Der Filmtipp: Jurassic Park 3 – Gegen dieses Drehbuch fand das Leben keinen Weg

Zum Thema Allgemein, Filmtipps, Home, Monster von - Juni 09, 2015
Der Filmtipp: Jurassic Park 3 – Gegen dieses Drehbuch fand das Leben keinen Weg

Hold on to your butts! Hier ist die 3. Runde der #JurassicReview! Über Jurassic Park 3 schreibe ich nun als Gastautor für den Entertainment Blog. Nette Truppe, die Euch ebenfalls im Paket auf Jurassic World vorbereitet. Eine alternative Version meiner Review gibt’s jetzt hier, denn ich verrate Euch, warum „JPIII“ für mich nicht „unsterblich“ ist.

 

Worum geht es überhaupt? Das Ehepaar Kirby schwimmt im Geld. Für ihren Hochzeitstag planen sie etwas Besonderes – mit einem Privatflieger über Islar Nublar kreisen. Dr. Alan Grant soll daran als Experte zusammen mit seinem Lehrling Billy teilnehmen. Beide Paläontologen willigen ein, als Mr. Kirby den Check hervorzieht. Was Grant und Billy nicht wissen konnten: Die Kirbys haben gelogen und kein Geld und auch Islar Nublar birgt noch unentdeckte Gefahren.

Steven Spielberg hat für den dritten Teil der Dino-Reihe seinen Regiestuhl an „Jurassic-Fanboy“ Joe Johnston (Jumanji, Captain America, u.a.) abgegeben, der schon Teil 2 drehen wollte. Er hätte es lassen sollen. Der Film dauert 40 Minuten weniger als Teil eins und zwei und hat trotzdem fast alle Stärken seiner Vorgänger verloren. Allein die zusammengemurkste Story schmerzt wie ein Raptorbiss. Die wenigen eigenen Einfälle von Drehbuch-Autor Alexander Payne (Regie: Nebraska, Buch: The Descendants, u.a.) und Co wurden mit übrig gebliebenen Buchresten der beiden Crichton-Stories komplettiert. Mr. DNS wäre stolz.

Die Flussfahrt, ein sehr beliebter Teil des Original-Buches, war `93 noch nicht realisierbar und wurde hier nun eingebaut. Nur, dass der T-Rex dieses Mal Spinosaurus heißt. Auch der Carnotaurus aus Michael Crichtons Folge-Roman taucht auf, allerdings ohne Chamäleon-Einlagen und Partner. Anders formuliert: Nur für einen blöden Kack-Gag… Potenzial völlig verschwendet. Dafür erhält der „Vogelkäfig“ aus Buch I hier endlich seine verdiente Screentime, sogar ohne die witzhafte Baseball-Szene. Ja, es gibt auch positive Punkte!

Die schwache Erzählstruktur wäre angesichts der noch immer beeindruckenden Optik halb so wild, wären da nicht folgende Punkte, die Jurassic Park III für mich persönlich in Grund und Boden abwerten: William H. Macy und Tea Leoni als Eltern-Duo bilden das Brechmittel unter den Leinwandpaaren. Wirklich jede Mimik, jeder Möchtegern-Witz, jede Bewegung sind nervtötend. Mal abgesehen von den grausam geschriebenen Figuren würde ich die Macher von Jurassic Park III gerne folgendes fragen (Vorsicht, Spoiler):

Sollte Grants Raptortraum witzig sein? Ernsthaft? Und wie überlebt Billy die Flugsaurier fast unbeschadet? Was bitte soll diese riesige Armee, die am Ende an der Küste auftaucht? Welcher Dino soll eigentlich die Bootsfahrer von Erics Vater aus dem Boot geholt haben? Flugsaurier? Ja? Woher dann die Blutspuren? Warum kein Geschrei? Und waren die nicht eingesperrt bis zur Flucht der Truppe? Und der Typ, der meinte ein Handy im Magen als Running Gag sei super, den möchte ich gerne persönlich sprechen. Ich würde ihm zuerst mein Hass-Zitat des Films um die Ohren schmeißen:

