Der Filmtipp: Gigantisches Comeback für Godzilla – Eine Naturgewalt erfindet sich neu

Zum Thema Filmtipps, Monster von - Mai 15, 2014
Der Filmtipp: Gigantisches Comeback für Godzilla – Eine Naturgewalt erfindet sich neu

Ein Dröhnen zieht durch Ohren und Knochenmark, der Boden beginnt zu erzittern. Rauchwolken und Lichtblitze versperren die Sicht, eine hundert Meter hohe Silhouette. Dann donnert es durch den Himmel, dieses Grölen, dass Filmgeschichte schrieb. Godzilla ist zurück. Und wie! 

Roland Emmerich versetzte 1998 die Fans von „Gojira“ schon einmal in Angst und Schrecken, allerdings aus anderen Gründen. Weder Anhänger, noch Filmkritiker konnten sich mit dem mutierten Leguan anfreunden. Einige nennen Emmerichs Monster daher „G.I.N.O“, Godzilla In Name Only. Andere nannten ihn nur noch „Zilla“, weil von „God“ nicht mehr viel übrig sei. Danach traute sich niemand in Hollywood einen zweiten Versuch zu starten. Wäre da nicht Regie-Newcomer Gareth Edwards, der mit dem Independent Movie Monsters erst einen Kinofilm im Lebenslauf vorweisen konnte. Doch gerade er hat das Gefühl, die Geschichte und den Willen der Fans verstanden. Sein Godzilla ist ein Meilenstein, der Anfang einer neuen Ära.

