Unsterblich: Jurassic Park – oder: Als die Dinosaurier die Kinos beherrschten

Zum Thema Allgemein, Filmtipps, Monster, Unsterblich von - Juni 07, 2015
Unsterblich: Jurassic Park – oder: Als die Dinosaurier die Kinos beherrschten

1993 schuf Steven Spielberg ein neues Filmuniversum und traf damit Millionen Nerven weltweit. Er eröffnete den Jurassic Park und feierte damit den erfolgreichsten Kinofilm aller Zeiten – jedenfalls bis James Cameron die Titanic versenkte und blaue Männchen malte. Michael Crichtons Roman Dinopark lieferte die Vorlage und regte damit die Fantasie von Groß und Klein an.

Wissenschaftliche Aspekte der Dinosaurierforschung waren plötzlich ebenso massentauglich, wie der Lego-T-Rex. Und dann waren da noch die Effekte…

Worum geht es eigentlich? Es würde den Rahmen sprengen hier ins Detail zu gehen, daher versuche ich mich kurzzufassen. John Hammond, CEO der Gentechnologie-Firma InGen, hat auf einer Insel vor der Küste Costa Ricas einen geheimen Park aufgebaut. Die Investoren sind aufgrund einiger Vorfälle vor Ort besorgt, so sieht sich Hammond gezwungen den Park von unabhängigen Experten absegnen zu lassen. Er lädt Dr. Alan Grant, Dr. Ellie Sattler und Dr. Ian Malcolm ein, während sich im Hintergrund ein Saboteur an die Arbeit macht.

Das Leben findet einen Weg.
Auch wenn nicht jeder versteht, wieso.

Zugegeben: Wenn sowohl im Buch als auch im Film von DNA-Fragmenten, Genforschung oder der Chaostheorie gesprochen wird, dann ist nicht immer alles völlig logisch und nachvollziehbar. Und doch räumt Spielberg der Wissenschaft unglaublich viel Screentime ein, was im Buch zwar noch viel stärker zur Geltung kommt, aber dem Film – in dieser Dosis – trotzdem sehr gut tut. Das Gefühl von Fiktion gerät stärker in den Hintergrund. Jurassic Park spricht dadurch eine noch größere Breite von Menschen an – Dino-Fans, Bio-Fans, Mathe-Fans, Action-, Horror-, Fantasyfans und viele mehr.

Wer sich also von der Story einsaugen und berieseln lässt, der kommt aus dem Staunen nicht mehr raus. Die Stärke steckt hier im Detail. Jeder Wagen, jede Hütte, jeder Zaun – alles wurde durchdacht wie ein echtes Corporate Design. Unzählige, authentische Locations schaffen eine Odyssee, wie in einem Videospiel – von der weiten Wiese über das Brutlabor bis zur Küche. Es wird über ein Blatt diskutiert, das ausgestorben sein müsste. Wir hören uns Grants Vogeltheorie ebenso an, wie Malcolms Regentropfen-Tricks, grübeln mit Sattler was die Krankheit des Triceratops verursachen könnte usw. usw. usw.

„Der Mangel an Demut vor der Natur,
der hier offen gezeigt wird…erschüttert mich!“

Was in dem Film ganz besonders deutlich wird ist die warnende Botschaft. Selbst die modernste Technik kann nicht vermeiden, dass die Natur sich rächt, wenn wir an ihren Gesetzen herumspielen. Schon im Buch werden immer wieder die Gefahren des Fortschritts angesprochen, sei es durch Wissenschaft, die ihre Unabhängigkeit aus Existenzängsten aufgibt. Sei es die Chaostheorie, Industriespionage und simple Berechnungs- und Kalkulationsfehler von Computern. Für einen Familien-Blockbuster mit Tierhorror-Elementen sehr mutig und sehr richtig.

Und dann sind da diese visuellen Effekte, die 1993 revolutionär waren. Waren? Nein! Bis heute ist die Mischung aus animatronischer Technik und CGI, wie sie in Jurassic Park angewandt wurde, ein Meilenstein. Kein Vergleich zu den heutigen 3D-Versuchen und dem häufig nervigem Effekte-Overkill. In vielen Augen wirken die Raptoren von 1993 noch heute realistischer und echter als jeder Avatar und Transformer, wenn ihr versteht, was ich meine. Wenn der T-Rex aus dem Zaun bricht, dann ist das noch immer eine verdammt gute Szene. Wie überwältigend muss das erst 1993 gewirkt haben? Übrigens: Einige der Zuständigen haben später mit Twister, Der Sturm und Avatar abermals für optische Wow-Effekte gesorgt.

