Relax! Die deutsche Filmblogosphäre sollte sich nicht so ernst nehmen

Zum Thema Allgemein, Home von - Oktober 14, 2016
Relax! Die deutsche Filmblogosphäre sollte sich nicht so ernst nehmen

Ich beobachte die Filmblogosphäre jetzt seit gerade mal drei Jahren. Betrachtet meine Aussagen also bitte aus der Sicht eines Quereinsteigers. Unbedingt wollte ich dort eintauchen, weil ich das Gefühl hatte, dort unter die Menschen zu geraten, die Filme genauso lieben wie ich. Relativ schnell habe ich aufgeschlossene Blogger kennengelernt, echte Filmkenner und Hobby-Geeks. Schnell fühlte ich mich bestätigt und gut aufgehoben. Wie das eben ist, wenn mir etwas am Herzen liegt, erweiterte ich mein „Engagement“ innerhalb der Blogosphäre um die Filmtipp Award Jury und Interviews mit anderen Schaffenden. Schon damals hatte ich das Gefühl, dass diese ganzen spannenden, tollen Menschen, enger zusammenrücken sollten.

Die gefühlte Wahrheit ist nämlich, eine „Sphäre“ blinzelt nur hin und wieder durch, beim Horrorctober zum Beispiel, oder vereinzelten Blogparaden. Aber Bloggen, das ist immer privat. Es war naiv zu glauben, dass alle mit der gleichen Intention daran arbeiten. Meiner Erfahrung nach gibt es – logischerweise – auch die, die für sich bleiben wollen. Andere pflegen eine gewisse Überheblichkeit, heben sich über andere. Wiederum andere sind verbissen auf der Jagd nach Anerkennung, Lesern und Klickzahlen. Ich kann das nicht bewerten. Es steht mir nicht zu, denn irgendwo dazwischen stehe ich selbst im Moment. Bloggen ist nun mal kein Beruf, der dir auferlegt dich anpassen zu müssen. Das ist in Ordnung und richtig so.

Filmblogger: Ein Mix aus „Hunger Games“ und „Suicide Squad“

Was ich dagegen nicht verstehe ist das Konkurrenzdenken, das die wenigsten zugeben würden. Es ist spürbar. Ganz oben auf der Liste: die frustrierte Ohnmacht gegenüber Clickbait-Riesen wie Moviepilot. Sie sind nun mal da und die deutsche Filmblogosphäre wird sie niemals übertrumpfen. Das ist schlichtweg nicht machbar. Als studierter Schreiberling würde ich mir den Axel-Springer-Verlag auch gerne zum Mond wünschen. Aber das wird nie passieren. Die eigene Meinung zu solchen Contentfabriken zu äußern ist immer richtig. Den eigenen „Erfolg“ an ihnen zu messen, oder gar neidisch auf sie zu blicken, dagegen schon. Denn eines ist wohl klar: In Deutschland wirst du niemals, zu keiner Zeit, von deinem Filmblog leben können. Das war nie so und wird es in absehbarer Zeit auch nicht sein.

Es bringt also erst recht nichts, andere Blogger als Konkurrenten zu betrachten. Diese Einstellung – und ich erlaube mir diese Aussage auch ohne Beleg – finde ich schrecklich. Wenn der eine nur Filmkritiken rauspulvert, während der andere seinem Nischenthema 10.000 Wörter widmet, dann ist beides doch vollkommen okay?! Der eine hat 1.000 Follower in den sozialen Medien, vielleicht sogar nur durch Gewinnspiele. Der andere nur 200 oder weniger. Blogger XY ist der 100. Blogger, der über Mad Max oder Game of Thrones schreibt. Na, und? Wir müssen uns frei machen von dem ständigen Gedanken attraktiver, besser und informativer zu sein, als der andere. Wir haben keinen Auftrag, niemand hat nach uns gerufen.

Das Persönliche geht verloren

Persönlich kann ich zum Beispiel behaupten, nur Bloggern zu folgen (und damit meine ich ihre Texte zu lesen, mit ihnen bei Twitter zu diskutieren etc.), die mir sympathisch sind. Seid mir bitte nicht böse, aber Qualität ist hier für mich tatsächlich zweitrangig. Obwohl ich natürlich viele von euch weiterempfehlen würde, keine Frage. Nur, greife ich den Kommunikationsgedanken vom Anfang noch einmal auf, ist die deutsche Filmblogosphäre für mich eben genau das. Klein, familiär und weit authentischer als das Event-Handshaking zwischen Make-Up, Dronen und Hanteln. Warum also hat sie diese Komplexe? Warum machen sich viele dieses Geschenk so kaputt?

