Der Filmtipp: OMG! „Gladiator“ Noah macht auf Mittelerde

Zum Thema Filmtipps von - April 06, 2014

Ein Schiff, das untergeht. Ein Film der Schiffbruch erleidet. Alle sitzen in einem Boot. So, die typischen Wortwitze kommen nicht mehr dran, versprochen. Trotzdem muss ich zugeben, sie passen. Mal zur Arche, mal zum Film. Warum? Darren Aronofskys Interpretation von Noah ist umstritten. Vor allem aber ist der neue Film mit Russell Crowe enttäuschend.

Aronofsky ist ein Wunderkind. Ein Jude, der sich als Atheist bezeichnet und ein uneheliches Kind mit Rachel Weisz hat. Und doch liegt ihm die christlich geprägte Welt Amerikas zu Füßen. Bis jetzt war das jedenfalls so. Seinen Oscar-Erfolgen The Wrestler, Black Swan und The Fighter ist es zu verdanken, dass die Paramount Studios ihm 130 Millionen Dollar Budget anvertrauten, um ein Genre aus den Gräbern zu schaufeln, dass lange Zeit in Vergessenheit blieb. Okay, dass die Serie The Bible pro Folge bis zu elf Millionen Zuschauer in den USA hatte, dürfte auch ein Grund gewesen sein.

Mit Bibelfilmen verhält es ich ein bisschen wie mit Wetten, dass…?. Es steht schon vorher fest, dass es nicht jedem gefallen wird. Aronofsky schießt aber den Vogel ab. In Pakistan, Bahrain, Katar, VAE, Malaysia und Indonesien ist der Film entweder zensiert oder verboten worden. Warum? Noah ist eine völlige Eigeninterpretation mit Fantasy-Stoffen, die im bekanntesten Beststeller der Welt keine Erwähnung fanden. Auch in evangelischen Kreisen wurde Kritik laut, obwohl die Macher schon vorher  „warnten“, der Film nehme sich den biblischen Hintergrund nur als Vorlage. 

Noah ist düster, kein Witz 

Zum Film: Noah wird von Träumen geplagt, durch die er glaubt, der Schöpfer habe zu ihm gesprochen. Zusammen mit seiner Frau Nameeh und seinen drei Söhnen Ham, Shem und Japhet macht er sich auf in die Berge, wo er mit Hilfe seines Großvaters Methusalem erkennt, dass die Welt untergehen wird und er auserwählt wurde eine Arche zu bauen, um den Tierbestand zu retten. Von Beginn an wirken die eindrucksvollen Landschaftsaufnahmen apokalyptisch. Viel Gestein, ödes Land und graue Tage drücken die Stimmung und erzeugen das Gefühl, der Untergang hätte längst stattgefunden. Gedreht wurde übrigens ins Mexiko, Island und den USA.


Der Mensch ist schlecht, die Darsteller auch
 

Russell Crowes Mimik ist dabei sehr facettenreich. Mal finster, mal düster – hin und wieder traurig. Spaß beiseite, auch wenn der Film dunkel und humorlos sein soll. Der Hauptdarsteller spielt überzeichnet und leer. Seine Mitstreiter können das leider nicht besser. Generell wird das Bild des Menschen als sehr schlecht und falsch vermittelt. Aronofsky, selbst bekennender Umwelt- und Tierschützer, wird nicht müde den Weltuntergang mit den Sünden der Menschen zu begründen. Noahs Wiedersacher Tubal-Kain (Ray Winstone), der optisch an Mickey Rourke in The Wrestler erinnert, versinkt im Stereotyp eines Bösewichts und alle seine Gefolgsleute bleiben gesichtslose Irre, die außer Panik und Gewalt nichts ausstrahlen. 

Miese Tricktechnik, dafür aber in 3D 

Viel zu sehr versucht Noah durch Bildgewalt und Optik zu überzeugen. Doch die dargestellten Tiere sehen teilweise billig und laienhaft aus und nehmen der Sache ihre Authenzität. Der einzige Moment, in dem die Effekte gefallen, ist der Moment, in dem Noah die Schöpfungsgeschichte erzählt. Dort darf sich Andrew Weisblum schnitttechnisch mal austoben. Matthew Libatiques Kamerafahrten erinnern an den Der Herr der Ringe. Diesen Vergleich kann Aronofsky nicht abstreiten, bei all dem Fantasykino. Da gibt es mystische Tiere, leuchtende Finger, seltsame Schwangerschaftstests. Anthony Hopkins‘ Methusalem wirkt wie der charismatische Großvater Gandalfs. Das wird nur noch gekrönt durch die von Gott auf die Erde verbannten Nephilim, die in Gestalt riesiger Steinwesen Noah beim Bau und der Verteidigung der Arche helfen. War es Absicht für diesen Unsinn Hermine (Emma Watson) und Percy Jackson (Logan Lerman) mit an Bord zu holen?

Wir sprechen hier von einem fiktionalen Beitrag und keiner bibeltreuen Nacherzählung. Das finde ich persönlich gar nicht mal so schlimm. Mut steht aber nicht automatisch auch für Qualität. Die Inszenierung ist einfach nervig, Darren Aronofsky rudert hier stark rückwärts. Mist, doch noch ein Wortspiel gefunden.
Fazit: Der schwarze Schwan war Aronofskys Karriereschub, Noah ist sein hässliches Entlein. Es ist nicht die freie Interpretation einer Bibelgeschichte, sondern die leblose Art und Weise. Russell Crowe, Emma Watson & Co spielen halbherzig und die Effekte wirken unausgereift und gleichzeitig altbacken. Dazu gesellt sich eine Erzählweise, die an Michael Bay erinnert. Tiefe besitzt hier nur der Meerespegel.
Ich möchte meine Leidenschaft für Filme mit Euch teilen. Es gibt so viele spannende, interessante Werke, die viel zu wenig Beachtung geschenkt bekommen. Manchmal braucht ein stark kritisierter Film einen Verteidiger. Andere gehypte Filme müssen dagegen auch mal hinterfragt werden. Filme müssen Spaß machen.

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