Der Filmtipp: Interstellar – ein Kino-Klassiker, ein Meisterwerk!

Zum Thema Endzeit, Filmtipps von - November 08, 2014
Der Filmtipp: Interstellar – ein Kino-Klassiker, ein Meisterwerk!

Christopher Nolan ist für mich ein Meister seines Gebiets, der vielleicht beste Geschichtenerzähler Hollywoods. Etwa zwei Jahre habe ich auf seinen neuen Film Interstellar gewartet, immer mit der Vorfreude, dass es ein neues Meisterwerk geben würde. Und ich sollte Recht behalten, denn was der Batman-Reanimateur mit diesem Weltraumdrama geschaffen hat wird noch lange und weit über die Genre-Grenzen hinaus seinesgleichen suchen.

Worum es geht: Zeitgenössische Zukunft. Klimawandel und Ressourcenknappheit lassen die Zeit der Menschheit auf der Erde ablaufen. Wissenschaftler werden nicht mehr gebraucht und doch startet ein kleiner Rest der NASA den letzten Versuch die menschliche Rasse zu retten. Ein entdecktes Wurmloch in unserem Sonnensystem soll eine Gruppe von Wissenschaftlern in unbekannte Dimensionen und Galaxien befördern, um den geeigneten Planeten zu finden. Ihre Reise durch Raum und Zeit fordert Opfer und Mut und vor allem Verstand, denn jeder Schritt ist ein Schritt ins Unbekannte.
„Die Menschheit wurde auf der Erde geboren – sie war nie dazu bestimmt, hier zu sterben.“
Ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass Interstellar kein gewöhnlicher Blockbuster ist. Er ist schwierig, macht nachdenklich und fordert Fantasie. Schauspielerin Mackenzie Foy bekam deshalb z.B. nur den Teil des Skripts, in dem ihre Figur auftritt zu lesen. Astrophysiker und Wurmloch-Spezialist Kip Thorne lieferte bereits 2006 die Vorlage, die erst Stephen Spielberg interessierte, dann aber an Christopher Nolan und seinen Bruder Jonathan wanderte. Dieser belegte sogar ein Studium der Relativitätstheorie um zusammen mit Kip Thorne ein Drehbuch zu entwickeln, das Christopher leinwandgerecht inszenieren konnte.
© Warner Bros
„Alles was passieren kann, wird passieren!“
Die magische Erzählkraft schien auch auf die Filmstudios einzuwirken, schließlich ist es nicht normal, dass Paramount und Warner für solch ein Werk zusammen kooperierten. Nolan dürften die rund 165 Millionen Dollar Budget sichtlich gefreut haben. Seine Aufgabe war nun das Massenpublikum dafür zu begeistern. Ich selbst habe mal gelesen, dass eine Reise durch ein schwarzes Loch uns zerdrücken würde. Nolan und Co liefern Antworten auf die Masse negativer Energie, die man dafür benötigen würde. Gravitation spielt eine Rolle, aber ganz ehrlich? Alles verstanden habe ich nach einmal gucken noch nicht. Trotzdem versucht der Film auch für Laien Erklärungen zu liefern. Man sollte Interstellar vielleicht nicht nachts oder nach 8 Stunden Werktag schauen.
„Wenn du irgendwo hin willst, musst du auch immer etwas zurück lassen.“
In der Hauptrolle gefällt Matthew McConaughey als „Farmer“ Cooper, der trotz großer Liebe zu seinen Kindern die schwierige Bürde auf sich nimmt sie auf einem sterbenden Planeten zurückzulassen. Mit dem zweifelhaften Versprechen zurückzukehren. Die emotionale Tiefe, die sich zwischen Cooper und seiner Tochter Murph aufstaut wird erst mit Ende des Films sinnvoll entfaltet. Es ist generell eine Meisterleistung der Erzähler die Liebe so in diese komplexe Geschichte einzustreuen, dass sie nicht kitschig daher kommt. Vielmehr wird deutlich, dass Magie und Macht der Liebe wissenschaftlich unterschätzt werden. Es gibt nicht wenige Momente in denen sich Gefühlswelt und Emotionen im Kampf mit logischen Instinkten befinden.
„Ich reflektiere die Welt, in der wir leben, und die sich daraus ergebende Grundstimmung fließt unmittelbar in die Filme mit ein. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist diese Stimmung ziemlich apokalyptisch gefärbt.“ (Christoper Nolan, cinema-Interview)

