Der Filmtipp: Jurassic World – Rasanter Neustart für Raptor, Rex und Co

Zum Thema Allgemein, Filmtipps, Home, Monster von - Juni 11, 2015
Der Filmtipp: Jurassic World – Rasanter Neustart für Raptor, Rex und Co

14 Jahre mussten die Fans des Jurassic Park auf den vierten Teil warten, nun ist es endlich soweit. Ich will Euch auch gar nicht lange auf die Folter spannen und versuche so wenig zu spoilern, wie nur möglich. Denn diesen Film sollte man im Kino erleben. Jurassic World wird nicht alle Zweifler umstimmen, aber viele Kritiker besänftigen und Fans glücklich machen. Ich bin jedenfalls seelig wie ein Kleinkind.

 

Worum geht es überhaupt? Dinosaurier. Okay, bisschen mehr Info: Durch die Gelder von Masrani Global existiert nun doch ein hochtechnologisierter Park mit echten Dinos. Seit 20 Jahren, reibungslos. InGen ist nach wie vor für die Gentechnik verantwortlich. Unter der Leitung von Dr. Henry Wu wird ein Hybrid geschaffen, der die Attraktivität des Parks steigern soll. Parallel dazu werden Raptoren getrennt vom Rest des Parks trainiert und getestet. Als der Hybrid ausbricht wird ihr Trainer damit beauftragt das Problem in den Griff zu bekommen.

Offiziell schließt Colin Trevorrows Blockbuster-Debüt am Original von 1993 an. Allerdings werden die Vorkommnisse aus Vergessene Welt und Co nur einfach nicht erwähnt. Anders als in allen Vorgängerfilmen besteht Jurassic World dramaturgisch nun nicht mehr nur aus Wegrennen. Im Gegenteil, es gibt interessante Allianzen, die zurückschlagen. Das ist gut so. Für Nostalgiker gibt es trotzdem zig schöne Referenzen, wie z. B. die alten Jeeps, Mr. DNS, den Dilophosaurus, die rote Lichtfackel, „die Ziege“, das alte Tor, u. v. m.

Doch auch der neue Park strotzt vor Details und Ideenreichtum. Alles kann man beim ersten Ansehen gar nicht erfassen. Boutiquen, Restaurants, der Souvenir „Jurassic Trader“…ein IMAX-Kino zeigt einen Film namens „Pterosaura“, es gibt ein Hilton Hotel, eine Shopping Main Street, Gyrosphären für zwei Personen, eine Magnetbahn, Dino-Hologramme und einen Streichelzoo. Letzterer wirkt bei eingefleischten Jurassic-Fans aber vielleicht etwas befremdlich, wenn Kinder auf einem Triceratops-Baby reiten oder ein Brachio-Junges umarmen.

„…wie ein Waldspaziergang…vor 65 Millionen Jahren.“

Was mir persönlich sehr gefällt ist, dass der Klamauk-Pegel deutlich runtergeschraubt wurde. Kein Handy im Magen, keine McDonalds-Bestellung, keine Raptorträume. Natürlich ein paar lockere Sprüche auf Familien-Level, aber das gehört auch irgendwie dazu. Sogar ein Spritzer Selbstironie ist dabei. Wenn Lowery (Jake Johnson) dafür kritisiert wird ein Jurassic Park Shirt zu tragen und er daraufhin spitz formuliert, dass früher alles authentischer und weniger technisch war, dann ist das einfach sympathisch. Ebenso Claires Erklärung für den Namen „Indominus Rex“.

Auf Sympathie sind auch die Figuren des Films ausgelegt. Sie passen alle durchweg in die JP-Reihe, keine Frage. Chris Pratt gesteht, dass er für die Figur Owen Grady seinen eigenen Humor reduzieren musste. Das merkt man ihm an. Es gelingt nicht immer, hält sich aber in akzeptablen Grenzen. Es gibt hier keinen zweiten Star Lord, er ordnet sich klasse ein. Bryce Dallas Howard hat die schwierigste – weil anfangs unsympathischste – Rolle, doch sie wächst hinein und macht zum Ende hin ebenfalls alles richtig. Gradys ziemlich bester Freund (Omar Sy) wird dagegen zur Randfigur degradiert. Simon Masrani (Irrfan Khan) ist überraschend sympathisch, realistisch und locker für einen millionenschweren Investor. Das macht die Figur interessanter, auch sie bleibt aber leider blass.

Ganz anders dagegen die beiden Jungs. Während Nick Robinson gekonnt die heutige Handy-Pubertät darstellt, ist es gerade Ty Simpkins, der mit seiner kindlichen Euphorie die große Faszination durchspielt, die seit 1993 so viele Kinder (und erwachsene Kinder) durchlebt haben. Für mich ganz wichtig: Sie nerven nicht und turnen keine Raptoren zu Tode. Sie machen das wirklich gut! Eine Hoffnung muss ich Euch aber nehmen: Es gibt leider keine Gastspiele von Jeff Goldblum, Sam Neil und Laura Dern. Dafür einen Cameo-Auftritt von Jimmy Fallon als er selbst. Im Mittelpunkt stehen aber sowieso die Dinos.

