Der Filmtipp: Locke: No Turning Back – Tom Hardys One Man Show rettet das Sommerloch

Zum Thema Filmtipps von - August 05, 2014
Der Filmtipp: Locke: No Turning Back – Tom Hardys One Man Show rettet das Sommerloch
Ein Film über einen Baustellen-Manager. 85 Minuten lang zeigt die Kamera nur ihn, wie er Auto fährt. In Echtzeit, von Birmingham nach London. Kaum Schnitte, dafür zig Telefonate. Der Inhalt von Stevens Knights Kammerspiel Locke klingt nicht gerade nach einem massentauglichen Blockbuster. Und er ist es auch nicht. Er ist viel besser.

Ivan Locke startet sein Auto, wirkt ruhig und entschlossen. In welche Richtung es geht ist noch nicht klar. Doch er erhält Anrufe, viele Anrufe, die in der ersten Hälfte des Films das Mosaik der Story nach und nach zusammenflicken. Eigentlich müsste Ivan am nächsten Morgen eine Betonlieferung empfangen, die das Fundament seines gigantischen Bauprojektes bilden soll. Doch er fährt nicht nach Hause zu seiner Familie, er fährt nach London. Er hat sich etwas in den Kopf gesetzt, dass sein ganzes Leben verändern wird.

Ich mochte Tom Hardy schon dank seiner Nebenrollen in RocknRolla, Inception oder The Dark Knight Rises. Was der Brite aber hier abliefert ist schauspielerisches Kino vom feinsten. Die neue Red-Epic-5k-Digitalkamera weicht zu keiner Zeit von seinem Gesicht, so dass der Zuschauer jedes Wimpernzucken, jeden Blick, jede Mimik dokumentiert bekommt. Hardy lässt sich davon aber nicht aus der Fassung bringen. Im Gegenteil. Seine Worte und seine Gestik bilden einen harten Kontrast, der Kampf die Nerven zu behalten ist spürbar. Die Balance zwischen Tränen unterdrücken und zweckmäßiger Euphorie zelebriert er gerade zu.Tom Hardy triumphiertNein, hier ist nichts kitschig. Steven Knight präsentiert eine Geschichte ganz nah am normalen Alltag eines normalen Menschen, der alles ist, nur nicht perfekt. Lockes Handeln und seine Motivation lassen ihn zuerst sympathisch wirken, seine Bewegründe dafür regen aber zur Moraldiskussion an. Weil es hier um diese eine Person geht ist der Titel Locke auch so gut gewählt. Der deutsche Titel No Turning Back ist dagegen einmal mehr unkreativ und spoilert in gewisser Weise – klarer Fall von Titelkrampf. Und wo wir gerade bei den negativen Aspekten sind: Was zum Teufel haben sich die Studios bei den deutschen Synchronstimmen gedacht? Außer Hardys üblicher Stimme Tobias Kluckert, empfand ich tatsächlich alle anderen als deplatziert und nervig.

© Studiocanal
Auf den ersten Blick bietet Locke natürlich kaum Abwechslung – er könnte auch als Hörspiel einwandfrei funktionieren – und es kommt auch trotz der langen Autofahrt weder zu Staus, noch zu Verfolgungsjagden oder Unfällen. Das hier ist eben kein Film mit Jason Statham (Sorry, Jason) oder transformierenden Blechbüchsen. Die Abwechslung und die Spannung passiert hier auf Gefühlsebene und im bärtigen Gesicht Hardys. Größere Preise hätten dieses Werk und vor allem sein Darsteller verdient gehabt. Denn Tom Hardys Ivan Locke kämpft mit menschlichen Fehlern und Problemen, die sich ausschließlich auf ihn und sein Umfeld auswirken. Das sind die wahren Baustellen.
Ich möchte meine Leidenschaft für Filme mit Euch teilen. Es gibt so viele spannende, interessante Werke, die viel zu wenig Beachtung geschenkt bekommen. Manchmal braucht ein stark kritisierter Film einen Verteidiger. Andere gehypte Filme müssen dagegen auch mal hinterfragt werden. Filme müssen Spaß machen.

3 Kommentare on "Der Filmtipp: Locke: No Turning Back – Tom Hardys One Man Show rettet das Sommerloch"

  • Erinnert mich vom Plakat und der Aufmachung her irgendwie ein wenig an „Drive“. Hört sich aber auf jeden Fall sehr spannend an. Nur leider läuft der hier nirgends mehr. Ich hoffe einfach mal auf nen schnellen Blu-Ray Release. 😉

  • Ich glaube, dass der schnell auf Blu-Ray erscheinen wird:) Leider war er ein sonderlicher Kinoerfolg, was bestimmt auch der Machart geschuldet ist. Für mich aber ein guter Film, der mehr Aufmerksamkeit fern der Festivals verdient hätte. LG

  • Also ich kann mich euren Meinungen nicht anschließen… Thematisch hat sich der Film nicht nur im Kreis gedreht, sondern überhaupt keine neuen Erkenntnisse mit der letzten Szene von Tom Hardy liefern können… Ich fand, das „No Turning Back – Locke“ ein unglaubliches Vakuum war, teilweise hat er meiner Meinung nach regelrecht zum einschlafen eingeladen…

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