 


Anne Hathaways (Les Miserables, The Dark Knight Rises, u.a.) Figur Dr. Brand bekommt für meinen Geschmack etwas zu wenig Screentime und Tiefe, trotzdem fügt sie sich perfekt ins Kollektiv ein.
Die beste Figur neben McConaughey machen Jessica Chastain (Zero Dark Thirty, The Help, u.a.) und Mackenzie Foy (Breaking Dawn, Conjuring, u.a.) als Coopers Tochter Murph in verschiedenen Zeitsprüngen. Und auch wenn Nebendarsteller wie Matt Damon (Elysium, Die Bourne Identität, u.a.) und Michael Caine (Prestige, The Dark Knight, u.a.) das Weltstarensemble gekonnt komplettieren, die heimlichen Lieblinge der Zuschauer sind zwei dreifüßige Roboter namens Case und TARS. Ihre Sprüche lockern auf, sorgen für Schmunzler. Das ist meiner Meinung nach nicht nur kompatibler für Massen, sondern so wichtig wie das Pausenbrot im Mathestudium.
„Wir finden einen Weg. Wir haben immer einen gefunden.“
Der Film hat endlos viele starke Momente. Im Gedächtnis ist mir die Anti-Forschungsdrang-Propaganda („Wir waren nie auf dem Mond“) geblieben, die kreativen Schülern eingeflößt wird, um die Kapazität der Farmer-Industrie zu stärken. Oder eine Szene in der McConaughey die Unterhosengröße seines Kollegen in Relation zu einer Zahl stellt, die das Bestehen der Menschheit entscheidet. Wahnsinnig gute Dialoge und Ideen und – das ist klar – jede Menge Raum für Interpretation. Von uns kann letzten Endes niemand behaupten was absurd ist, wenn es noch unerforscht ist. Ähnlich wie in Oscarabräumer Gravity erforscht Interstellar hier tatsächlich nicht nur das All, sondern vielmehr die Grenzen des menschlichen Verstandes.
© Warner Bros
Stilistisch ist Interstellar ein Fest. Die langsame Kamerafahrt passt zu den dezenten, ruhigen Bildern, die dem Zuschauer das Gefühl verpassen mit dabei zu sein – auf einer Reise durch die unendliche Weite des Weltraums. Wo die Emmerichs und Bays von heute eine heroische Präsidentenrede eigestreut hätten, folgt hier nach dem Kennenlernen der Erdsituation nur ein harter Schnitt und danach einfach mal der Start ins Ungewisse. Es gibt jede Menge designte Welten und wirklich atemberaubende Weltraumsequenzen. Wir bekommen knietiefe Ozeane mit berghohen Wellen, eingefrorene Wolkenhimmel und Blitzlichterhagel. Alles ohne 3D-Schnickschnack und Avatar-Effektballerei. Alles wirkt so nüchtern, so authentisch, dass man sich wünscht, es sei auch in Wirklichkeit so. Dazu Hans Zimmers Score, die Orgelmusik die sich ständig in ihrer Intensität hebt und so das Drama steigert – ganz ganz groß!
Fazit: Viele viele Jahre werden wir noch in Filmkritiken lesen Film X „…kommt nicht an Interstellar heran“. Mindestens eine Liga mit Stanley Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum. Einigen Zuschauern dürfte Interstellar zu schwierig und zu lang erscheinen. Schwere Kost für Weltraum-Gourmets, die mich absolut fasziniert hat. Einmal mehr rettet Christopher Nolan den intelligenten Blockbuster. Mehr Inception als Armageddon, mehr Memento als Apollo 13. Technisch ohnehin 1A – ich weine, dass ich den Film nicht im Berliner IMAX sehen konnte.
Ich möchte meine Leidenschaft für Filme mit Euch teilen. Es gibt so viele spannende, interessante Werke, die viel zu wenig Beachtung geschenkt bekommen. Manchmal braucht ein stark kritisierter Film einen Verteidiger. Andere gehypte Filme müssen dagegen auch mal hinterfragt werden. Filme müssen Spaß machen.

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