar noch etwas mehr gefeiert.

Dieser Film könnte Dich interessieren, wenn Du V/H/S: Viral oder Paranormal Activity 4 gesehen hast. Meine krittiq zu Unknown Unser gibt’s HIER.

Bilder © Universal Pictures International Germany GmbH

Ich möchte meine Leidenschaft für Filme mit Euch teilen. Es gibt so viele spannende, interessante Werke, die viel zu wenig Beachtung geschenkt bekommen. Manchmal braucht ein stark kritisierter Film einen Verteidiger. Andere gehypte Filme müssen dagegen auch mal hinterfragt werden. Filme müssen Spaß machen.

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