Die Figuren wirken gegen die Wucht der Echsen natürlich etwas blass – und doch wird fast jedem Charakter seine Zeit geboten. Schlecht schauspielern tut hier im Prinzip gar keiner – gerade Sam Neil (kommt wieder in Teil 3) und Jeff Goldblum (kommt wieder in Teil 2) sind für viele Filmfreunde noch heute die Jungs vom Jurassic Park. „Das Leben findet einen Weg“, „Das ist ja ein riesen Haufen Scheiße“, „Ich habe keine Kosten gescheut“ – ich könnte ewig so weitermachen. Es gibt unzählige Momente und Sprüche, die ihren Platz in der Filmgeschichte verdientermaßen eingenommen haben.

Erwähnenswert wäre noch der geniale Soundtrack, welcher noch immer Kindheitserinnerungen in mir wachruft. Komponist John Williams hat bereits Filme wie Star Wars, Der Weiße Hai oder Indiana Jones unsterblich vertont. Auch die Melodien zu Jurassic Park gehören zum Allgemeinwissen der Filmkunst. Steven Spielberg liebte diese Geschichte, das spürt man einfach. Er engagiert für die Rolle von John Hammond Richard Attenborough, der zu dieser Zeit seit elf Jahren in keinen Film mehr mitspielte. Spielberg mochte ihn aber, also… Auch die Radio-Stimme, die auf der Tour von den Dinos erzählt, ist im Film, wie im wahren Leben die Stimme des Schauspielers Richard Kiley.

Diese ganze Verspieltheit und die Kreation dieser unfassbar einzigartigen Welten erinnern mich an Tolkien oder Star Wars, nur eben im „Heute“. Es ist beinahe keine Überraschung, dass ausgerechnet George Lucas die Nachbearbeitung des Films übernahm (Spielberg hat nach Drehschluss sofort mit Schindlers Liste begonnen). Selbst ein gestandener Regisseur wie Peter Jackson, der nach der Herr der Ringe-Trilogie alles gedurft hätte, vermied es in King Kong (immerhin 12 Jahre später) die Saurier zu sehr an Jurassic Park anzugleichen und kreierte lieber Echsen, die es so gar nicht gab.

Daran erkennen wir, was Spielberg damals lostrat. Er fing unsere Faszination perfekt ein, furchteinflößenden, aber auch bewundernswerten (weil ausgestorbenen) Wesen zu begegnen. Keine Aliens, sondern die Wesen, die vor uns die dominante Spezies auf unserer Erde waren. Und als Krönung fütterte er uns mit haptischem Merchandise bis ins Unermessliche – von Spielzeug, über Klamotten bishin zu Autos, Büchern und Kostümen.

Fazit

Jurassic Park hat alles! Visionäre Effekte, eine gelungene Umsetzung eines sehr guten Buches, durchweg sympathische Figuren gespielt von klasse Darstellern, einen Score mit Wiedererkennungswert, fantastische Aufnahmen und Kamerafahrten, Action, Spannung, Witz uuund: Samuel L. Jackson. Was will man mehr? Für mich persönlich DER Film meiner Jugend und ein zeitloses Meisterwerk.

Die Jungs vom Entertainment Blog sind übrigens ebenso verrückt nach Dinosauriern wie ich. Jurassic World startet am 11. Juni endlich in den deutschen Kinos und aus diesem Anlass haben wir uns zusammen die Trilogie noch einmal angeschaut und liefern Euch jetzt jeweils unsere Filmkritiken dazu. Als Gastautor werde ich meine Meinung zu Jurassic Park III auf ihrer Seite zum besten geben. Also haltet die Augen offen, es gibt endlich wieder Reviews in den kommenden Tagen. Das Leben findet einen Weg! :)

Ich möchte meine Leidenschaft für Filme mit Euch teilen. Es gibt so viele spannende, interessante Werke, die viel zu wenig Beachtung geschenkt bekommen. Manchmal braucht ein stark kritisierter Film einen Verteidiger. Andere gehypte Filme müssen dagegen auch mal hinterfragt werden. Filme müssen Spaß machen.

Trackbacks

  • Trackback: Jurassic Park 3: Kurze Story, schwache StoryDer Filmtipp
    Juni 9, 2015

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