#Horrorctober 2016 – Teil 1: Wie Danny Boyle mit 28 Days Later (2002) ein Meilenstein gelang

Zum Thema Allgemein, Home, Monster von - Oktober 04, 2016
#Horrorctober 2016 – Teil 1: Wie Danny Boyle mit 28 Days Later (2002) ein Meilenstein gelang

Eine Seuche rafft Großbritannien dahin. „28 Days Later“ erwacht Fahrradkurier Jim aus seinem Koma. Irritiert schlendert er durch das verlassene London. Noch bevor er einen klaren Gedanken fassen kann, wird er von Infizierten attackiert. Zwei Überlebende retten ihn gerade noch und versuchen anschließend gemeinsam mit Jim irgendwie am Leben zu bleiben.

 

Das menschenleere London

Die stärksten Momente besitzt der Film dann, wenn er Jim durch die leere Metropole wandern lässt. Tatsächlich wurde in London gedreht und tatsächlich wurden dafür die jeweiligen Schauplätze geräumt. Das verpasst dem Geschehen ungeheure Authentizität und eine wahrlich beklemmende Atmosphäre. Interessant ist: Die Standorte durften jeweils nur für ein paar Minuten geräumt werden. Mangels Zeit wurde also auf teures Equipment verzichtet und mit Digitalkamera gefilmt. Im Nachhinein sind die fehlende Tiefenschärfe, die harten Schnitte und die verwaschene Optik eben genau das, was 28 Days Later heute von Genre-Kollegen positiv abgrenzt.

Infiziert und nicht untot

Während 28 Days Later in den Kinos anlief, sorgten parallel dazu die ersten Fälle der tödlichen Lungenkrankheit SARS für panische Schlagzeilen. Im Film heißt das Virus „Wut“ und wird – wie SARS – durch Tröpfchen- oder Kontaktinfektion übertragen. So entstand ein ungewollt hohes Interesse am Thema. Wie der Name schon verrät, ähnelt der Filmvirus zudem einer sehr überspitzt aggressiven Form der Tollwut, durch die Menschen zu Bestien werden. Immer wieder wird „28 Days Later“ deshalb als Wiedergeburt des Zombie-Genres betitelt. Und es stimmt! Irgendwie. Zwei Jahre später sollte Zack Snyders Remake George A. Romeros „Dawn of the Dead“ den nächsten Schritt gehen. Trotzdem sind die hier beschriebenen „Monster“ eigentlich „nur“ Infizierte, die aushungern können. Sie sind weder untot, noch taumeln sie stupide durch die Gegend. Sind sind pfeilschnell und übertragen das Virus in Sekunden. Ein völlig neues Bild für den Kinozuschauer.

In the House – in a Heartbeat

Ein Glück, dass Regisseur Danny Boyle nach seinem ersten US-Kassenflop „The Beach“ weniger Mittel zu Verfügung standen. So musste aus wenig eben wieder viel gemacht werden. Wie schon bei der Optik und der Kameraführung, wurde auch beim Score von „Sunshine“-Kollege John Murphy ein eher einfacher Gitarrensound verwendet. ABER: Der Song „In the House – In a Heartbeat“, der sich nach beginnenden Klavierklängen in eine hypnotisch-rockige Abfolge von Noten und Akkorden steigert, mutierte zum totalen Wiedererkennungsmerkmal. Auf diversen Festivals verwenden Bands ihn bis heute als Intro. Selbst andere Filme, wie z.B. „Kick-Ass“ nutzten ihn und für das Sequel „28 Weeks Later“ wurde er nur leicht abgändert und als „28 Theme“ betitelt. Für das Genre ein eher untypischer Glücksgriff, der wie die Faust aufs Auge zur Stimmung des Films passt.

Eine überzeugende Zweckgemeinschaft

Durch Filme wie „Inception“, „Batman Begins“ und „The Dark Knight Rises“ gehört Cilian Murphy mittlerweile praktisch zum Stammkader von Christopher Nolan. Wer den atheistischen Iren aber in Hauptrollen glänzen sehen möchte, der sollte unbedingt „Retreat“, „Sunshine“ oder „Red Eye“ schauen. In meinen Augen wertet er jeden Film auf, weshalb ich froh bin, dass er mit „28 Days Later“ den Durchbruch schaffte. Auch die weiteren Figuren sind durchweg sympathisch und authentisch, gespielt von damals unbekannteren Darstellern wie Naomi Harris (Moneypenny in „Skyfall“), Brendan Gleeson (Großartig in „Brügge sehen…und sterben?“) oder der heute etwas düsteren Megan Burns.

Geschrieben wurde der Film übrigens von Drehbuch- und Regie Mastermind Alex Garland („Ex Machina“, „Sunshine“. u.a.), der 2017 für die Verfilmung von „Annihilation“ verantwortlich sein wird – Vorfreude! Zusammen mit Danny Boyle („Trainspotting“, „Steve Jobs“, „Slumdog Millionär“, u.a.), Komponist John Murphy und Kameramann Anthony Dod Mantle („Rush“, „Snowden“, „Trance“, u.a.) stand also schon damals ein kleines Dreamteam in den Startlöchern, das nur darauf gewartet hat einen Film wie „28 Days Later“ auf die Reise zu schicken.

Fazit

„28 Days Later“ ist beklemmend, atmosphärisch dicht und unglaublich spannend! Durch die dezenten Blutspritzer, die schnellen Schnitte und die damals neue Version des „Zombies“ zählt er für mich definitiv zu den besten seiner Art. Allein das menschenleere London ist einen Blick wert.

 

Das sagen andere Filmexperten:

Blogarama:
„Ein großartiger Film, der einen Nachfolger verdient und mit „28 Weeks Later“ auch bekommen hat.“

Die Nacht der lebenden Texte:
„28 Days Later ist ein Höhepunkt des Zombiegenres (…), in diesem Jahrtausend bislang kaum übertroffen – vielleicht nur von Zack Snyders „Dawn of the Dead“-Remake.“

Drei Cineasten:
„Konsequent bzw. düster inszeniert und stark gespielt.“

Ähnliche Filme: Dawn of the Dead (2004), World War Z (2013), [REC] (2007)

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Ich möchte meine Leidenschaft für Filme mit Euch teilen. Es gibt so viele spannende, interessante Werke, die viel zu wenig Beachtung geschenkt bekommen. Manchmal braucht ein stark kritisierter Film einen Verteidiger. Andere gehypte Filme müssen dagegen auch mal hinterfragt werden. Filme müssen Spaß machen.

2 Kommentare on "#Horrorctober 2016 – Teil 1: Wie Danny Boyle mit 28 Days Later (2002) ein Meilenstein gelang"

  • „In the House – in a Heartbeat“ ist wirklich phantastisch! John Murphy hat sich damit fast an die Spitze meiner Filmkomponisten Liste katapultiert. Besser finde ich nur noch Clint Mansell. Für den Horrorctober steht noch „The Last House on the Left“ auf meiner Liste und auch hier hat er den Soundtrack gemacht. Entsprechend gespannt bin ich. :)

    • Micha

      Der Song hat einfach einen hypnotisch-dystopischen Sog, dem ich mich nicht entziehen kann :)

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