„Das ist keine gute Idee!“

Sam Neil wirkt zwar beruhigend auf meine Nerven, doch auch er kann diesen Crap nicht vertuschen. Es hat etwas zu bedeuten, wenn die zweitbeste Leistung vom Jungdarsteller kommt, der hier überraschenderweise gut reinpasst und nicht nervt. Laura Derns Einsatzzeit ist dagegen fast schon beleidigend. Alle anderen sind mies, oder nicht der Rede wert.

Natürlich hat auch John Williams hier nicht mehr den musikalischen Beitrag zum Film komponiert. Sein Nachfolger hat sowieso nichts Großes erneuert, sondern bewerte Melodien neu aufbereitet. Alles an diesem Film wirkt unausgereift, übereilt und wenig durchdacht. Eine Ausnahme: die Velociraptoren sehen anders aus. Sie haben Federansätze, hochentwickelte Resonanzkammern und soziale Interaktion. Diese Idee basiert auf Theorien des Paläontologen Jack Horner und es ist fast schon ironisch, dass ausgerechnet dieses kreative Update bei den JP-Fans weniger gut ankam.

Fazit

Jurassic Park 3 funktioniert als kurzweiliger Actioner noch immer ganz gut. Die Effekte lassen sich ebenfalls sehen. Im Vergleich zu seinen beiden Vorgängern ist der Film trotzdem deutlich schwächer. Schlecht inszenierte Figuren, viele Filmfehler, beknackte Dialoge und Gags zum Fremdschämen sind meiner Meinung nach dafür verantwortlich, dass das Franchise bis zum 11. Juni 2015 ausstarb. Dann startet Jurassic World einen neuen Versuch – allerdings wieder mit Raptoren ohne Federn.

Ihr braucht mehr Dino-Infos? Im Rahmen unserer gemeinsamen Vorbereitung auf Jurassic World liefern der Entertainment Blog und ich Euch alle Reviews, die ihr braucht u.v.m.:

Meine Filmkritik zu Jurassic Park | Filmkritik des Entertainment Blog
Meine Filmkritik zu Vergessene Welt: Jurassic Park | Filmkritik des Entertainment Blog

Mein Gastbeitrag zu Jurassic Park III beim Entertainment Blog
Meine Traileranalyse zu Jurassic World

Meine Filmkritik zu Jurassic World

Ich möchte meine Leidenschaft für Filme mit Euch teilen. Es gibt so viele spannende, interessante Werke, die viel zu wenig Beachtung geschenkt bekommen. Manchmal braucht ein stark kritisierter Film einen Verteidiger. Andere gehypte Filme müssen dagegen auch mal hinterfragt werden. Filme müssen Spaß machen.

2 Kommentare on "Der Filmtipp: Jurassic Park 3 – Gegen dieses Drehbuch fand das Leben keinen Weg"

  • Wir sind ja bekennende Fans des 3. Teils, und verteidigen ihn immer gerne, und tun das auch hier. :)
    Dabei ist „verteidigen“ im Grunde das falsche Wort, denn die meisten deiner Kritikpunkte stimmen ja. Aber ich möchte die Kritik um einen Kontext erweitern.

    Was man bei JURASSIC PARK 3 bedenken muss, und was nicht ganz unwichtig ist: Er mag ein „schlechter“ Jurassic Park-Film sein, war aber ein extrem gutes Creature und Action Movie zu seiner Zeit.
    Man vergisst schnell, dass JP 3 einfach mal 8 Jahre nach Teil 1 herauskam, und dass die Kinowelt sich geändert hatte! Monster und Kreaturen aus dem Computer waren mittlerweile Standardware, und wurden in Dutzenden Filmen verhunzt, die noch weniger Sinn und Handlung hatten.

