Der Filmtipp: The Returned – Wenn Zombies zu Gejagten werden

Zum Thema Endzeit, Filmtipps, Home von - August 18, 2014
Der Filmtipp: The Returned – Wenn Zombies zu Gejagten werden

Stellt Euch vor ein Mensch, der Euch am Herzen liegt, erkrankt an einem Virus. Binnen weniger Stunden lässt es ihn zu einem tollwütigen Freak mutieren. Es gibt ein Gegenmittel, welches per Injektion täglich gespritzt werden muss, um die Mutation zu verhindern. Stellt Euch vor, die Gesellschaft spaltet sich aus Angst vor dem Virus und beginnt die Infizierten auszugrenzen. Und jetzt stellt Euch vor, die Rationen des Mittels werden knapp und die Forschung hat Probleme Nachschub zu produzieren.

© levelFILM

In diesem Dilemma steckt Kate, die auf der einen Seite versessen am Gegenmittel forscht und auf der anderen Seite ihren infizierten Partner Alex versorgen und schützen muss. Die beiden Hauptdarsteller Emily Hamphire und Kris Holden-Ried machen ihre Sache wirklich sehr gut. Die innere Unruhe ist Kate deutlich anzumerken, auch wenn sie nach außen hin kühl und abgeklärt wirkt. Auf der anderen Seite steht Alex, der seine Angst vor dem Tag X unterdrückt, um für seine Frau, der er viel zu verdanken hat, stark zu bleiben. Beide Schauspieler hatte ich bislang nie auf dem Schirm, bzw. Holden-Ried nur als Beckinsale-Lover in Underworld. Umso überraschter bin ich jedes Mal, wenn „No Names“ so eine klasse Leistung abliefern.

Neue alte Idee

Die Produzenten von [REC] und Sleep Tight haben das bewährte Z-Infektions-Thema genommen und es in einen gesellschaftskritischen Kontext gemixt, der mich irrerweise irgendwie an Dallas Buyers Club erinnert. Jedenfalls in den Momenten, in denen die Kranken gemoppt oder überfallen werden. Sooo richtig neu, ist die Idee aber eigentlich nicht. Beispiel: Nebendarsteller Shawn Doyle hat schon einmal in einem Film mitgespielt, namens Die Verstoßenen – Am Rande der Apokalypse. Dort ging es um ein Virus, dass die Menschen schnell altern lässt. Das Gegenmittel dafür muss täglich eingenommen werden und wird von einem Konzern kontrolliert. Es entsteht der Eindruck, als habe man Trendzombies a lá 28 Days Later nur angefügt. Schlechter macht das den Film aber nicht, denn:

© levelFILM

Wer hier ein Zombie-Gemetzel erwartet, der ist auf dem falschen Weg. Infizierte bekommt der Zuschauer nur sehr selten zu sehen. Im Vordergrund steht hier eindeutig der „menschliche“ Aspekt. Mit sehr seichter Musik, viel nüchterner Atmosphäre und einem insgesamt sehr ruhigen Erzählstil weiß The Returned, der im Original den schönen Titel Retornados trägt, durch aus als Drama zu begeistern. Als Horrorschocker eher weniger. Was nicht bedeutet, dass nicht auch Spannung erzeugt wird. Es gibt sehr viele Momente, in denen Gefahr in der Luft liegt und Regisseur Manuel Carballo (Der Exorzismus der Emma Evans) die Nerven des Zuschauers auf die Folter spannt. Dem Film ist der spanische Einfluss unter kanadischen Darstellern stark anzumerken.

Wie lange und für welchen Preis halten beste Freundschaften und ab wann fühlen sich Menschen zur Unmoral berechtigt, nur um das eigene Leben oder eines ihrer Liebsten einem Unbekannten vorzuziehen? Dass diese Fragen in einer Zombiewelt gestellt werden, in denen die erste Epidemiewelle überstanden wurde, macht das alles noch interessanter. Hier werden die Infizierten von den Gesunden versteckt, nicht umgekehrt.

Fazit: Das Cover erinnert an Dummblockbuster wie I, Frankenstein und der deutsche Nebentitel Weder Zombies noch Menschen ist mal wieder zum Vergessen. Dabei ist dieser Film hier soviel besser! Meine Lieblingsfrage „Was wäre wenn?“ wird hier in jedem Fall aufgeworfen und das Infizierten-Thema mal von einer anderen Perspektive beleuchtet. Endlich mal wieder ein „Zombie“-Film, der sich und die Thematik ernst nimmt und nicht nur auf dem Trash-Kult rumeiert. Dank der guten Schauspieler und der wirklich zur Story passenden Machart ist The Returned in meinen Augen jeden Filmtipp wert. Allerdings eher für Freunde von Filmen wie Retreat oder Carriers.

© levelFILM

 

Ich möchte meine Leidenschaft für Filme mit Euch teilen. Es gibt so viele spannende, interessante Werke, die viel zu wenig Beachtung geschenkt bekommen. Manchmal braucht ein stark kritisierter Film einen Verteidiger. Andere gehypte Filme müssen dagegen auch mal hinterfragt werden. Filme müssen Spaß machen.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>