#Horrorctober 2016 – Teil 4: Iron Werewolf (2013) – Interview mit Dominik Starck

Zum Thema Allgemein, Home, Interviews, Monster von - Oktober 29, 2016
#Horrorctober 2016 – Teil 4: Iron Werewolf (2013) – Interview mit Dominik Starck

Gemeinsam haben wir in Podcasts bereits über Mad Max, Oscar-Verleihungen und Terminatoren philosophiert. Anlässlich des Horrorctobers 2016 habe ich meinen geschätzten Kollegen Dominik Starck zu Iron Werewolf befragt, den er mitproduziert und sogar mitgespielt hat.

 

 

Hi Dominik, in Zeiten der Sharknados und Zombiber muss ich mit dieser Frage einsteigen: Warum ein Nazi-Wolf?

Hi, exakt die Frage habe ich mir auch gestellt zu Beginn. Niemand würde die Nase rümpfen über einen reinen Werwolf-Film oder bei einem Film über den 2. Weltkrieg. Kombiniert man die beiden Elemente, dann landet man automatisch in einer Filmecke, die sich gewissen qualitativen Sphären verschließt. Auf der anderen Seite ist es eben ein High-Concept-Filmthema, das sich gut verkauft und kleine Budgets verzeiht. Man gibt dem Zuschauer zwei Stichworte an die Hand und er hat ein exaktes Bild von dem, was ihn da erwartet. Keine hohe Kunst oder einen Big-Budget-Blockbuster, aber mit etwas Glück Unterhaltung in der Art, wie sie die Artverwandten der Sharknados auch bieten.

Also nicht lange überlegt?

Ich für meinen Teil habe mich direkt nach dem Angebot hingesetzt und bin in mich gegangen, ob ich allen Ernstes einen Film über einen von Nazis gezüchteten Werwolf drehen möchte, der Dekaden später wieder auf die Menschheit -oder zumindest eine Gruppe unvorsichtiger junger Erwachsener- losgelassen wird. Ich bat mir 24 Stunden Bedenkzeit aus. Noch am selben Abend rief ich, ohne das Drehbuch gesehen zu haben, zurück und sagte zu. Die Idee ist so verrückt, das Budget war so niedrig, der Duft von Abenteuer so deutlich in der Luft, dass der Filmnarr in mir die klare Ansage machte, ich würde es mir vermutlich ewig vorwerfen, wenn ich mich nicht daran versuchen würde. Dann habe ich das Drehbuch von Marco Theiss bekommen und damit auseinander gesetzt. Es beinhaltete einige Elemente, die ich nicht erwartet hatte und umso mehr war ich gespannt, in welche Richtung das Projekt am Ende stilistisch laufen würde.

Wofür warst Du selbst verantwortlich bei Iron Werewolf?

Meine Tätigkeit bei Iron Werewolf, der damals ja noch Werewolf Terror hieß, war zunächst ganz einfach. Ich stieß als Co-Executive Producer zu dem Projekt, nachdem ich mit dem Ausführenden Produzenten zuvor an der Entwicklung eines Projektes gearbeitet hatte, das dann doch erst einmal nicht zustande kam. Kreativ war in der Vorproduktion zu diesem Zeitpunkt aber schon alles gelaufen, sodass ich primär als Darsteller in der Rolle des Spike Jones vor die Kamera treten konnte. Im weiteren Verfahren wurde ich dann immer weiter in den Produktionsprozess mit einbezogen, habe an einigen Szenen gearbeitet und bin dann vor allem während der Nachbearbeitung als Post Production Supervisor für die Abstimmung der verschiedenen Abteilungen wie Effekte, Ton und Schnitt verantwortlich geworden. Das war so zwar nicht geplant gewesen, hat sich aber durch die Zusammenarbeit mit der Zeit einfach ergeben und ich war froh für die Erfahrungen, die ich dabei sammeln konnte.

Du hast das Drehbuch angesprochen und Elemente, die du nicht erwartet hast. Welche waren das und wie sah Dein Iron Werewolf vorher im Kopf aus?

