Der Filmtipp: Grand Budapest Hotel – bunt, schrill, bilderbuchmäßig

Zum Thema Filmtipps, Home von - Dezember 10, 2014
Der Filmtipp: Grand Budapest Hotel – bunt, schrill, bilderbuchmäßig
Endlich habe ich es geschafft mir Grand Budapest Hotelanzusehen, einer der wohl meistgelobten Filmperlen des Jahres. Regisseur und Drehbuchautor Wes Anderson (Darjeeling Limited, Moonrise Kingdom, u.a.) konnte mich mit seinen Vorgängerwerken nie wirklich begeistern, doch Spielfilm Nummer 8 ist das gelungen. Und wie. Freunde von Adam Sandler und Kevin James dürften bei dem Wort Komödie allerdings enttäuscht bis schwer kulturgeschockt sein.
Worum geht es überhaupt: Der beliebte und gebildete Concierge Gustave arbeitet und lebt im Grand Budapest Hotel und widmet seiner Berufung jeden Augenblick, vor allem nächtlichen Bedürfnissen alter Damen. Mit Zero Moustafa bekommt er einen jungen, ehrgeizigen Lobby Boy an seine Seite gestellt, der ihm treu ergeben ist. Als die betagte Stammkundin Madame D. stirbt, bricht ein Erbstreit mit ihrer Familie aus, der Gustave und Zero in ein Abenteuer stürzt, dass beide zusammen schweißt, während im geschichtlichen Hintergrund der Weltkrieg vorsichtig an die Türen des Hotels klopft.
Ich so: „Cool, Edward Norton! Jeff Goldblum! Und Bill Murray! Und…! Und…!“ 
Regisseur Wes Anderson ist offenbar kein wählerischer Mann und glücklicherweise niemand, der ausschließlich aktuelle Namen in seine Filme lockt. Beispiel: Owen Wilson, Adrien Brody, Bill Murray, Edward Norton, Tilda Swinton, Harvey Keitel, Willem Dafoe, Jeff Goldblum, Jason Schwartzman – alle diese Darsteller haben in mindestens einem seiner Werke bereits mitgespielt. Die meisten von ihnen in deutlich mehr Anderson-Filmen. Trotzdem hat er es geschafft weitere „Promis“ wie Jude Law, Bond-Girl Léa Seydoux, Tom Wilkinson und Saoirse Ronan zu verpflichten. Die Anderson-Crew ist ein eingespieltes Team, was übrigens bis zur Musik reicht. Godzilla-Komponist Alexandre Desplat gehört ebenfalls dazu.
© 20th Century Fox
Es ist Hauptdarsteller und Anderson-Neuling Ralph Fiennes (Roter Drache, Skyfall, Harry Potter, u.a.), der die Geschichte trägt. Ich bin heilfroh, dass es mal nicht Johnny Depp (der angeblich absagte) war, dem die Ehre einer solchen Rolle zuteilwurde. Fiennes spielt mit einer solch spürbaren Freude sein intensives Theater-Overacting, dass sich der Film alleine dafür lohnt. Charmant, sympathisch und absolut skurril. Sein Gegenüber, Tony Revolori, muss sich allerdings nicht verstecken. Seine Ruhe, seine Vernunft, seine Hingabe sind der absolut passende Kontrast zu Fiennes Darbietung. Ein durchgeknalltes Dreamteam von ganz großer Klasse.
Es ist die gesamte Machart, die Grand Budapest Hotel so besonders erscheinen lässt. Die Liebe steckt hier eindeutig im Detail. So wurden die im Film erwähnten Gemälde, Jüngling mit Apfel (Michael Taylor) und Two Lesbians Masturbating (Rich Pellegrino), extra angefertigt. Die Ski-Verfolgungsjagd ist eine Liebeserklärung an Roman Polanskis Tanz der Vampire und so ziemlich jede Location besitzt originale Vorlagen, wie zum Beispiel das Palace Hotel in Karlsbad, das dem Grand Budapest Hotel zum Verwechseln ähnlich sieht. Überall kleine, chaotische Spielereien, sei es der aus Wikipedia-Artikeln zusammengekleisterte Todesartikel in der Zeitung, Bill Murrays Name „M. Ivan“, was auf Ungarisch so viel heißt wie „Was ist?“, oder die Kameraschwenks, die fast ausnahmslos im 90°-Winkel gedreht wurden.
© 20th Century Fox
Die Alpenregion Zubrowska, in der Grand Budapest Hotel spielt, gibt es übrigens gar nicht. Trotzdem ist das Werk eine britisch-deutsche Mixtur erster Güte. Entstanden ist der Film in Koproduktion zwischen Grand Budapest Limited und der Neunzehnten Babelsberg Film GmbH, die visuellen Effekte stammen von den Stuttgarter LUXX Studios. Als Kulissen dienten zahlreiche Gebäude und Landschaften rund um Deutschland, zum Beispiel das Warenhaus und die Stadthalle von Görlitz, oder weitere Settings in Zwickau oder Dresden. Premiere feierte der Film auf den Filmfestspielen in Berlin 2014, wo er mit dem Silbernen Bären/Großen Preis der Jury ausgezeichnet wurde.
Fazit:
Das Grand Budapest Hotel ist eine bunte Bonbon-Packung, mit charmanter Theatralik und fantastischer Bühnenoptik. Der Film wirkt wie eine sorgfältige Buchverfilmung, besitzt allerdings nichts von einer solch schweren Last. Den Spaß beim Dreh merkt man den Schauspielern deutlich an. Tipp: Mit seiner märchenhaften Erzählweise passt der Film wunderbar in die Weihnachtszeit.
Ich habe Grand Budapest Hotel in vier Kategorien für den #DerFilmtippAward2014 vorgeschlagen:
Ralph Fiennes für die beste Hauptrolle
Tony Revolori als besten Newcomer
Die Kostüme von Milena Canonero
Wes Anderson für das beste Drehbuch
Ich möchte meine Leidenschaft für Filme mit Euch teilen. Es gibt so viele spannende, interessante Werke, die viel zu wenig Beachtung geschenkt bekommen. Manchmal braucht ein stark kritisierter Film einen Verteidiger. Andere gehypte Filme müssen dagegen auch mal hinterfragt werden. Filme müssen Spaß machen.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>