Der Filmtipp: V/H/S: Viral – peinlicher Youtube-Abschluss ohne Seele und Grusel, dafür aber zum Fremdschämen

Zum Thema Filmtipps, FoundFootage, Home von - März 15, 2015
Der Filmtipp: V/H/S: Viral – peinlicher Youtube-Abschluss ohne Seele und Grusel, dafür aber zum Fremdschämen
Wer sich im Bereich „Found Footage“ ein wenig auskennt, der weiß, dass neben großen Kassenschlagern wie BlairWitch Project oder ParanormalActivity auch ein kleiner Kultfilm namens V/H/S in der Liga der Genre-Lieblinge mitspielt. Und obwohl Handkamerafilme und Sequels oft umstritten sind, schaffte es der zweite Teil sogar zu noch besseren Kritiken. Nun sollte die Reihe mit V/H/S: Viral beendet ruhmreich werden. Ein Ende, dass ich so nicht erwartet habe.
Worum geht es überhaupt? (An dieser Stelle schreibe ich immer eine kleine Inhaltsangabe, in diesem Fall ist das aber kaum möglich…) Puh, ja, worum geht es?… Ich verrate nicht zu viel, wenn ich berichte, dass der Film wieder eine Basis-Geschichte zeigt, die von kleineren, unabhängigen Horror-Episoden unterbrochen und begleitet wird. Wir sehen einen Teenager, der ein Star im Internet werden will und dies auch wird, allerdings auf eine ungewollte Art und Weise. Und dann sind da die kurzen Episoden von Magiern, Parallelwelten und mexikanischem Satanskult…
Mockumentary Wannabe
Du magst Kameragewackel nicht? Du hasst offene Enden? Du kannst Laiendarsteller nicht ab und verlangst zu sehen, was passiert? Dann bist Du eventuell nicht gemacht für das Genre. V/H/S: Viral schafft es allerdings sogar diejenigen abzuschrecken, die damit keine Probleme haben. Leute wie mich, die diese Stilmittel sogar stark finden. Der Film verkauft sich ganz dreist als Found-Footage-Streifen, macht aber gerade in Sachen Methodik alles falsch, was man falsch machen kann.
Durchschnittlicher „Hipster-50-Shades-of-Gay-Blutiger-Sack-DVD-Abend“
© Drop-Out Cinema
In der Magier-Episode, gespickt mit herrlich mies synchronisierten Interviews, verkauft Regisseur Gregg Bishop (Dance of the Dead, u.a.) sein Publikum für dumm und streut immer wieder normale Kameraaufnahmen ein. Das Handkamera-Flair verfällt schon nach wenigen Sekunden. In der Internet-Grundstory sehen wir das Gegenteil, negativ auf die Spitze getrieben. Das Flackern und Wackeln wirkt dermaßen penetrant und völlig fehl am Platz, dass ich schon nach 10 Minuten abbrechen wollte. Viel zu offensichtlich, dass die vermeintlichen Bild- und Tonprobleme anschließend digital nachgebessert wurden. Danke, Praktikant!
Völlig / Hirnrissige / Sch***e
Die Schnittfolge und die Erzählstrukturen sind drehbuchtechnisch eine große Katastrophe. Nur mal ein Beispiel: Ursprünglich hätte Regisseur Todd Lincoln (The Apparition, u.a.) noch eine vierte Episode auf Lager gehabt, die wurde aber kurz vor US-Start einfach mal gekickt. Hat es der Story geschadet? Fehlt jetzt irgendwas? Nö. Da waren schon vorher keine Zusammenhänge bemerkbar.
Haben kein Bock mehr: Monrose. Egal, die Episode gibt’s im Film eh nicht.
© Drop-Out Cinema
Die anderen beiden Episoden der Regisseure Nacho Vigalondo (Extraterrestrial, u.a.), Justin Benson und Aaron Moorhead (Resolution, Spring, u.a.) passen etwas besser ins Gesamtkonzept. Sie sind bizarr und wirr, erinnern an die Sekte aus V/H/S-S oder die Dämonin aus Teil 1 und versuchen wenigstens am Genre-Stil festzuhalten. Aber auch hier killen Zeitlupen-Einlagen irgendwann die Authentizität. Das nostalgische VHS-Gefühl der ersten beiden Teile ist ohnehin getötet worden. Es lebe Youtube, es lebe Go-Pro, juhu…
Fazit:
Wer V/H/S mochte und V/H/S-S vielleicht sogar noch etwas besser fand, der wird diesen Film hier hassen. Er ist nichts weiter als völlig chaotische Geldmacherei, inszeniert von Amateuren, die gegen jeden Filmstudenten alt aussehen. Grusel will zu keiner Sekunde aufkommen, bestenfalls unfreiwillige Komik. Unterhalten kann das schon, insgesamt sind die neuen Episoden und vor allem die Basic-Story mit ihrer Möchtegern-Auflösung aber nur blutleer und peinlich.

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Ich möchte meine Leidenschaft für Filme mit Euch teilen. Es gibt so viele spannende, interessante Werke, die viel zu wenig Beachtung geschenkt bekommen. Manchmal braucht ein stark kritisierter Film einen Verteidiger. Andere gehypte Filme müssen dagegen auch mal hinterfragt werden. Filme müssen Spaß machen.

4 Kommentare on "Der Filmtipp: V/H/S: Viral – peinlicher Youtube-Abschluss ohne Seele und Grusel, dafür aber zum Fremdschämen"

  • Hmm, na immerhin hat es mich auf V/H/S aufmerksam gemacht. Der klingt ja nicht schlecht.

    • Ja, der ist wirklich ganz cool. Kein Meisterwerk, aber trashig verpackt und nicht einfach nur stumpfsinnig. Teil 2 sogar noch etwas mehr.

Trackbacks

  • Trackback: Unknown User - Paranormaler Dislike für CybermobberDer Filmtipp
    August 14, 2015

    […] Film könnte Dich interessieren, wenn Du V/H/S: Viral oder Paranormal Activity 4 gesehen hast. Meine krittiq zu Unknown Unser gibt’s […]

    Fatal error: Cannot redeclare no_self_ping() (previously declared in /var/www/web410/html/blog/wp-content/themes/reviewer/functions.php:685) in /var/www/web410/html/blog/wp-content/themes/reviewer/functions.php on line 685