Als das Drehbuch auf meinem Tisch lag hatte ich noch ein paar wenige Tage, um es zu lesen, dann waren bereits meine Drehtage angesetzt. Daher habe ich mir zunächst meine eigenen Szenen vorgenommen und war dann nicht schlecht erstaunt, dass da doch einiges mehr an Dialog enthalten war, als angenommen. Nicht zu vergessen die physische Konfrontation meiner Rolle mit dem Werwolf. Oh und nicht zu vergessen eine Sexszene, von der ich zuvor noch nie gehört hatte. Da hatte ich erst einmal einiges zu verdauen. Man darf nicht vergessen, dass ich zwar schon Theater-Erfahrung hatte, aber noch nie vor einer Filmkamera gestanden hatte. Was mir vom Lesen des Drehbuchs danach noch im Kopf blieb waren die Rolle des Trigger, die letztlich von Hannes Sell gespielt wurde, der mich sehr beeindruckt hat. Ursprünglich hätte diese Rolle auch noch einen anderen ethnischen Hintergrund gehabt, was die Konfrontation mit der Rolle des Leon, meines Halbbruders mit rechtsradikaler Vergangenheit, noch etwas würziger gemacht hätte. Ich hatte einen formelhaften aber funktionierenden Horrorstoff erwartet und… (wird höflich unterbrochen)

…Ja, sehr interessant, aber welche Sexszene?

Haha! Ohne es vorweg zu nehmen: ein günstiger Horrorfilm braucht vor allem auch Blut und nackte Haut. Es macht wenig Sinn, Independent-Filme zu produzieren und dann nicht die Freiheiten zu nutzen, die diese mit sich bringen. Also waren in dem Drehbuch auch zwei, nun, sagen wir mal höflich „Liebesszenen“ enthalten. Die eine mit meiner Rolle, die andere mit einer anderen. Das Drehbuch sagte allerdings nichts darüber aus, wie explizit diese sein würde. Da macht sich die Eitelkeit auch im Schauspiel-Anfänger schnell bemerkbar. Am Drehort angekommen stellte sich heraus, dass diese Szene auch direkt an meinem zweiten Tag gedreht werden sollte. Im Drehbuch war die Szene tatsächlich nur ein Satz und so war das eine meiner ersten Fragen an den Regisseur: Was genau stellst du dir darunter vor?

Und der Regisseur so: „Du trägst eine Maske und irgendwo liegt Stroh“…

…Haha, nicht ganz. Rückblickend lache ich gerne darüber, weil es einer gewissen Surrealität nicht entbehrt. Aber da standen wir dann, meine Schauspiel-Kollegin und Szenenpartnerin und ich vor dem Regisseur, der kurz schweigend über die Frage nachdachte und dann antwortete: Bietet mir doch mal was an. Wir haben das dann unter uns besprochen und eine halbe Stunde später wurden die Set-Dekorateure zurückbeordert, die in den dreckigen Kellerraum, wo die Szene stattfinden sollte, ein Sofa reinstellen sollten. So unangenehm die Situation auch ist, aber das hätte einfach keinen Sinn dort gemacht.

Man darf also gespannt sein! Apropos, was steht bei dir in naher Zukunft an?

Nach „Iron Werewolf“ folgten für mich noch ein paar weitere Filmprojekte, vor allem aber habe ich mich darauf verlagert, meine eigenen Stoffe zu schreiben und umzusetzen. Mein erster Spielfilm, ein Thriller im Milieu der Profikiller, ist gerade in der Post-Production und soll Anfang 2017 fertig gestellt werden. Wenn alles gut geht stehe ich da dann bereits auf dem Set meines neuen Projektes, über das ich noch nicht viel erzählen kann, außer, dass ich damit einmal eine ganz andere Richtung einschlage. Ein ambitioniertes Projekt, dessen Idee ich vor ca. 13 Jahren mit einer guten Freundin entwickelt hatte. Ich glaube, die Zeit dafür ist jetzt gekommen und die ersten Feedbacks zu dem Material haben meine Erwartungen weit übertroffen. Da heißt es Daumen drücken, dass wir mit den zur Verfügung stehenden Mitteln und viel Herzblut das auf Film fangen können, was wir jetzt auf Papier bereits lieben.

Die Daumen sind gedrückt!

Vielen Dank, das schadet definitiv nie. Im Bereich des unabhängigen deutschen Genre-Filmes bewegt man sich meistens außerhalb von jeglichen Fördermitteln und damit fehlt es meist an Geld und damit auch an Zeit. Woran es nie fehlen sollte sind Kreativität, Liebe und Leidenschaft. Das sind die Dinge, die ich mir für meine Projekte auf die Fahne geschrieben habe. Und wenn auch nur etwas davon in naher Zukunft bei auch nur einem Zuschauer ankommt, dann haben sich die Mühen gelohnt.

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Ich möchte meine Leidenschaft für Filme mit Euch teilen. Es gibt so viele spannende, interessante Werke, die viel zu wenig Beachtung geschenkt bekommen. Manchmal braucht ein stark kritisierter Film einen Verteidiger. Andere gehypte Filme müssen dagegen auch mal hinterfragt werden. Filme müssen Spaß machen.

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