    Man konnte keinen Film mehr drehen, in dem ganz überraschend die Dinos zum Star werden und das Publikum überraschen – dafür waren sie zu sehr Alltag geworden.
    Und: Die Sehgewohnheiten hatten sich geändert! Mittlerweile hatten Produzenten wie Bruckheimer, Regisseure wie Michael Bay oder John Woo und Filme wie FIGHT CLUB, MATRIX oder GONE IN 60 SECONDS und dessen visuellen Brüder die Art verändert, wie Action- und Eventfilme auszusehen hatten.
    JURASSIC PARK Teil 1 und 2 wurden in jener Zeit als unglaublich dröge und staubige Dinosaurier betrachtet, weil sie viiiiieeeeelllll zu lange nicht zu Potte kamen!

    JURASSIC PARK III war ein Versuch, das Fanchise in diese neue Filmwelt hinein zu transportieren. Er sollte nicht mit JURASSIC PARK konkurrieren, sondern mit COYOTE UGLY, PEARL HARBOR, FAST AND THE FURIOUS und 3 ENGEL FÜR CHARLIE! Für dieses Umfeld wurde er kreiert. Und ja – das ist dem Film gut gelungen, den er konnte das Franchise wirklich gut in diesem Umfeld verorten. Auch wenn manches wirklich zum Haareraufen ist, wie die Traumszene. Aber: Ungeliebt wie er heute ist, war er 2001 wirklich erfolgreich.

    Das Problem dabei ist, dass das „Actionkino“ der Jahrtausendwende heute als extrem simpel und billig angesehen wird. Aber damals war das, wie Europop wenige Jahre vorher, einfach unglaublich einflussreich.

    Im Kontext des des Franchises mag JP III als Fast-Food Variante nicht viel hermachen, und heute wirkt er irgendwie simpel, aber er ist ein (wirklich gutes!) Kind seiner Zeit. Dass die Zeiten sich ändern, ist ja nicht seine Schuld. :)

    Übrigens steht zu erwarten, dass es Teil IV ähnlich ergehen wird – er wird sich an den aktuellen Sehgewohnheiten orientieren, die inzwischen von Superheldenfilmen bestimmt werden. Er wird ein Film für das Jahr 2015 werden, und wird all die Probleme haben, die das mit sich bringt. (In einem, bzw. zwei Tagen wissen wir mehr!)
    Wenn ein Film – wie JP 3 – für seine Zeit ein guter Film ist, dann ist das manchmal alles, was man erwarten kann.
    (Teil 2 hingegen war schon für seine Zeit unglaublich mies und völlig veraltet und voller Fremdschämmomente!)

    Kann ja zum Gück nicht jeder Film ein Meilenstein sein, und nur den wenigsten Franchises gelingt es auch, mehr als einen herausragenden Teil zu produzieren. :)

    • Micha

      Mein Problem mit Teil 3, im Grunde schon bei 2, ist einfach, dass ich eben nicht nur ein Creature Action Movie sehen wollte, sondern eine konsequente Fortführung der Reihe. Das Buch bzw. die Bücher hatten einfach noch viel zu viele super Ideen. Und die wurden entweder ignoriert oder misshandelt^^
      Die neue Ausgangslage für den Film ist mir damals schon bewusst gewesen, aber das war mir insgesamt einfach zu viel Plätte hinter dem Dino-Deckmantel. Dann lieber gar nix machen. Der Kniff mit dem Spino war dabei ja noch okay.
      Und ja, IV hat sich ganz offensichtlich an den neuen Sehgewohnheiten orientiert, aber auch viele Referenzen zur Originalstory eingebaut und vor allem versucht Details und Ideen die heute faszinieren könnten so auch umzusetzen. Soll heißen, hier wurde mal wieder versucht das Parkerlebnis hinzubekommen, nur halt eben in Neuzeit. JPIII war für mich Dino-Taken oder sowas.

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