Der Filmtipp: The Frankenstein Theory – Es lebt! Theoretisch.

Zum Thema Filmtipps, FoundFootage, Monster von - Juli 10, 2014
Der Filmtipp: The Frankenstein Theory – Es lebt! Theoretisch.

Wir schreiben das Jahr 1818. Die Londoner Autorin Mary Shelly veröffentlicht ihren Roman Frankenstein oder Der moderne Prometheus. Die Geschichte stieg zum Klassiker auf und weckt noch heute Interessen. Was aber wäre, wenn ihr Roman nur eine Maske wäre? Für ein Ereignis, das auf Tatsachen beruht?

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Keine Angst, ich propagiere hier keinen Verschwörungsverdacht. Jonathan Venkenhein (Chris Lemche) dagegen, der ist von dieser Geschichte überzeugt. Der wirre Elite-Student ist wie besessen von seiner These. In The Frankenstein Theory heuert er ein Kamerateam an, um zu beweisen, dass Frankensteins Kreatur wirklich existiert und noch heute lebt.

Seine Theorie: Es wurde ein menschenähnliches Wesen mit Sozialverhalten erschaffen, dass aufgrund seines Aussehens von der Menscheit verstoßen wurde. Aus Verachtung und der teils tierischen DNA – daher das lange Überleben – folge es tierischen Instinkten, verfolge Karibuherden durchs Land, lebe in Einsamkeit und sei verantwortlich für jede Menge ungeklärte Morde und Verschwinden im verlassenen Norden Kanadas.

Pseudo-Pseudo-Doku

Von der Mord-These erfährt das Kamerateam allerdings erst während der Tour. Die sympathisch verkörperten Filmer, die Venkenhein ohnehin nicht für ganz dicht halten, werden nervöser je tiefer es in die Wildnis geht und je lauter die Wölfe nachts heulen. Für einen Handkamerafilm nimmt sich Regie-Debütant Andrew Weiner übrigens sehr viel Zeit für tolle Landschaftsbilder. Generell sind die Aufnahmen nur selten verwackelt, dagegen meist gut positioniert. Für Found Footage ein bisschen zu gut – was den Allgemeinzuschauer aber eher erfreuen wird.Wo der Mockumentary-Flair dann völlig verfliegt sind die Momente, in denen urplötzlich Panorama-Shots und Zeitraffer abgespult werden. Wunderschön, aber echt unnötig, zumal Weiner im Interview mit Deadline mal sagte, er habe bewusst auf bekannte Darsteller verzichtet, „…weil das für die Glaubwürdigkeit des Films sehr kontraproduktiv gewesen wäre. Wenn man einen Film dreht, der vorgibt, die Realität zu zeigen, dann kann man dafür keine bekannten Schauspieler besetzen.“ Aber Aufnahmen von irgendwo sind dann okay? Nun ja.
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Horrorfans sollten sich ohnehin damit abfinden, dass dieser Film keine Achterbahn an Action und Blutschlachten ist. Er nimmt sich sehr viel Zeit für die These, für die Einführung der Charaktere und vor allem für die Natur. Ein weiteres Problem ist, dass der Betrachter zu schnell gezwungen wird, die Theorie als wahr zu entlarven. Es wäre schöner gewesen Venkenheins skurrile Art verdächtiger erscheinen zu lassen. Der Spannungsbogen ist hier bestenfalls linear. Das klingt jetzt alles furchtbar schlecht. Ist es aber irgendwie nicht. Die Figurenzeichnung ist teils stereotypisch, aber auch sympathisch. Die Schnitte, die Dialoge, die Landschaften. Zusammen mit der eigentlich nett inszenierten Frankenstein-Theorie bilden sie ein Filmchen, dem ich trotzdem gerne gefolgt bin.

By the way, so frei erfunden ist Shellys Geschichte nun auch nicht. In der Burg Frankenstein bei Darmstadt gab es einen Alchemist namens Johann Konrad Dippel. Dieser experimentierte gerne, jagte dabei versehentlich Türme in die Luft. Und glaubt man dem Bürgertratsch von damals erschuf er eine Kreatur, die heimlich Kinder und Frauen in den Wäldern killte. Märchenfreund Jacob Grimm bekam Wind davon und berichtete es Mary Jane Clairmont, seiner Englisch-Übersetzerin und – jetzt kommt‘s – Stiefmutter von Mary Shelley. Diese änderte den Namen dann um in Frankenstein.
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Mit dieser netten Nebeninfo im Hinterkopf und einer Prise Toleranz gegenüber Found Footage Filmen muss ich sagen, dass mich die Low Budget Produktion gut unterhalten hat. Das Ende ist zwar etwas enttäuschend, aber wenigstens nicht peinlich. Und klar gibt es ein paar Logiklücken. Die sind meiner Meinung nach aber noch im grünen Bereich. Ob es denn nun die Kreatur war oder ein Yeti oder Bigfoot oder einfach nur ein riesiger Irrer – das überlasse ich Eurer Fantasie.


Ich möchte meine Leidenschaft für Filme mit Euch teilen. Es gibt so viele spannende, interessante Werke, die viel zu wenig Beachtung geschenkt bekommen. Manchmal braucht ein stark kritisierter Film einen Verteidiger. Andere gehypte Filme müssen dagegen auch mal hinterfragt werden. Filme müssen Spaß machen.

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