Der Filmtipp: Transcendence – Wie Johnny Depp sich hochlädt und tief fällt

Zum Thema Filmtipps von - April 26, 2014

Wovon handelt eigentlich Transcendence? Kurz und knapp: Es geht um technologische Singularität und die komplexe Arbeit an einem Supercomputer, der das gesamte Wissen der Welt mit dem vollen Gefühls- und Emotionsspektrum eines Menschen in sich aufnimmt. Dies gelingt im Film durch die Vernetzung eines lebenden Gehirns mit der Festplatte eines Rechners. Erinnerungen und Bewusstsein werden als Datenträger abgespeichert. Daraus entsteht ein vermeintlich fühlendes Programm, welches über einen Pixel-Avatar mit der Außenwelt kommuniziert. Es strebt nach Weiterentwicklung und praktischer Ausschöpfung seines Potenzials, weshalb es an das Internet angeschlossen werden will.

„Klar soweit?“ 
Okay, Standbildpause. Johnny Depp und Rebecca Hall spielen das Wissenschaftlerpärchen Will und Evelyn Caster, das sich mit dem oben genannten Gebiet befasst. Nach einer Konferenz verübt eine technikfeindliche Untergrundorganisation Anschläge auf sämtliche Wissenschaftler, die sich mit künstlicher Intelligenz befassen. Will wird verseucht und liegt im Sterben. Um seine Arbeit zu vervollständigen und seine Seele nicht ganz zu verlieren beschließt Evelyn zusammen mit ihrem gemeinsamen Freund Max (Paul Bettany) sein Hirn mit einem Supercomputer zu vernetzen. Dieser Computer speichert alle Informationen ab, kurz darauf stirbt Will. 
Doch dann der Durchbruch. Will kehrt als Programm mit Avatar, Stimme und Erinnerungsvermögen zurück auf den Bildschirm des Rechners. Er saugt sämtliches Wissen der Welt auf und plant den Anschluss ans Internet, um sein Wissen anzuwenden. Während Evelyn glaubt den Geist und die Seele ihre toten Mannes gerettet zu haben, fangen Computerspezialist Tagger (Morgan Freeman), FBI-Agent Buchanan (Cilian Murphy) und Max an zu zweifeln. Und sie sollten Recht behalten. Helfen können vielleicht nur Bree (Kate Mara) und ihre Technikgegner – die Mörder von Will. 
Wo Wikipedia nicht mehr ausreicht

Die Idee der Geschichte ist schwere Kost, aber trotzdem sehr interessant. Leider kann man als Ottonormalverbraucher nie wirklich nachvollziehen, wie realistisch oder wie unlogisch die Handlung gestrickt ist. Wills Möglichkeiten werden erst einmal hingenommen und die zugegeben beeindruckenden Bilder lenken hin und wieder vom Zweifeln ab. Auf technischer Ebene bin ich also ehrlich und konsumiere einfach. Was mir aber nicht gefällt sind die Charakterzeichnungen. Johnny Depp, endlich mal wieder in einer „normalen“ Rolle, sticht allein durch sein Können und sein Charisma dabei heraus. Vor allem als Pixel-Face wirkt er.

Alle anderen Darsteller bleiben farblos. Während es Rebecca Hall noch ansatzweise gelingt Emotion und eine verzweifelte Liebe auf die Leinwand zu übertragen, sind die Beweggründe von Bree und ihrer Organisation in ein, zwei Sätzen abgehandelt. Und für mich damit ungeklärt oder zumindest nicht ausreichend dargestellt. Paul Bettanys Figur, dessen Beziehung zum Paar oder sein innerer Zwiespalt hätten gerne intensiver beleuchtet werden können und was Morgan Freeman und Cilian Murphy angeht – ihre Charaktere hätte man sich sogar komplett sparen können.
Still & steril & trotzdem zuviel
Wer einen Actionkracher erwartet, der irrt. Transcendenceist kein zweiter Inception, obgleich bekannte Gesichter dabei sind und Regisseur Wally Pfister damals als Kamermann mitwirkte. Doch eben die fehlende Tiefe lässt einen Vergleich mit Christopher Nolans Werk nicht zu. Stattdessen gibt es viel ruhige Momente, langgezogene Szenen und Panorama-Aufnahmen. Sterile Atmosphäre statt SciFi-Abenteuer oder Weltuntergang. Ohne Frage besitzt der Streifen einen futuristischen Glanz mit netten Effekten. Das völlig überladene Finale aber strapaziert Nerven und Hirn – nicht jeder kann sich schließlich den Luxus leisten diese auf Festplatte zu speichern.
Fazit: Transcendence vermeidet das, was Dr. Will Caster als Computerprogramm tat: Potenzial ausschöpfen. Die interessante Geschichte ist zu schwierig um beiläufig erzählt zu werden und zu den Figuren wird zu wenig Nähe entwickelt. So bleibt am Ende ein Film, der optisch ganz nett und auch spannend ist, aber am Ziel weit vorbei schießt. Trotzdem macht er nachdenklich und hinterlässt Eindruck. Für mich aber eine Enttäuschung, denn ich hatte nicht einen „Kann-man-mal-gucken“-Movie erwartet, sondern ein Jahreshighlight.
 
Ich möchte meine Leidenschaft für Filme mit Euch teilen. Es gibt so viele spannende, interessante Werke, die viel zu wenig Beachtung geschenkt bekommen. Manchmal braucht ein stark kritisierter Film einen Verteidiger. Andere gehypte Filme müssen dagegen auch mal hinterfragt werden. Filme müssen Spaß machen.

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