Der Filmtipp: Open Grave – über Leichen gehen und nichts mehr wissen

Zum Thema Endzeit, Filmtipps von - September 28, 2014
Der Filmtipp: Open Grave – über Leichen gehen und nichts mehr wissen

Stellt Euch vor Ihr wacht mitten im Nirgendwo in einer Grube auf, könnt Euch an nichts mehr erinnern und unter Euch liegen Hunderte von Leichen. So ergeht es John, der außer seinem Namen nichts mehr zu wissen scheint. Eine asiatische Fremde befreit ihn und bringt in zu einer entlegenen Hütte, in der er auf eine Gruppe Menschen trifft, die wie er unter Gedächtnisverlust leiden. Niemand traut dem anderen, obwohl die eigentliche Katastrophe außerhalb der Hütte stattfindet.

Regisseur Gonzalo López-Gallego kann meiner Meinung nach ein Großer seines Fachs werden, denn schon sein Found Footage Schocker Apollo 18gefiel mir außerordentlich gut. Noch dazu wurde mit Sharlto Copley (District 9, Elysium, u.a.) ein echter Senkrechtstarter aus dem Science Fiction und Mysterybereich mit der Hauptrolle beschenkt. Beide haben ihre Hausaufgaben gemacht. Noch dazu kommt eine wirklich gelungene Kameraführung, begleitet von atmosphärischen Locations. Es wurde vermieden auf epische Musik oder Gewaltexzesse zu setzen – vielmehr ist es ein dichter Thriller zum Miträtseln.
Jeder gegen jeden gegen…?
Ein Großteil der Spannung wird dadurch aufgebaut, dass Johns Begleiter genauso wie er selbst Geheimnisse zu haben scheinen, die nicht mal ihnen selbst bewusst sind. Jede Menge gegenseitiges Misstrauen treffen hier auf eine Gefahr von außen, die den Figuren ebenfalls ein Rätsel ist. In den Nebenrollen treten Thomas Kretschmann (King Kong, Der Pianist, u.a.), Josie Ho (Contagion, Street Fighter, u.a.), Joseph Morgan (Alexander, Krieg der Götter, u.a.), Erin Richards (Gotham, The Quiet Ones, u.a.) und Max Wrottesley (Hugo Cabret, Captain Phillips, u.a.) in Erscheinung, die allesamt eine ordentliche Leistung abliefern.
© Universum Film
Hin und wieder verläuft Open Grave ein bisschen schleppend und die Story kann sich von typischen Nervmitteln à la „jeder geht alleine irgendwo hin“ nicht ganz loslösen. Das bedeutet, dass die eine oder andere unlogische Aktion der Figuren – manche würden es „dumm“ nennen – nicht vermieden werden kann. Und wo wir gerade dabei sind zu meckern: an die Stimme von Thomas Kretschmann werde ich mich wohl nie gewöhnen. In der Videothek werdet Ihr den Film wohl meistens in der Horror-Ecke finden, daher möchte ich Euch gleich von vornherein warnen: Open Grave ist kein Horrorfilm!
Was ist Open Graves denn nun?
Es ist ein Mix aus The Walking Dead, The Crazies und dank des großartigen Sounds und Scores auch 28 Days Later. Dagegen spricht aber, dass es sich hier nicht um einen reinen Zombiefilm dreht. Er könnte ebenso mit Lost, Carriers, Buried oder The Last Seven verglichen werden. Dank der Story und der Auflösung, die ich hier nicht verraten möchte, ist es schwierig ihn in eine Schublade zu stecken. Genau das hebt Open Grave dann schließlich auch ab von herkömmlicher Videotheken-Ware.
Fazit: Trotz ein paar Längen und nicht immer logischen Unternehmungen der Figuren inszeniert Gonzalo López-Gallego einen dichten, spannenden Mystery-Endzeit-Was-auch-immer-Thriller, der den Zuschauer rätseln und mitfiebern lässt. Abgesehen vom trashigen Titel, der hier aber passt, ist Open Grave technisch gesehen ein solider Streifen, der durch einen super Score besticht. Empfehlenswert!
Ich möchte meine Leidenschaft für Filme mit Euch teilen. Es gibt so viele spannende, interessante Werke, die viel zu wenig Beachtung geschenkt bekommen. Manchmal braucht ein stark kritisierter Film einen Verteidiger. Andere gehypte Filme müssen dagegen auch mal hinterfragt werden. Filme müssen Spaß machen.

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