Der Indominus Rex ist schon beeindruckend und tatsächlich ein Vieh, dem man lieber nicht begegnen möchte. Allerdings geht seine Einführung auch irgendwie zu fix und unspektakulär. Liebe Hybriden-Antis, er ist nicht der absolute Mittelpunkt. Viel mehr durchläuft der Film zwei Storylines. Ich sage nur so viel: Die Raptoren-Dressur macht so, wie sie gezeigt wird, mehr Sinn als gedacht und wird auch nicht übertrieben. Überraschenderweise wird die dämliche Ursprungs-Idee von militärischen Kampf-Raptoren hier gekonnt eingeflechtet, ohne lächerlich zu wirken.

Ein bisschen schade ist, dass ein gewisser Twist und auch der Weg zum Finish von den unzähligen Trailern und TV Spots leicht gespoilert wurden. Selbst wer die Trailer nicht auswendig kennt, der wird im Film mehrmals penetrant darauf hingewiesen. Der Aha-Effekt ist dadurch eher so halbstark. Dafür gibt es eine richtig coole Mosasaurus-Szene, Pearl Harbor feat. Flugechse und einen rasanten Kampf des Hybriden mit einem Ankylosaurus.

Jurassic World ist der erste Film der Reihe, der in 3D und im IMAX-Format gedreht wurde. Die Brille lohnt sich meiner Meinung nach nicht, jedenfalls nicht für die gängigen Preise. Auch kommen die CGI-Dinos einfach nicht ans Original heran. Die Apatosaurier sehen sogar richtig doof aus. Dafür ziehen die epischen Panoramas und der grollende Sound einen direkt per Heli auf die Islar Nublar. Von Ton über Kameraführung bis Schnitt gibt’s nix zu meckern. Michael Giacchinos Score bleibt dagegen etwas unter seinen Möglichkeiten, mir hätte es etwas lauter und heroischer besser gefallen.

A propos Schwächen, hat Jurassic World denn nun welche? Ja. Obwohl Dr. Wu’s Figur eine der interessantesten ist, wird kaum auf genetische Codes, DNS-Fragmente und Co eingegangen. Anders formuliert: Mir fehlen nach wie vor die wissenschaftlichen Debatten. Selbst die Gesellschaftskritik wird eher dünn angeschnitten, wenn z. B. etwas plump von „Produkten“ gesprochen wird oder Vincent D’Onofrio verzweifelt den Militärpfosten mimen muss. Bei „nur“ 124 Minuten wäre da mehr drin gewesen. Generell durchläuft der Zuschauer den Plot wortwörtlich.

Sparen hätten sich Spielberg, Trevorrow und Co die vielen Klischees. Von den Scheidungskindern über den Ex-Marine bis zum Profitgeier und dem vermeintlichen Liebespaar. Das Ende zeigt mir generell etwas zu viel gewollten Naturkitsch für Dinoromantiker. Aber es ist eben ein FSK12-Film, der massentauglich sein will und deshalb auch nicht zu viel Gewalt und Blut zeigen darf.

Fazit

Weil wissenschaftliche Aspekte übergangen werden und die Effekte zu Gaming-mäßig aussehen kommt Jurassic World nicht an das Original von 1993 heran. Ansonsten macht der Film aber vieles richtig. Sympathische Charaktere, viele interessante Einfälle und das Vermeiden von Klamauk. Er ist spannend, sehr actionlastig, witzig und unterhält bis zur letzten Minute. Müsste ich ihn einordnen, Vergessene Welt und Jurassic Park III würden deutlich schlechter abschneiden. Zusammen mit Mad Max: Fury Road das einzige Blockbuster Highlight 2015 – bis jetzt!… Außerdem gibt es viel Freiraum für ein Sequel uuuund… es gibt den einen, den ich in der ganzen Review nicht angesprochen habe 😉

An dieser Stelle auch nochmal ein großes Dankeschön an die Jungs vom Entertainment Blog, denn unsere jeweiligen Filmkritiken sind ja im Rahmen einer gemeinsamen Idee entstanden.

Meine Filmkritik zu Jurassic Park | Filmkritik des Entertainment Blog
Meine Filmkritik zu Vergessene Welt: Jurassic Park | Filmkritik des Entertainment Blog

Mein Gastbeitrag zu Jurassic Park III beim Entertainment Blog (tba)
Meine Traileranalyse zu Jurassic World

Ich möchte meine Leidenschaft für Filme mit Euch teilen. Es gibt so viele spannende, interessante Werke, die viel zu wenig Beachtung geschenkt bekommen. Manchmal braucht ein stark kritisierter Film einen Verteidiger. Andere gehypte Filme müssen dagegen auch mal hinterfragt werden. Filme müssen Spaß machen.

2 Kommentare on "Der Filmtipp: Jurassic World – Rasanter Neustart für Raptor, Rex und Co"

  • Der Film konnte mich leider so gar nicht begeistern. Wirkte auf mich eher wie ein schlechter 80er Jahre Action-Film mit Charakteren, die nicht schlimmer und langweiliger hätten sein können. Auch dieser Indominus Rex, der natürlich alle coolen Features hat, die so ein Super-Dino nur brauchen könnte… das war mir alles zu viel und zu wenig Staunen im Dino-Park.

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