Originell neu, aber dem Original treu
Tatsächlich ist der neue Film über das Kultmonster mehr als nur ein Franchise-Reboot, weil er anders als viele Genre-Konkurrenten Geduld und Detailverliebtheit birgt. Edwards adelt das 54er Original, schenkt ihm zig Liebeserklärungen. Seine Story beginnt nicht nur in Japan, um die asiatische Herkunft zu untermalen. Er bezieht sich direkt auf den Klassiker. So trägt Ken Watanabe (Inception, Last Samurai, u.a.) z.B. im Film den Nachnamen Dr. Serizawa. So hieß auch der Wissenschaftler, der im Original den Oxygen-Zerstörer erfand und damit die Menschheit rettete. Atombombentests im Bikini-Atoll werden als Tötungsversuch enttarnt, im Jahre 1954. Dem Jahr, in dem der erste Godzilla über die Leinwand trampelte. Auch dieses Mal spielt atomare Strahlung eine große Rolle, auch wenn sie richtigerweise durch weitere Erkenntnisse und elektromagnetische Impulse ergänzt wird. 
Monster verkürzen die Wartezeit
In der ersten Hälfte des Films quält Edwards den Zuschauer liebevoll. Er nimmt sich „ungeheuer“ viel Zeit für Hintergrundinfos, Figureneinführungen und einige Überraschungen. Es dauert bis sich der Titelheld auf der Bildfläche austobt. Dafür nehmen MUTOs einen großen Platz ein, was gerade für Fans von Cloverfield eine große optische Freude sein wird. MUTO steht für „Massive Unidentified Terrestrial Organism“ und bezeichnet weitere im Film auftauchende Kaijus. Schon in Pacific Rim lernten wir, dass Kaiju japanisch ist und für fremdartige Riesenmonster steht. Im Film werden die Kreaturen, auch Godzilla, eher als Naturgewalt verstanden und so naturgemäß verhalten sie sich auch. Wenn sie auf Städte treffen, dann folgen sie einem Instinkt, der sie auch berechenbar macht. Die tierischen Handlungen sorgen für viel Authenzität. Schon der „Ausbruch“ zu Beginn ist intensiv und spannend, mehr sei aber noch nicht verraten. 
Große Namen, viel Zeit, wenig Möglichkeiten
Die Darsteller erhalten viel Screen-Time, haben aber kaum die Möglichkeit ihre Rollen zu entfalten. Das ist aber nicht wirklich schlimm. Warum? Die Hauptrolle besitzt nun mal die Natur. Umso schöner ist es, dass in jeder kleinsten Rolle Profis am Werk sind. Wenn zum Beispiel Oscar-Gewinner oder Anwärter wie Sally Hawkins (Blue Jasmine, u.a.), David Straithairn (Lincoln, u.a.) oder Juliette Binoche (Chocolat, u.a.) in Nebenrollen spielen, dann ist das eine sichere Nummer. Dazu die ohnehin charismatischen Gesichter von Bryan Cranston (Breaking Bad, u.a. und Ken Watanabe. Gut, Elizabeth Olsen geht leider etwas unter, aber Aaron Johnson (Kick Ass, u.a.) macht als menschliche Hauptfigur alles richtig. Er mimt nicht den Alleskönner und Weltenretter, sondern er ist menschlich, einfach mittendrin und beobachtet wie alle anderen das Geschehen – mit minimalem Einfluss. 
Godzilla macht jetzt auf seriös – zum Glück!
Zum Glück wird auf plumpe 90er Jahre Gags verzichtet. Es gibt auch keinen US-Präsidenten, der große Reden vorm Rest der Welt schwingt. Keine Macho-Sprüche, keine Armee-Lobeshymnen. Der neue Godzilla wird nicht auf einer Brücke erschossen, er marschiert durch sie durch. Selbst bei den biologischen und chemischen Erklärungen sowie physikalischen Gegebenheiten versucht der Film so nah wie möglich an einer eventuellen Realität zu bleiben. Das reicht hier völlig aus. Auch das große Staunen wird in Grenzen gehalten, weil die Verantwortlichen schnell wissen mit wem sie es zu tun haben und was man dagegen tun kann. Spannung wird dadurch trotzdem nicht geraubt. Die vielen Trailer leiten einen jedenfalls mehrmals in die Irre und vieles kommt anders als man denkt. Ein weiterer positiver Effekt.
Roarrrrr! Das Staunen nimmt kein Ende
So, genug gefaselt. Wie macht sich der Dicke? Er macht seine Sache großartig! Sobald Godzilla in Erscheinung tritt sorgt er für die eindrucksvollsten Momente des Films. Die Effekte sind stilsicher und bildgewaltig, auch in 3D. Die sehr düstere Optik und die rasanten Kamerafahrten sorgen für eine beklemmende, hektische Atmosphäre, die ständig Achterbahn fährt zwischen atemberaubenden Panorama-Shots und unvergleichlicher Detailtreue bei Nahaufnahmen. Der epische Score von Alexandre Desplat passt dazu wie die Faust aufs Auge. Hin und wieder wird der Sound perfekt mit Stille unterbrochen, nämlich dann wenn einem vom Anblick der Kreatur der Atem stockt. Das ist geballte Ladung Power. Das ist Godzilla. So und nicht anders muss der König der Monster gezeigt werden. 
Fazit: Godzilla ist erst Gareth Edwards‘ zweiter Kinofilm und trotzdem schon jetzt ein moderner Klassiker. Fans der alten Schule dürften ebenso Gefallen am Film finden, wie Freunde von Cloverfield oder Pacific Rim. Sehr dezente, aber gewaltige Action. Grandiose Bilder und ein toller Score belohnen den Zuschauer nach einer anfangs längeren Warterei. Großes Kino, für mich das Blockbuster-Highlight des Jahres. Schon jetzt!
 
Ich möchte meine Leidenschaft für Filme mit Euch teilen. Es gibt so viele spannende, interessante Werke, die viel zu wenig Beachtung geschenkt bekommen. Manchmal braucht ein stark kritisierter Film einen Verteidiger. Andere gehypte Filme müssen dagegen auch mal hinterfragt werden. Filme müssen Spaß machen.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>