Im Moment überlege ich selbst, ob ich mit „Der Filmtipp“ noch so weitermachen kann, wie bisher. Das hat vor allem persönliche Gründe. Klar freue ich mich, wenn die Leserschaft steigt. Doch tut sie es nicht, ist das kein Grund für mich aufzuhören. Ich weiß auch, dass ich damit nie wirklich Geld verdienen werde. Millionen Follower warten hier nicht auf mich. Eigentlich niemand. Das Bloggen ist ein Ventil für mein Bedürfnis, mich über mein Hobby mitzuteilen oder es wenigstens niederzuschreiben. Am liebsten mit anderen zusammen. DAS zählt für mich. Ich spreche gerne über Filme, gehe gerne ins Kino, diskutiere gerne. Doch auch wenn ich das Schreiben an sich liebe, frage ich mich, ob es mich in meiner Leidenschaft zum Thema Film nicht vielleicht sogar eher einschränkt oder an dieser Leidenschaft frisst. Zeit spielt immer eine Rolle, aber sollte sie das überhaupt? Es ist schwierig zu erklären.

Druck macht überhaupt keinen Sinn

Na, jedenfalls: Lob, Anerkennung, all diese Dinge, die unserer Generation auch im Job wichtig sind, tun gut und motivieren vielleicht, sind in der Filmblogosphäre aber nicht gewährleistet. Ich habe selbst kein breites Wissen über die Filmgeschichte, keinen technischen Background. Ich muss hier niemandem irgendetwas beweisen, vor allem nicht mir selbst. Es ist eine Leidenschaft, über eine andere Leidenschaft zu schreiben.

Doch obwohl ich selbst all diese Dinge weiß, setze ich mich selbst einer gefühlten Bringschuld aus. Liefern zu müssen, obwohl keiner wartet. Das ist eigentlich bescheuert. Wenn jetzt private und gesundheitliche Aspekte hinzugezogen werden, stellt sich die Sinnfrage des Weitermachens eben trotzdem. Verbissenheit hat hier nichts verloren. Wer in seinem Ausgleich zum stressigen Arbeitsalltag anfängt, sich auch hier Druck zu machen, der kann im schlimmsten Fall sogar krank werden davon. Ich habe selbst Momente gehabt, in denen ich ein schlechtes Gewissen hatte, meinen nächsten Podcast nicht in wöchentlicher Regelmäßigkeit abliefern zu können. Ein Irrsinn! Wen juckt’s? Es gibt keine Deadlines, keine Fristen, keine Sanktionen.

Im Moment stelle ich fest, dass reihenweise Blogs das Zeitliche segnen, brachliegen oder frustriert sind. Das hat die unterschiedlichsten Gründe. Übrigens auch positive, wenn jemand zum Beispiel seine Linie gefunden hat, glücklich ist und das Bloggen nicht mehr braucht in seinem Leben. Meinen eigenen Weg habe ich auch noch nicht gefunden. Ich hatte nur das Bedürfnis anderen Bloggern, oder denen, die es mal werden wollen, sagen zu wollen: Macht es einfach. Macht, was ihr machen wollt. Geht, wenn ihr nicht mehr wollt, aber bleibt dabei, wenn ihr noch Spaß daran habt. 

Konzipiert nicht groß herum, ihr seid kein Konzern. Filmblogs in Deutschland sind keine Quelle des Reichtums. Sucht von mir aus aktiv nach Menschen, die eure Leidenschaft teilen und vielleicht als Leser wiederkehren. Oder als Freunde. Stress hat hier nichts verloren. Warum? Es gibt hier nichts zu verlieren! Kommuniziert miteinander, verschließt euch nicht gegenüber anderen Bloggern und seit aufgeschlossen zueinander. Nehmt euch und die deutsche Filmblogosphäre bitte einfach nicht so ernst. Sie ist es – und das meine ich alles andere als böse – einfach nicht wert.

  • Release Datum: 2016
Ich möchte meine Leidenschaft für Filme mit Euch teilen. Es gibt so viele spannende, interessante Werke, die viel zu wenig Beachtung geschenkt bekommen. Manchmal braucht ein stark kritisierter Film einen Verteidiger. Andere gehypte Filme müssen dagegen auch mal hinterfragt werden. Filme müssen Spaß machen.

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